Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1884)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1884-01-17
- Page
- 47 (sequence 2)
- Language
- German
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zu zollen diesem \m erschienenen Werke der tatmudischen > Literatur, das sich höchst rühmlich von so vielen Er׳ Zeugnissen der Gegenwart ans diesen! Gebiete unterscheidet und weiteren Kreisen unbedingt empfohlen zu! werden verdient. Dasselbe besaßt sich, wie schon der! Sachkundige ans dem Titel des Wertes entnehmen ' wird, mit einem der schwersten Abschnitte des Talmuds. Um diesem Werke in gebührender Weise die schuldige Achtung und Anerkennung zu zollen, glaube ich, es nicht besser thnn zu können, als in dem Hinweis darauf, daß dasselbe, seiner ganzen Anlage und Anssührnng nach, gleichsam Front macht gegen zwei Richtungen, die leider heult beim Studium der talmndischen Literatur sich geltend machen, von denen die eine höchst Mangelhast, die andere geradezu unheilbringend ist. Die erfteve besteht in einer allzu großen Oberflächlichkeit. Es glauben leider sehr Biele, dem talmndischen Studium Genüge gethan zu haben, wenn sic den Text desselben übersetzen und den Sinn sich zurecht legen können. Ein solches Studium reicht allerdings ans für solche, die dem Talmud, sei cs aus Wissenstrieb, sei es wegen der Erfüllung des Gebotes unserer heiligen Schrift, sich mit der Thora zu befassen. obliegen. Wer aber sich diesem Studium widmet, um einst religiöse Fragen entscheiden zu sännen, der muß unbedingt eine gewisse Fertigkeit darin besitzen, mit der Schärfe des Geistes in die Untiefen des Talmuds cindringcu zu können, um die einzelnen Begriffe, die sich allzu oft' nur haarfein von einander unterscheiden, ans einander zu halteu und zu trennen. Denn unter zehn religiösen Fragen, die zur Entscheidung vorkominen, sind zumeist neun der An, daß ihre Entscheidnng nicht sofort in die Augen springt, und wer nicht einen hohen Grad von Sicherheit besitzt, Begriffe, die ziemlich nahe verwandt sind, die sich scheinbar decken, auseinander zu halten, der kann unmöglich bei der Entscheidung solcher Fragen ein sicheres und richtiges UrtheiL fällen. — Freilich hört man sehr oft von Lenen, die der erwähnten Nichtnng ans leicht begreiflichcu Gründen huldigen, das liefere und gründliche Studium des Talmuds als eine polnische Art mit dem etwas verächtlichen Worte ״Pschättel" bezeichnen; ein solches Urthcil beruht indes zumeist ans Verkennung der wahren Sachlage. In der That versteht man nämlich unter ״Pschättel" nur das Ausbanen einer großen Kette von Schlüssen, wo jeder Schluß als eine Prämisse für den folgenden benutzt wird. Da mm die meisten Schlüsse, außer dem Gebiete der Mathematik, nur auf einen gewissen Grad der Wahrscheinlichkeit, nicht aber ans absolute Wahrheit Anspruch machen können, so wird die Wahrscheinlichkeit eines Resultates, das aus Grund einer großen Reihe von Schlüssen hervorgegangcn ist, um so geringer, je größer die Anzahl der einzelnen Glieder der Kette ist. Aus diesem Grunde stehen diese Schlüsse gerade bei denen, die auf cm gründliches und sorgfältiges Forschen bedacht sind, in schlechtem Ansehen. Andererseits läßt sich jedoch nicht in Abrede stellen, daß dieselben als Anspornung zum Denken und als Mittel, den Geist zu schärfen für solche, die eine feste Grundlage im Talmud bereits besitzen, die nicht mehr zu befürchten brauchen, Schlüsse, die einen allzu geringen Grad der Wahrscheinlichkeit in sich tragen, anfznslellen, von Nutzen sein können. — | Wie dem aber auch sei, so hat das tiefe Eindringen in die Schichten des Talmuds mit dem ״Pschättel" nichts zu thnn und die verächtliche Bezeichnung des elfteren erinnert unwillkürlich an die Fabel von dem Fuchs und den Trauben. - Eine andere noch viel schlimmere Richtung, die sich leider heute allzu sehr Bahn bricht, besteht darin, daß Veute von geringen talmndischen Kenntnissen oder solche, die wohl viel gelernt haben und die talmndische Literatur mehr oder minder beherrschen, denen jedoch die Anlagen auf diesem Gebiete produktiv thätig zu sein, abgehen, glauben sich darin versuchen zu müssen. Da sie die Versuche keineswegs dem gereiften Urtheile eines Sachkundigen unterziehen, so verlernen sie mit der Zeit geradezu das richtige Denken und gewöhnen sich allmähtig, die verschiedensten Begriffe untereinander zu verwirren. Ans diese Weise werden leider allzu oft, mitunter von wohlklingenden Namen, derartige Erzeugnisse der Oeffentlichleit übergeben, die, wenn sic ein Untersekundaner in seinem deutschen Aussätze anbringm würde, mit der größten GemüthSrnhe wegen Mangel an logischem Denken von seinem Lehrer die Note [V. zu erwarten hätte. — Den schroffsten Gegensatz zu diesen beiden Nichtnngen bildet die erwähnte Schrift von Herrn R a b bin er 01׳. Plato. Sie zeichnet sich ans durch.eine überaus große Schärfe des Geistes, mit der fast jedes Wort der betreffenden Stellen, die in Betracht kommen, geprüft wird und durch eine Fülle von sorgfältigen und höchst einleuchtenden Betrachtungen, wodurch der Inhalt des Werkes an sich alle Auerkcnnung verdient und insbesondere als Anregung imd Vorbild für die Jünger der talmndischen Literatur höchst wenhvoll ist. Ich kann daher daran nur den Wunsch knüpfen, daß dieses Werk in weiten Kreisen sich Eingang verschaffe, und der Verfasser uns alsbald mit der versprochenen Fortsetzung seiner geistigen Erzeugnisse erfreue. Würz bürg. lUkisky. Ick'ir die illhU’Brannfat in /tonftantiitopef. fiiio bei nno ferner eingegangen: von N. X., Ham bürg -Zur Annahme von weneren spenden sind wir gern bereit. Expedition des Zcschurmi.