Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1884)
- Article
- Rußland : Petersburg, Januar [Nachricht]
- Date
- 1884-01-17
- Page
- 45 (sequence 2)
- Language
- German
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- Baku 1× ep/1000527
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45 nie ein Haß: au Beispielen von größter O'nteit tiub einem bm־ei)au*? {veunbjcin1ftlitl)cn VertMniß von Seiten der Bauern \\\ den Inden selbst in denjenigen Fällen, wo Indeuversolgnngen slausanben, fehlt es nicht. ist der Bauer 'und in noch höherem Grabe der Arbeiter sehr vertrant mit b'ent Gedanken geworben, daß er mehr oder weniger migestrasi dae Gut ber Inden ausplündern darf, r'iach wie vor aber ist von Inbenverfolgnngen im Wehen Rußlands, wo sich die Hauptmasse der Inden konzemrirt und and ökonomischen Gründen ans die Allsbeutlmg der Bevölkerung angewiesen ist, nichts zu hören, und m den Inbenverfolgnngen im Süden.sind die anführenben und ansführendeu Elemente auch bei den letzten Ereignissen die fremden Arbeiter gewesen, die ans den Gonvernentenleit konnnen, i1׳ welchen keine Inden mochten. Wenn der Einfluß der Indenverfolanngen ans die niederen Klassen darauf hiuznsühren ist, daß das Volk sich an Plnndereien, t^ewaltthaten, an Zusanunenstöße tnit der Polizei gewöhnt, so ist der Einfluß dieser Bewegung ans die intelligenten blassen ein nicht minder fd)limmcv und dem oral isirenber. Wie bekannt, gehört die Inbensrage zu denjenigen Angelegenheiten, über welche in Rußland nicht gut frei zu sprechen ist. Die Beschützer der Juden, die Bersechter der Gleichberechtigung der Juden, maßten mit ihren Meinungen stark zurüekhalten. Der Antlst'iuilismns hingegen hat weniger Beschränkung gesunder! nnb da seine Gegner schweigen ninßren, sich selbst dort breit gemacht, rvo er in besseren Zeiten nie gelitten tvorden tväre. Einen außerordentlich traurigen Eindruck macht es z. B., wenn eine so geachtete und weiwerbreilete Monatsschrift wie die ״Oletschestvennija Zapiski", die stets humane und freie Tendenzen vertreten hat, auf ihren Blättern einer durchaus brutalen und nnbegründeten antisemitiseben Einsendung Raum giebr. Noch peinlicher und gefährlicher erscheint dieser Umstand dadurch, daß diese Schrift von einem der populärsten 1111b beliebtesten der russischen Publizisten, von Gleb Uspensly, ansgeht, einem Manne, der bereits seit Jahren in höchst sympathischer Weise für die Freiheit und die Hebung der ökonomischen Lage des russischen Volkes kämpft. In der erwähnten Schrift werden die Verfolgungen der Inden und die Schlägerei mit den Tataren in Baku einfach daraus zurückgesührt, daß der Russe bei der Begegnung mit den erwähnten ,.erbärmlichen und lächerlichen Völkerschaften sich sofort moralischer und rechtlicher" zu fühlen beginnt und — darum gern bei Gelegenheit zu Plündercien und Prügeleien und anderen rechtlichen Gelegenheiten greift. Wo das Volk von Seiten eines einflußreichen Organs derartige Lehren vernimmt und nirgend eine Widerlegnng findet, da wird der Boden für den Anlijemilisrnns und alle seine Früchte allerdings in günsiigster Weise vorbereitet: daß die reaktionäre Piesse in Rußland in ״Antisemitismus" macht, ist selbstverständlich. Die ״Rnsj" Aksakoss's z. B. predigt seit langer Zeit schon darüber, daß man die ״Inden .unschädlich machen׳ müsse, und entschuldigt sich mehrfach, daß sie ihre Schlüsse über die Indenfrage ״in gemäßigtem Tone" vorgebracht habe. Iedensalls verfährt die ״Rnsj" konsegnent, iv'as von den liberalen Organen und den liberalen Publizisten nicht zu sagen ist. David Kaller. Von Nastali 3inuw. Mc ■-)killte vor dc! alten. iForlseplilig.) Dem reichen Samuel Winter, welcher als der Rothschild der ganzen Gegend galt, wurde deshalb von allen Seilen ansrichtig wegen des Glückes gratnlirt, daß es ihm beschieden sei, den jungen Gelehrten als Schwiegersohn ״einzusetzen". Denn Joseph Haller war der Sohn und Enkel armer, aber frommer und gelehrter Männer und selbst ein armer, aber tüchtiger Taknmdist. Joseph sollte nach dein Wunsche seines SchwiegervaterS so lange ungestört seinen Studien leben, bis sich ihm ein ansehnliches Rabbinat darbieten würde. Aber bald; ach der Berheirathnng seiner jüngsten Tochter begann Samuel Winter zu kränkeln. Die älteren Töchter waren nach auswärts verheirathet: einen Sohn besaß er nicht; als einzige Stütze bei der Wahrnehmnng seiner verschiedenen vielfachen Geschäfte bot sich ihm mir sein gelehrter Schwiegersohn dar. Joseph mußte die stille Klause mit dem geräusch- . vollen Markte des Verkehrs vertauschen. Er entwickelte einen bewunderungswürdigen Scharfblick und eine rasche Hebersicht in den praktischen Fragen und Verhältnissen und war bald im Stande, nicht nur dem Schwiegervater helfend zur Seite zu stehen, sondern ihn völlig zu ersetzen. Herr Winter zog sich gänzlich von den (Geschäften zurück und überließ Alles dem klugen und energischen Tochtcrmanne. ״Du bringst mir ein großes Opfer," sprach er öfters zu Joseph. ״Du leistest Verzicht aus die Freuden des Studiums, ans die Ehre und Würde des Rabbiners, um mir die Last der Arbeit, für welche meine Kraft nicht mehr ansreichl, abzunchmcn. — Ich weiß nicht, ob wir Beide nicht unrecht handeln, ich, daß ich Dich den .vier Ellen der Halachtck entziehe. — Du, daß Du mir rrachgiebst und Dich mit gemeinem Geldcrwerb bcschästigst."