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Jeschurun · 1884-01-17 · Heft 3 (17.1.1884) · p. 44

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 3 (17.1.1884)
Article
Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
Date
1884-01-17
Page
44 (sequence 2)
Language
German
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44 Conrad 1111b non Trcfort deshalb Verhandlungen smlt. Wir wollen hoffen, das; dir Gcsctzcslreuen hierbei nicht, wie leider so oft, den Kürzeren ziehen. Ihr Pester Korrespondent Hai dieselben kürzlich schon eindringlich gemahnt, nicht nnrhätig zn bleiben. Cs wäre für sie jetzt angezcigl. das; sic sich rühren: die ungarischen Neologen sind ihnen bereits voraus. 0. Prag, 14. Januar. Der Kardinal und Erzbischof Haynald hatte sich non unserem Ober rabbiner Hirsch eine Darstellung der Auffassung der Mischehen vom Standpunkte des jüdischen RcligionsgcsetzeS erbeten und seiner großen Rede im ungarischen Sberhansc auch dieses Gutachten zu Grunde gelegt. Der Kirchensnrsl sprach dem Dberrabbiner seine hohe Anerkennung für die ausgezeichnete Arbeit ans, welche in dem Archiv des Crzbisthums niedcrgclcgt worden ist. Herr Dberrabbiner Hirsch antwortete ans dieses verbindliche schreiben und schloß mit Wunsche, daß die gegenseitige Duldung und Anerkenntnis; Gottes im Bewußtsein der Menschheit immer festere Wurzel sasscn möge. Rußland. ...x Petersburg, 10. Januar. Cs verlautet als bestimmt, daß die sogenannte Indcnkommission ihre Arbeiten abcrntals vertagt habe und solche erst in einigen Monaten beginnen werde. Wohin soll diese Verschleppung führen? Will man sich denn noch immer in den maßgebenden Kreisen der Erkenntnis; verschließen, das; cs sich bei Regelung der ״Indensrage" nicht nur um die wenigen Millionen Hebräer handelt? ^Nun wohl -- sage mau, was kümmert uns die hebräische Nation, mag sic verderben und zn Grunde gehen — aber dem russischen Staat ist mit diesem Untergänge eine schwere Wunde geschlagen, die in ein paar Jahrhunderten nicht vernarben wird. Der Wohlstand Rußlands liegt darnieder; Alles ist an diesem großen Slaalstörper krank, Landwirthschaft, Handel, Gewerbe und Verkehr. Der Grundeigenthümer vernrmt täglich mehr, er bringt ans seinem Ertrag nicht die Kosten der Aussaat heim und läßt deshalb lieber seinen Acker brach liegen. Ganze Distrikte werden entvölkert, weil sic nicht die Mittel zur Ernährung bieten. Im verflossenen Monat sind nicht weniger als etwa 011(1 Güter allein von der gegenseitigen Bodenkreditgesellschaft zur Snbhastation gebracht worden und die anderen Grundkreditanstalten sollen noch mehr Güter haben versteigern lassen; man schätzt deren Zahl auf etwa sieben bis acht Tausend. — Die Ausfuhr nimmt in erschreckendem Maße ab, in den Hafenstädten ruhen die nnbcfrachtcten Fahrzeuge. — Handwerk uud Fabriken siechen dahin und stehen vor einen! allgenieincn Bankerott. — Die Zölle ergeben fortwährend Mindercinnahtnen, die Abgaben werden mit Gewalt cingctrieben und bringen immer weniger ans. - - Das baarc Geld ist verschwunden, das Papiergeld entwcrthet. Darlehen gegen Unterpfand sind kaum zu zehn Prozent anznschasfen. Der Werth der städtischen Grundstücke, selbst hier in der Hauptstadt, ist in! Sin len begriffen. Die Eisenbahnen geben keinen Crtrag — Und woher dieser trostlose Zustand? Weil cS an den rüstigen, betriebsamen und!unsichtigen Geschästsleuten fehlt. Freilich sind sic in den Inden vorhanden, aber diese knebelt!!:an in unvernünftiger Weise, verschließt ihrcnt Unlernehlnungsgeisle die Dbjekte, versperrt ihnen das Vaud, bindet ihnen die Hände. Und warn!!!? Alls kurzsichtigen!, fanatischen! Hasse, in wahnsinniger Vcrblendung. Mit einem Schlage könnte sich die Lage ändern und Rußland zu Blüthe und Wohlstand gelangen. Macht die Hebräer frei! Sic sind überall zum Segen, aber namentlich in Rußland. Das wahnwitzige Mährehcn von der Beförderung der Trunksucht, von dem Wucher, von der VotksanSbcutuug, welches!nau ans die Inden erfunden hat, rumirt Rußland. Dessen Todfeind kann nicht ärger gegen eS wüthcn,. als Diejenigen, welche die jüdische Bevölkerung unterdrücken und einschrünken. Jeder Tag des ZaudernS bringt Rußland den! wirthschaftlichcn Verderben näher. ״Die Iudenkommission hat sich vertagt" heißt, Nußland rninirt sich und giebt sich den nihilistischen Umtrieben in die Hände. * Petersburg- Januar. Die in Bern erscheinende Zeitung ..Der Bund" enthält in ihrer Nummer vom 11. Januar folgende bemerkcnSwerthe AuSführnngtn, welche im Wesentlichen mit unseren russischen Mitthcilungcn übcrcinstiimncn: Unter denjenigen Fragen, die in Rußland seit Jahren ihrer Lösung harren, immer und immer wieder von Neuem zur Sprache komnien und dennoch trotz ihrer Wichtigkeit aufgeschobcn werden, spielt die Indeufrage zweifellos eine hervorragende Rolle. Man braucht sich nur der Judenverfolgungen und ihrer unmittelbaren Folgen, wie sie gelegentlich von uns geschildert worden sind, zu erinnern, um zu dem Schlüsse zu kommen, daß die öudcnfragc in Rußland keineswegs als Rassenfrage, sondern vielmehr als eines der vielen Symptome der gegenwärtigen Mißftändc des Reiches zu betrachten ist. Daß die?agc der Juden in Rußland durchaus rcgulirt werden muß, das bezweifelt Niemand, wenngleich die hierzu vorgesehlagencn Maßregeln zumeist dianietral verschieden auSsalken. Das Verschleppen aber der Entscheidung in Bezug ans diese Fragen hat! bereits einen recht traurigen Einfluß auf Rußland anSgcübt. Das Verhültniß des russischen Bauern zn den Juden ist allerdings das gleiche, wie cs vor dem Ausbruche der Judenverfolgungen war. Cs bestand zwischen ihnen nie eine besondere Sympathie, aber auch

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