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Jeschurun · 1884-01-17 · Heft 3 (17.1.1884) · p. 41

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 3 (17.1.1884)
Article
Deutschland : Berlin, 10. Januar [Nachricht]
Date
1884-01-17
Page
41 (sequence 1)
Language
German
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M 3 41 Jeschurrltt. Korrcspoiidciizcii ltttb Nachrichtcu. Deutschland. C. Berlin, 1 0. Januar. Bor einem Jahre hat sich hier unter dem Titel ״Akademischer Verein für jüdische Geschichte und Literatur" ein Verein 1]cbtll»ct, ׳.ne ich er dem lobenswerthcn Triebe einiger jüdischer Studenten vcrschicdcner Fakultäten ihre Anhänglichkeit zum Indenthnm durch Beschäftigung mit dessen Geschichte und durch Vertiefung in seine Literatur Ausdruck zu geben, seine Entstehung verdankt. Der Verein hat im vcrgaugenen Jahre 9 Vorträge veranstaltet und zählt 18 Mitglieder. Es ist zu bedauern, dag der Verein, welcher ein Sammelpunkt der gesannnteu jüdischen Studircndm der hiesigen Universität, die den gleichen Trieb empfinden, rverden könnte, sich augenscheinlich der durch die ״Hochschule für die Wissenschaft des JudenthumS" vertretenen destruktiven Richtung hingiebt und dadurch Diejenigen, welche ihrer Anhänglichkeit zum Judcnthnm vor Allem durch die gewissenhafte Beobachtung seiner Gesetze und eine hierauf basircnde Lebensanschannng Ausdruck verleihen, von sich fern hält. Ein jüdischer Verein sollte auf jüdischem Boden stehen. — Sie haben im vorigen Jahre beim Erscheinen des von dem deutsch-ifraetirifchen Gcmcindebnudc versandten Rormal-Lchrptans für die jüdische Neligionsschulc zuerst und in treffender Weise hcrvorgchoben, dag der Gerneiudebnud sich damit ganz auf neologischcn Boden stelle. Andere orthodoxe Organe haben ihnen spater bcigcpflichtct. Der Vorstand des Genteindebundes scheint, sich auch der Richtigkeit Ihrer Ausführung nicht entziehen zu können. Er schreibt in seinem jüngsten Jahresberichte darüber, dag er mit jener Versendung lediglich sich in Ausführung des $ 1,1 des Statuts besuudeu habe; und verschickt nunmehr einen durch den Verein israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen wesentlich verbesserten ähnlichen Entwurf. — Die Berusung ans jenen Paragraphen ist begründet, aber dieser selbst steht im Widerspruche mit einer anderen Bestimmnng, dag die Behandlung knltueller und ritueller Fragen von der Thäligkeit des Bundes ausgeschlossen sei. Was ist aber der jüdische Religionsunterricht? Ist er nicht die Grundlage des jüdischen .Kulms nnd Ritus? — Was Hilst da die Vertuschung des Sach׳ Verhalts? Wenn der dcittsch-israelitische Gemcindcbnnd alle jüdischen Gemeinden vereinigen will, so darf er nur humanen nnd adntinistraliven Zwecken dienen. Es ist geradezu ein Nonsens, wie im vorliegenden Falle B. geschehen, 1)!׳. Hildesheimer hier nnd Dr. Süßkind in Wiesbaden 11. s. w. zu einer gemeinsamen Arbeit für Inhalt und Gestaltung des NeligionSimtcrricbts aufzufordcrn und von so heterogenen Seiten eingegangene Arbeiten einer Kommission zu unterbreiten und für den von dem Gemeindebimde zu versendenden Plan endgültig benutzen zu lassen, welche ans Professor Steint hat, Di*. Maybaum, D1\ Hol;inann u. s. w. besteht. — Wer soll hier getauscht werden? Wenn man das Rundschreiben liest, sollte mau glauben, diese Kommission habe nur die Redaktion gehabt, der famose Nornialplan sei aber von den Herren Di׳. Feilchenfeld-Posen, Di׳. Hildesheimer-Berlin, Di׳. Korcf-Rawitsch, Di׳. Münz Kempen ebensowohl gebilligt und versagt, wie von den Herren Klingenslcin-Obcringclheim, Di׳. Rothschild-Alzey und Dr. Steinbcrg-Münstcr. Das sollte nicht geschehen; will man für einen Religionsunterricht im Sinne der sogenannten Reform Propaganda machen, so thnc man solches offen und ehrlich, erwecke aber keine irrthümlichc Auffassung. -n- Berlin, 13. Januar. Er ist hcimgckehrt von seinem Triumphzugc, wenn a«ch etwas erkältet, aber lorberbckränzt nnd konnte nntcr dem ״stürmischen Beifall" in den durch die frommen Ucbnngeii der Ehristlich-konservativen zu einem Heiligthum geweihten Räumen der Bockbrauerei am Freitag Abend die trostreiche und hoffnungsvolle Erklärung abgebca, daß er auch ferner in der Jndensrage ״unbeirrt weiter kämpfen werde!" Professor Dr Adolph Wagner, der Sankt Georg des deutschen Reichs, er war es, dem die edelsten Männer in der Bockbrancrci entgegenjauchzten und huldigten wegen seines .Kampfes mit dem schrecklichen Lindwurm des Iudenthnms. Freilich hat er ihn noch nicht erlegt, den Unhold, der die Jungfrau Germania zu verschlingen droht; aber er wird cs sicherlich thnn, nnd die dankbare Nachwelt wird ihm, dem Schutzpatron des deutschen Reichs, in allen Gauen Denkmäler errichten. Inzwischen aber überreichte der wackere Herr Bräutigam eine m׳'t 4800 Unterschriften bedeckte Danknnd Zustimmnngsadresse für das ״mannhafte, echt deutsche Auftreten iin Abgeordneten- Hanse am 4. Dezember v. I.", welche er huldreichst entgegennahm. So ehrt auch schon die Zeitgenossenschast den großen Kämpen. Was sollen wir armen Juden 'aber beginnen, um uns vor den reckenhaften Streichen dieses Helden zu schützen. Wir werden arg bedrängt von allen Seiten — glauben wir einen Angriff Wagner's glücklich entronnen zu sein, so fällt uns der streitbare Hofprediger an, und sind wir dem ansgewichen, so gerathcn wir Herrn Eremcr in die Hände, und gelingt es uns, mit diesem fertig zu werden, so erliegen wir sicherlich den .Krenzzeitungsrittern. Diese Herren leisten manchmal recht Schätzenswerthes. Da fand kürzlich eine Versammlung der Berliner Einschätznuaskommissioii statt, welche etwa 30<- Mitglieder zählt, um gegen die Anschuldigung des Abgeordneten Eremers in dem Landtage sich zu verwahren; die ״Kreuz-

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