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Jeschurun · 1884-01-17 · Heft 3 (17.1.1884) · p. 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 3 (17.1.1884)
Article
Aus Holland
Date
1884-01-17
Page
39 (sequence 2)
Language
German
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39 Rabbiner zu Magdeburg einem Juden mit einer Jüdin, oder aber Hai er einem Inden um einer Nichtjüdn! Kidnschin gegeben, — so muß die Frage lauten, wenn man nicht nur eine Antwort, sondern die richtige Antwort erhalten will. Man kann natürlich nicht verlangen, das; jedes Mitglied des Kerkeraad mit allen in diese Angelegenheit einschlägigen Fragen vertraut sei, doch ist man wohl zu den! Wunsche berechtigt, daß da, wo das eigene Wissen nicht ausreicht, man sich an eine Stelle wende, die Auskunft zu geben in der Lage ist. Wenn auch das ..audiatur et altera pars־* Bielen!naßgebender geworden ist, als das jüdische שמוע בין אהינב, nun wohl, hätte das .,audiatur et. altera pa1־s:* *) nicht zu einer ganz anderen Behandlung der Angelegenheit der Sache führen müsse!!? Wäre es nicht richtiger gewesen, den Amsterdamer Kerkeraad um Mittheilung der diesbezüglichen Akten zu ersuchen, und kann man sich mit den! Urtheile des Herrn Oberrabbiners zu Amsterdam nicht befreunden, sümmtliche Akten dem Herrn Oberrabbiner ad interim zur Entscheidung ciuzusenden?'?" Zum Schluß glaubt der Bersasser des Artikels der Ueberzcugung Ausdruck geben zu dürfen, daß Herr H. nunmehr die erste Gelegenheit benützen werde, um sich zu rektifizircn. *) Im Original heiß! cs: .,hooren \vetlerlu>or.״ Ans der ersten Halste nnsereS Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Krie-rich •Hott. tFortsetzung., (Me Acchtc vorbchatre») Mirjam sah ihm kopfschüttelnd nach, sie war Schuld an seinem plötzlichen Unwohlsein, das konnte sie sich nicht verhehlen. — War sie beim in Wirklichfeit verpflichtet gewesen, jenen jungen Mann, den sie so hoch schätzte, und der sie so innig liebte, den ihre Weigerung so unglücklich zu machen schien — hatte sie ihn abweisen müssen? Sic hörte ihn die Stiege hinunter rennen und dann hörte sie die Hausthür öffnen und schließen. Aber Frank hatte das Haus nicht verlassen; cs war sein Onkel, der hcimgekehrt und eben in! Begriffe war, sich in sein Schreibzimmer zu begeben. Frank folgte ihn!. ״Nun, Onkel, wie ist'S?״ ״Wies ist? — Schmullebcn, was giebr's?" ״Was hat der Rabbi gesagt?" drängte der junge Mann, ״ich bitte Sie. Onkel, sagen Sie's mir, Sie wissen, wie es mit mehr steht. Also, wie ist's, wird Seidler sich mcgaicr sein?" ״Schmnl!" rief Kohn betroffen, ״bist Du ’i! Nowi? was nwißt denn Du von dem Seidler unb von dem, was er hat!vollen?" ״Ich bin kein Nowi," entgcgnetc Frank mit trüben! Lächeln, ״aber ich bin oben gewesen bei Mirjam — und sic hat mir erzählt — alles," sägte er scnszend hinzu. ״Was?" rief Kohn voll Schrecken, ״Miriam weiß, daß der Seidler da war?" ״Ich habe cs ihr nicht gesagt, das können Sic sich denken. Aber, als sie mir erzählt hat, da habe ich sofort gewußt, daß es der Seidler war, der! ich vorhin bei Ihnen getroffen, weswegen hätten Sic de!!!! sonst das Zinlincr oben versperrt? — und!vas hätte der wohl vom Rabbi wollen können?" ״Da bist ein feiner Kopf, Schmulleben — wirklich ein feiner. — Aber wegen was fragst denn, was der Rabbi dazu gesagt hat? weißt Du dem! nicht, was er hat sagen müssen?" Frank athmete erleichtert auf. ״DaS ist wahr, aber ich habe es in! Augenblick nicht bedacht — ich hatte nur gedacht —" Doch was er gedacht hatte, konnte Herr Kohn vorläufig nicht erfahren, denn die Thür ging ans; mehrere Geschäftsfreunde traten in's Zimmer, die Unter- Haltung zwischen Onkel und Nesse ward unterbrochen. Mehrere Wochen waren verstrichen. Der Seidler Toni war hcimgekehrt ans seinen vereinsamten Hof, düsterer, unglücklicher als je. Wohl waren die Worte des Rabbi tief eingedrungen in sein treues, gottgläubiges Gemüth, aber Ruhe und Frieden hatten sie ihn! nicht gebracht. Der Gedanke, sein ewiges Heit zu gefährden, hatte ettvas Entsetzenerregendes für ihn; und doch, wenn er so fort lebte, wie bisher, war er denn da seines Seelenheils sicher? — sein Jähzorn, sein unglückseliger Jähzorn, noch rascher als sonst loderte er jetzt ans, hellauf, zügellos. Ehedem, ja ehedem, als die Mutter noch lebte, als die Marie noch in! Scidlerhos, nur ein Wort, ein Blick von ihr und sein Jähzorn war entwaffnet, feinen Todfeind hätte er frcndig an sein Her; gedrückt, sanft und nnlde war er, wie sie selbst. Und jetzt? — Der Frühling nahte, die Borarbeiten ans den! Felde hatten bereits begonnen. Seidler arbeitete trotz eines Knechtes; er wollte durch schwere, anstrengende Arbeit die Onalen seines Innern wenigstens zeitweilig bannen; es wollte ihm nicht gelingen, inochtc der Schweiß ihm auch von der Stirne rinnen. Seine Umgebung hielt sich möglichst fern von ihm, die geringfügigste Veranlassung war genügend, 5

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