Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1884)
- Article
- Ungarisches Jeschiba- und Rabbinerwesen
- Date
- 1884-01-17
- Page
- 36 (sequence 2)
- Language
- German
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36 Pflöcke im!sielen, an denen die Leithammel befestigt ' waren. Da zerstreute sich die ganze Heerde über's Feld! und sic! insgesammt den hungrigen Wölfen zum Opfer. Gestehen wir cd, das; diese Fadel insofern ans die Antonomialzustände unserer Gemeinden nicht an•• wendbar ist, als die allegorischen Pflöcke, an denen die geistigen Leiter der Gemeinden gebunden wären, nicht Umstürzen könnten, and dem einfachen Grunde, weil solche zu keiner Zeit erisrin haben! — Hat einmal einer bei und seine Autorisation zum Rabbiner in der Tasche, — und wie Biele erlangen nicht chic solche, dank der bei und diesbezüglich herrschenden Zügel- und Schrankenlosigkeit, dann kann er, wenn er nur nicht in der Gemeinde selbst ans Opposition flößt, was aber, wenn er zu ״lösen" und nicht zu ״binden" kommt, sehr selten sich ereignen dürfte, dann, sagen wir, ist cd der Willkür des betrcssenden Rabbiners überlassen, ob er einen rmkontrolirbarcn, schrankenlosen Absolutismus entfalten will, der mit der Paschawinh schuft in Ungarn zu rivalisiren vermöchte. Wir wollen schweigen von der strengen, beinahe soldatenartigen Subordination und Disziplin der katholichen Geistlich feit; aber auch der um vieles freiere und selbstständigere protestantische Seelsorger ttnierslcht einem Organe, dem das Recht zusteht, seine .AmtSthäügleit zu koutrolircn: nur der ungarische Rabbiner ist keinem Wesen ans der Welt dafür verantwortlich, ob cr in seiner Synagoge ans Ungarisch, Deutsch oder Türkisch beten lassen will, ob er die religiösen 'Institutionen seiner Gemeinde unter׳ stützen und kräftigen oder der Vernachlässigung anheim׳ geben rvill, ob er von seiner Ranzel herab die Wahrung des unverfälschten Glaubens anempfichlt oder zur Mißachlnng desselben und zu bequemen, wesenlosen Ne׳ formen auspornt! Wer darf cS wagen, gegen ein ״allerhöchstes״ Prinzip auch nur daS leiseste Bedenken laut werden zu lassen? Die Machtsphäre deS ungarischeu Rabbiners wird als über jeder Kritik stehend detrachtet, und darum ist leider das jüngere Rabbinerthum in manchen Fällen unter jede Kritik hcrabgcsuuken! Es drängen sich, besonders in letzter Zeit, zum Nabbinate Elemente, die durch ein nicht ganz tadelloses Vorleben gekennzeichnet, dasselbe entwürdigen und in den Koth zerren, es werden bei uns nichi selten Leute zu Rabbinern ״gemacht", deren Vorleben arg bclcnmnndet ist, deren Irreligiosität, offen zur Schau getragene Glaubcnsverachtnng und Ignoranz in Bibel, Talmud und Eodiecs wohlbekannte Thatjachen waren. Und wäre nur ein einziger ähnlicher Fall vorgckommcn, so wäre das schon genug, um die schärfste Kritik in den Harnisch zu rufen. Aber man beruhige sich, — cS ist uns ein ganzes Regist׳׳r höchst delikater Fälle bekannt! Gestatte man uns, den höchst karakterisüschen ׳Studiengang einiger Individuen, die nunmehr bereits zum Heile der Religion und der Menschheit als wohlbestallte Rabbiner im Amte sitngircn sollen, hier zu rcgistriren, so wie nur den Hergang theils ans verläßlichen Oncllen, theils aber ans unmittelbarer Wahrnehmung erfahren haben. — Ein junger Mensch, ursprünglich Bachur, geistig ziemlich gut anSgestottct, erregt durch seine irreligiöse, vielleicht and) sonst ungehörige Ausführuug allgemeinen Anstoß, und es gelingt ihm, an der Ieschiba. wo er seinen Richtstndien obliegt, einen .Kreis von Gesinnungsgenossen um sich zu sammeln, wo anstatt Talmud die kaum verstandenen Ideen, atheistischer Philosophen stndirt und auch praktisch verwcrthet werden. Der würdige Leiter der Ieschiba sieht sich gcnöthigt, die ganze bedeutende Schule, als eine Heerde von Gotteslästerern der erbärmlichsten Sorte, auszuheben, lind unser junger Held, dem au diesem Erfolge der Löwenantheil gebührt, wendet sich nach einer bekannten Großstadt, um dort die Nolle eines dunklen Ehrenmannes zu beginnen. Er macht etwas in Ionrnali ik und knüpft Verbindungen an mit manchem knnslbeflissenen Jünger ThalienS. Doch bald sollte unser Held an sich selbst die Erfahrung machen, wie oft in dem Iainmerthale dieser Erde ein ideales Streben an ganz gemeinen philisterhaften Kleinigkeiten zu scheitern pflegt. Eine grauenerregende Abmagerung des Säckels reißt ihn endlich aus dem Strudel deS Vergnügens heraus und bestimmt ihti. nachdem cr sich Jahre lang gegen das Eindringen und Ueberhandnehmen des nüchternen Materialismus vergebens gesträubt hatte, einen Privatlehrerposten in einem elenden Dorfe anznnehmen.!.Fortsetzung folgt.) (fi!!f Ak!11 ir«. Betrachtung von?ndwig A. Noscnthal, Prediger zu Köthen (Schluß. . Ihr, die ihr klügelnd vor den Gesetzen des Sabbalhs fleht, die ihr vorgebt, sic nicht begreifen zu können, die ihr wähnt. Grenzen abstecken zu dürfen inmitten des GotteSgcsctzcs, — wenn ihr euch abwendet von den ״Aenßerlichkeiten" dieser Feier, so.denkt zurück an den erhabenen Augenblick, da cr verkündigt wurde: ובאו בולם בברית יהד. Es war damals, als ganz Israel, mit den Gvltesbnnd zu schließen, dem heiligen Berge nahte, als auch die Gesetze, die nach eurer Meinung mit dem Menschcnthnme innig verknüpft sind, unfern Vorfahren als etwas 'Neues offenbart werden mußten; נעשה erst wollen nur es ansführen, ונשמע dann wollen wir es begreifen, אמרו באד־,ד so sprachen sie wie ein Mann. Wir wollen nicht vorher uns