Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1884)
- Article
- Österreich-Ungarn : Preßburg [Nachricht]
- Date
- 1884-01-10
- Page
- 29 (sequence 2)
- Language
- German
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29 Spradjc und Arithmetik in den unteren Klassen der Realschule vorzutragen hatte. Frankreich. :|: Paris, 4. Januar. Baron Edmond de Rothschild hat urn den Preis von 40 0<»0 Fr. von dem bekannten Kunstkaligrapheu von Bestos ein geschricbcncs israelitisches Gebetbuch gekauft. *** Paris, 3. Januar. Die offiziellen Kreise der Inden in Paris haben bei der Bestattung des Rabbi Hcschel Lcwicn s. A. ebenso wie zuvor beim Leben des Rabbi in ihrer Stellung und ihrem Berhalten zu ihm einen ächten Kiddnsch Haschen! bewiesen. Wie sehr nian hier auch von der Notwendigkeit überzeugt ist. daß die Männer deS Talmud und der jüdischeu Wissenschaft, welche Lehrer und Leiter ihrer Mitwelr sein wollen, auch in Bezug ans allgemeines Wissen ans der Höhe ihrer Zeit stehen, so wußte man doch stets den großen Männern, die < namentlich ans Rußland) von Zeit zu Zeit hier erschienen, welche ihr ganzes Leben ausschließlich dem Studium der Thora gewidmet haben, den hervorragenden Platz cinzuräumen, der ihnen gebührt. Die würdige und großartige Ausführung der Bestattungsseierlichkeit, wie sic namentlich dank der hervorragenden Theilnahme des Konsistoriums stattfinden konnte, mußte selbst in einer Stadt wie Paris einen iniponirenden Eindruck machen. Aus dem großen Platze am östlichen Ende der Rne Nivoli, woselbst die Rabbinatswohnung sich befindet, konnten die Tramways und Omnibusse nur mit Muhe zirkuliren. Der Berkehr war während einer kurzen Zeit durch die zahlreichen Schaarcn der Begleiter fast gehemmt. Der große Zug gab dem Rabbi das Geleite bis ans den Friedhof des Montparnasse, woselbst für den Berewigten ein Platz erworben war. Es wurde die Ber- Mtlthung ausgesprochen, man habe den Platz so gewählt, daß auch die Kohanim bis in dessen Nähe hätten folgen können. Es ist uns tticht bekannt, wie weit hier in Paris überhaupt und speziell für diesen Fall Vorkehrungen getroffen sind, den Zutritt der Kohauitn in die Alleen des Friedhofs zu ermöglichen. Es wird Ihnen nicht unbekannt sein, daß gerade in Bezug ans die Friedhofs- und Bestattungs-Angelegenheilen in Paris die Verhältnisse für die gesctzestreuen Juden nicht günstig liegen und für die Zukunft namcntlich Besorgnis; erregen. Wir heben bei unseren Berichten über Paris stets lieber die günstigste Seite hervor. Niemand wird daraus den Schluß ziehen, daß wir an den Verhältnissen nicht auch Fehler entdecken könnten, und daß wir ums mit den Persönlichkeilen, selbst mit denen, die wir bisweilen rühmlich erwähnen, deshalb in Allein in Uebereiustimniung befinden würden. Wir haben indessen bis jetzt stets in j den ossiziettcn Kreisen die Tendenz bemerken und aner«! kennen wollen, daß man den Ansprüchen der jüdischen ׳ Gesetzestrcnen gerecht zu werden sucht. — Möge cs ' der Gemeinde der Russisch-Polnischen Israeliten in Paris : gelingen, eine große talmudischc Kapazität zu finden, einen Mann des ׳.unsassenden Wissens und der cncrgi- : sehen Thal, der sich zur llcbcrnahme ihres Rabbinat«; bereit erklärte. Derselbe würde sicherlich die thatkräftigste Unterstützung der inaßgcbenden Kreise finden.! — Noch ist Hoffnung vorhanden, das; ans den! historij scheu Boden, wo die Männer der Schute Raschis, die! Baalc Thoßsoth gewirkt, auch in der modernen Zeit! ein frisches Streben für das Thorastudinm erblühen und echt jüdisches Leben erwachen wird. Die Thora kehrt zurück zu ihrem alten Wohnsitz. Türkei. * Konstantinopel, 5. Januar. Der Frau - Baronin Hirsch ist der Großkordon des Schcfkatordcns! verliehen worden, als Anerkennung der bedeutenden Gabe,! welche Baron Hirsch den abgebrannten spanischen Juden! von Hasköj hat znkommeu lassen; derselbe stellt sich; mit dieser Spende neben den Sultan, welcher seiner j ersten Gabe von k 000 .Pfd. eine zweite von 500 Pfd. i hat folgen lassen. Die kaiserlichen Prinzen und ' Prinzessiuen spendeten zusammen 500 Psd. J A u ft r a {i c u. ’ iE Melbourne, November. Hier ist eine erfreuliche Bewegung entstanden. Die beiden Rabbiner ' Herr Dr. A b r a h a m s und B! a u 1י a 1t m haben zur Heilighaltnng hes Sabbalhs und der besseren Ein-; rieh tu 11g des Schcchita die Gemeiudemitglicdcr crnstlichst ermahnt und einen Verein ins Leben gerufen, welcher ' sich der Durchführung dieses edlen Ziels widmet. Derselbe führt den Namen ״Snbbath Obscrvance Societh" und will durch eine rege. Propagande die jüdischen Geschäftsleute zum Schließen ihrer Kaufläden und BnreanS veranlassen, auch sich bemühen, jungen ' Leuten Stellen zu verschaffen, ohne der Versuchung der Sabbathcutweihuug ausgcsetzt zu sein. Er will demnächst einen großen Meeting abhaltcn, an welchem voraussichtlich fast alle hiesige Juden ihcitnehmen werden.! Möge der Segen Gottes auf diesem frommen Streben ruhen und in unserer Stadt der Geist der alten Hingebung an das Gottcsgesetz lebendig werden, damit auch in unserer jungen mächtigen Handelsstadt eine; wahrhafte קהלה קדושה entstehe und zur Blürhe gelange.