Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1884)
- Article
- Deutschland : Hamburg [Nachricht]
- Date
- 1884-01-10
- Page
- 27 (sequence 2)
- Language
- German
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27 zum Parqnet des Theaters ZN evrialtcn 23cim Eintritte in dasselbe wurde jedem der Binder noch eine Düte Konfekt überreicht. — Auch die Direktion des Thaliatycaters hatte in voriger Woche den Zöglingen die gleiche Freude bereitet. * Kniscrs!ariter!1, 31. Dez. Der ״Pfälzer Zeitung wird geschrieben: Das hiesige ..Kasino" hat etwas gethaii, das wohl noch lange nachklingen wird. Der Dislriktsrabbiner Herr Dr. Landsbcrg hatte sich nämlich zur Ausnahme in diese Gesellschaft angcmcldct, ist aber mit 51 gegen 2!) Stimmen abgewiescn worden, nachdem von einer Kotcrie gegen ihn mit Erfolg agitirt worden war. Dies Resultat war von vornehcrein sehr wahrscheinlich, da in gleichen Fällen eine judcnfeindliche Opposition׳ bereits wiederholt mit halbem und mit ganzem Erfolge ihren Einfluß gegen die Ausnahme jüdischer Mitglieder geltend gemacht hatte, und cs müssen deshalb sehr mächtige Beweggründe gewesen sein, welche den Herrn Rabbiner zu seinem Schritte veranlaßtcn. Das ״Kasino" ist weder eine politisch noch konfessionell beschränkte Gesellschaft; vielmehr sind allgemeine Bildung und öffentliche Qualität der Kandidaten zunächst und hauptsächlich für oder gegen die Aufnahme entscheidend. Der Herr Rabbiner ist, von feinem Doktortitcl ganz abgesehen, sowohl hinsichtlich seiner Bildung als auch seiner öffentlichen Stellung ein Kandidat, der die erforderliche Qualifikation zum Kasinomitglied zweifelsohne besitzt. Aber er ist ein Jude, und die Agitation gegen seine Aufnahme hat ausdrücklich und unverholen ihre Spitze gegen den Inden Dr. Landsberg gekehrt. Zn verwundern ist dabei nur, daß dieselbe Gescllschast, welche ihm die Aufnahme in ihren Schoß verweigert hat, vorwiegend liberal ist und über den Antisemitismus der Herren Stöcker, Hcnrici und Konsorten in allen Tonarten die Schale ihrer Entrüstnng ansgicßt, trotzdem aber mit ihren politischen Ansichten einen Akt der Intoleranz vereinbar findet, wenn das politische Partciintercssc davon nicht direkt berührt wird. Kommen die Wahlen heran, so werden die Inden, welche man in! Kasino nicht dulden will, wieder zu Ehre und Ansehen gelangen, damit sie die liberalen Kastanien ans dem Scucr heraus holen helfen :J: Wiirzbllrg, 3. Januar. Heute, Vormittags kl Uhr, erfolgte beim hiesigen Stadtmagistrat im Schwurgcrichrssaalc die Abstimmung über die Trennung der Stadl von den Landgemeinden des Nabbinatsdistrikls Würzburg. Es waren im Ganzen 278 Stimmen abzngcbcn. Nach vorheriger Bekanntmachung sollten die nicht abgegebenen Stimmen der Majorität der Votanten zngczählt werden. Es stimmten 108 pro und ->3 kontra Trennung; zu den crstcren werden also die fehlenden 117 hinzngerechnct, so daß das Resultat sich auf 225 pro und 53 kontra stellt. Zu Protokoll wurde gegeben, daß Synagoge, Schulhaus, Rabbinats- Wohnung, sowie der neue Friedhof ausschließliches Eigenthum der Angehörigen der hiesigen israelitischen Knllnsgemcinde und völlig schuldenfrei seien. Mit allen gegen 33 Stimmen wurde auch beschlossen, dem Rabbiner der neuen Stadtgcmeinde ein Gehalt von 3000 Mark zu gewähren und ihm die sämmtlichen Emolumente aus Trauungen 11. s. w., welche in hiesiger Stadt vorgeuommen werden, zu überweisen. Das heutige Resultat habe ich seinerzeit Ihnen schon als zu erwarten voransgcsagt. Welche Konsegucnzen die heutige Abstimmnng und Beschlußfassung haben, wird die Zukunft lehren. Zunächst steht ein Protest der Minorität, sowie möglicher Weise von dieser veranlaßt, auch seitens der Landgemeinden bevor, ob mit Ersolg, läßt sich jedoch nicht absehcn. Sollte derselbe zuständigem Orts abgewiescn werden, und die Ernennung eines besondern Stadtrabbincrs erfolgen, so möge das eifrigste Streben aller Derer, denen das Wohl des IndcnthnmS am Herzen liegt, darauf sich richten, einen Mann zu erküren, welcher echt jüdischen, das Indenthnm in seiner wahren Bedeutung und Wesenheit erfassenden Geist mit bedeutender talmndischcr wie profaner Gelehrsamkeit in sich vereinigt. Nur in diesem Sinne möge man eventuell an die Erwählung eines besonderen Stadtrabbincrs herantreten, nur dann kann sich Wnrzbnrg den Nus einer עיר ואם בישראל für die Zukunft bewahren, nur dann kann und darf man hoffen, daß das Heranwachsende Geschlecht die Fahne des alten Gottesbnndcs Hochhalten wird in Thal und Gesinnung. — Ich werde nicht verfehlen, über dcn weiteren Fortgang dieser höchst wichtigen Angelegenheit zu berichten. * BttrtZpreppach, 3. Januar. Der achte Bericht der hiesigen Talmnd-Thora-Schnlc pro 1882/83 weist die gedeihliche Entwickelung dieser segensreich wirkenden Anstalt nach. Dieselbe will junge Leute für den Eintritt in ein Lehrerseminar vorbcreiten und umfaßt drei Kurse. Die Untcrrichtsgcgenstände sind: Hebräische Grammatik, Pentateuch, Rasch!, Propheten, Ehaje Orwm, Mischna, Gcmara, Deutsche Grammatik, Aufsatz, Literatur. Rechnen. Geschichte, Ideographie, Naturgeschichte, Schönschreiben, Zeichnen, Gesang, Turnen, Französisch. Der erste Kursus, erste Abtheilung, war von 20, die zweite Abtheilung von IO, der zweite Kursus von 12, der dritte Kursus von 10 Schülern sreqnentirt. An Lchrergehattcn wurden 3701 Mark, an Unterstützung armer Zöglinge!002 Mark veranSgabt. Die Anstalt wird l?>üglich durch freiwillige Spenden erhalten, deren in dem abgelaufcucn RechnnngSjahre 80!!0 Mark eingingen, grötztentheils ans bayerischen Gemeinden; aber auch von auswärts. So z. B. ans Bremen 230, Coburg 00, Frankfurt am Main 1173,