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Jeschurun · 1884-01-03 · Heft 1 (3.1.1884) · p. 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 1 (3.1.1884)
Article
Türkei : Konstantinopel, 18. Dezember [Nachricht]
Date
1884-01-03
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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u der ״Polit. (Sorrcfp ": Die Beträge, welche von allen j Leiten cingehcn, um das kürzlich abgebrannte! Iudcnvicr 1 cl in Haß köj wieder hcrznstcllcn, sind ziemlich beträchtlich. Bon mehreren Leiten ist jedoch die Anregung gemacht ׳..orden, ob cS nicht besser wäre, die israelitischen Einwohner unter die übrige Bcvöllerung zu vcrthcilcn, anstatt ihre Hütten und Baracken auf derselben Stätte wieder hcrzustellcn. Die in Haßlöj wohnhaften Israeliten kamen ursprünglich von Spanien hierher, setzten sich in einen! Thalc an! goldenen Hornc fest, in dem sic kleine Häubchen bauten und seitdem meinend von Kleinhandel gelebt haben. Außerdem haben sie gewisse kleine Industrien!nonopolisirt. Ferner sind sic cd, die sich ausschließlich mit der Reinigung. und der Reparatur der Fenster der Häuser beschäftigen und kleine Verzinnungen. Löthungen und andere Neparatnr vornehmen. Die Tracht der Inden ist der armenischen gleich; die Frauen und Mädchen tragen als Kopfbedeckung hellfarbige Tücher, welche die Haare sorgfältig verbergen und nur einen ganz kleinen Thci! des Gesichtes offen lassen. Außerdem bedecken sic vollstüudi-g den Hals bis zum Munde. Sic tragen sehr weite Beinkleider, welche unterhalb der Knie festgebnnden sind und darüber einen Ucdcrwurf. Die Mädchen verheiralhcn sich im zarten Alter mtb verblühen rasch. Alle Juden sprechen Spanisch und natürlich auch Türkisch. ES giebt einige Journale in hebräischer Sprache, aber mit spanischen Buchstaben. Die Mehrzahl der Inden ist sehr unwissend und kann nicht einmal lesen und schreibcn. Die israelitische Bevölkerung in Haßköj bewohnte durchgchcndö sehr kleine hölzerne Händchen und besaß ihre eigene primitive Kommunal-Vcrwaltiing. Aehnlichc Verhältnisse finden sich auch in Balata, einem anderen Viertel gegenüber von Haßköj ans dem entgegcngesetzten Ufer des goldenen HorncS vor, wo ebenfalls eine jüdsiche Kolonie, gleichfalls verarmt, aberglänbisch und unwissend, sich seit Jahrhunderten niedergelassen hat und in allen ihren Gewohnheiten stationär geblieben ist. Endlich giebt es auch jüdische Kolonien in Drtaköj und Tchcnghilköj, beide am Bosporus gelegen. Das Komiree für die Abgebrannten von Haßköj hat die Absicht, die früheren Bewohner dieses Viertels zu befragen, ob sic mit der Untcrbringnug in den verschiedenen andere! Stadt: heilen einverstanden sind, cs ist aber wahrscheinlich, daß sic .daraus bestehen werden, sich wieder aus ihren früheren Heimstätten anzusiedcln. * Ferner cnlnchincn wir der ..Franks. Ztg." Folgendcs: ״Nachrichten 011s Konsianünopcl schildern das Elend in Haßköj unter den Abgebrannten in den schwärzesten Farben. Die 71100 obdachlosen Personen sind in ihren verschiedenen provisorischen Asylen den Unbilden der Witterung auSgesctzl; in einer einzigen Nacht sind sieben von ihnen ei froren. DaS Unglück wird noch durch den Ausbruch ansteckender Krankl,eiten, wie Lcharlach. Masern n. dgl. vergrößert. Es ist durchaus das Dringlichste, ihnen eine Unterknnst zu verschaffen, wo eine Trennung der Familien siattfinden kann. Für die leicht Erkrankten hat das Hülsskomitt'׳ bereits ein Hans gcmiethet. Die kaiserliche Regierung lhnt, was sie kann, ebenso zeigen sich die Einwohner von Konsnuiunopel sehr hülsbercit. Auch Lord und l'aM) Dnsserin haben Haßköj besucht und Geld verthcilt. Indessen ist noch sehr viel Geld nöthig, bis die Unglücklichen wieder ihren Unterhalt selbst verdienen können. Die Patriarchen haben Bettdecken geliefert und Häuser zur Verfügung gestellt. Aber noch sehr viel muß von den andern Ländern geleistet werden, wenn nicht das Unglück unübersehbare Folgen haben soll. Namentlich muß für den Bau von Äarracken gcsorgt werden. -;1d. Zronstantuiopcl, 21. Dezember. Kaum haben die Brandstätten von Hasköj aufgehört zu rauchen, so hat schon ein zweites furchtbares Unglück die Bosporushauptsladl hcimgcsucht und zwar wiederum die jüdischcn Bewohner derselben. Die Kinderschnle der dcutscheu Israeliten - Gemeinde in Galata ist vollständig abgebrannt. 10 Kinder und 1 Lehrer wurden bis jetzt als verkohlte Leichen anfgcfnnden. Heber diesen Brand werden dem ״Bert. Tgbl." noch folgende Einzelheiten mitgelhcilt: Es befanden sich zur Zeit des Brandes in den Ränmlichkciten fünfnndvierzig Kinder, von denen ungefähr die Hälfte gcrettet wurde. Schnell hcrbeicilcnde Nachbaren breiteten Teppiche und Decken als improvisirte Sprungtücher anS. Wer von den Kleinen noch nicht durch den Rauch erstickt, die Fenster gewann und muthig herabsprang, wurde gerettet. Die Szene war furchtbar. Ich befand mich am Schauplatz der Katastrophe und zählte mit eigenen. Augen achtzehn gräßlich verkohlte Kinderleichen. Außer mir befanden sich in dem Raum, wo die kleinen Reichen anfgeschichtet waren, nur noch die nuglücklichen Ellern, welche man zur NekognoSzirung ihrer vermißten! Lieblinge zugelasjen hatte. Zu erkennen war in diesem; Hansen verbrannter und verkohlter Gebeine nichts mehr. : Vergeblich stierten die händcringenden Mütter, die Bart; und Haar sich raufenden Väter auf die halbvcrbrannten; Fetzen, die vor ihnen lagen. Rings um mich her l ertönte dae Iammcrgeheul und das wilde Schluchzen j der armen Ettern. Ein Mann, dem vor Grausen i und Schmerz die Augen weit hervorqnollen, geht suchend! von Gruppe zu Gruppe. Plötzlich reißt er ein Häuf-! lein schwarzer Fetzen, die mit geronnenem Blute bedeckt! sind, empor. ״Mein Kind! Mein süßcS Kind!" heult; und wimmert er dabei, während er das schaurige Bündel 1 zärtlich וm Arme wiegt. Der Synagogensarg ist als

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