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Jeschurun · 1884-01-03 · Heft 1 (3.1.1884) · p. 13

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 1 (3.1.1884)
Article
Frankreich : Paris [Nachricht]
Date
1884-01-03
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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13 Auflagen erschienenen Biographie des Wilnacr Gaon ״Alijaß Elijohn" und des jüngst veröffentlichten ״Zijun Jehauschnah", einer vergleichenden Arbeit über die beiden Talmude, hat in den Kreisen der hiesigen Jüdisch׳Polnischen Gemeinde eine empfindliche Lücke verursacht. Die Großrabbiven von Frankreich und Paris, sowie Herr Rabbiner Wciskopf und der später von London $111־ Veranstaltung eines Hespcd hierher gereiste Herr Rabbiner Zcidlin haben dem allgemeinen Schmerze über den großen Verlust in der würdigsten Weise Ausdruck verliehen. Herr Grand Nabbin de Paris hob hervor, wie während des zweijährigen Aufenthaltes hicrselbst von allen Theilcn der Welt Anfragen über Halacha an diesen bedeutenden Talmudistcn in Paris ergangen und wie er überall ״das Licht seines Geistes und die Wärme seines jüdischen Herzens" gespendet hätte. Er sprach den Wunsch aus, daß die hohen Ziele des Verewigten von seiner Gemeinde weiter mngcstrcbt und anSgcführt werden möchten, unter anderen namentlich die Erbauung einer eigenen Synagoge der Russisch-Polnisch-Jüdischen Gemeinde in Paris. Herr Grand Rabbin de France schilderte den wvhlthätigcn Einfluß, dm der Rabbi hierorts geübt und der den Gemeindebehörden ein genügendes Motiv zn sein schien, tim ihm amtlich die Funktion zn übertragen, für die Russisch-Polnische Kolonie lhütig zu sein. Rabbi Hcschcl, dem er oft das Glück gehabt, bei seinen eifrigen Bestrebungen für Tanwaß Haklall zu helfen, habe der Welt nicht allein durch seine große Gelehrsamkeit genützt. Er habe bei dem hohen Ansehen, in dem er sowohl bei den russischen Norabein als auch bei den Großen in Paris gestanden, wahrhaft ersprießlich für das Wohl unserer " russischen Glaubensbrüder wirken können. Herr Rabbiner Zcidlin bezcichnete diesen doppelten Verlust, den des großen Gelehrten und den des bedeutenden Vertreters der Interessen seines Volkes, mit den Worten des Königs David 2. Buch Samuel 3,38 ״Szar Wcgodau!" ein Großer und ein Fürst ist heute gefallen in Israel. Herr Rabbiner Wciskops wendete in geistreicher Weise den ans Rabbi Seiroh Meggilloh 6 erwähnten׳ Hespcd auf den Vercwigten an. Neben vielen Rabbiner!, Gelehrten und Mäntiern von Bedeutung, die den Rabbi zu seiner Ruhestätte geleiteten, bemerkte man namcutlid) auch den Vice- Präsidenten dcS Pariser Konsistoriums, Herrn Michael Erlanger, welcher dem Rabbi auch beim Leben stets als treuester Freund zur Leite gestanden und bei seiner vielseitigen von Jedermann in Anspruch genommenen Thütigkcit, stets noch Zeit fand, sehr oft selbst in später Abendstunde dem Rabbi mit Rath und That an die Hand zu gehen. Rußland. -sk- Warschau, im Dezember. Der Herr (Gouverneur von Podolim scheint noch in dem Wahne besangen zu sein, daß wir noch um ein Jahr zurück seien. Ob er während dieses Jahres geschlafen hat, oder ob ihm der ״Wodka" die Geisteskraft hemmte (denn unsere Herren Adeligen verschmähen diesen Göttertrank durchaus nicht), darüber habe ich keinen genaueren Bericht erhalten — wahrscheinlich war beides der Fall. — doch kurz und gut, augenblicklich scheint er zn wachen und einigermaßen bei Besinnung, wenn auch nicht bei Verstand zu sein. Diesen Aufschwung, den sein aninms genommen, bekundete er denn auch gleich durch eine weise Verfügung. Ungefähr 300 jüdische Familien mußten Kamienec-Podolski, die Hauptstadt PodolicnS, verlassen, da sie in Folge des Treibens ihres GonvcrneurS sahen, daß dieser die alte Bestimmung, den Juden sollte im Umkreise von 00 Werst von der Grenze die Ansiedelung nur unter gewissen Bedingungen erlaubt sein, zur Bethätigung bringen würde. Daß in der podolischen Hauptstadt, deren Bewohner zur Hälfte Juden sind, große Aufregung herrscht, ist begreiflich. Hoffentlich wird die vollständige Ausführung des Ediktes nicht geschehen. Möchte doch der Gouverneur wieder ciuschlafen oder ״Wooka" trinken, dann können wir unS ja im nächsten Jahre, wenn cr wieder wach ist, wieder sprechen. -v Kiew, 28. Dezember. Unsere Lage wird hier in Rnßlaiid noch immer nicht besser. Wir Juden sehen klar und deutlich, daß wir, bevor nicht Seitens der Regierung die energischsten Schritte geschehen, über das Schlimmste noch lange nicht hinaus sind. Ein Anzeichen hierfür werden wohl in allen Gouvernements die jüdischen Bewohner fast täglich erfahren. Auch wir Ki'cwcr haben wieder einmal einen Beweis dafür gchabt, wie die Ncgicrungsbeamten ihre Macht wider unS ausüben. Unser Gouverneur hat jetzt folgende Verfügungen erlassen zur Einschränkung des Aufenthaltsrechtes der Juden im Kiewcr Gouvernement: ״!)Die ans dein Militärdienste auslrctcndm jüdischen Unter- Militärs sind verpflichtet, sich in denjenigen Städten oder Dörfern anzusiedeln, wo sic vor dem Antritte des Militärdienstes gewohnt haben. 2) Die in den Ehestand tretenden Jüdinnen sind verpflichtet, sich in dem Wohnorte ihrer Männer niederzulassen. 3) Wenn eine Frau einen in einer anderen Gegend wohnhaften Juden hcirathet, so verliert sic das AufcnrhaltSrccht in ihrer früheren Heimat!). 4) Oer Mann hat nicht das Recht, sich dort niedcrzulassen, wo er hcirathet, falls er früher in einem anderen Orte gewohnt hat, als seine Frau." Türkei. * Konstcmtinopcl, 18. Dezember. Man schreibt r

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