Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1884)
- Article
- Holland : Amsterdam [Nachricht]
- Date
- 1884-01-03
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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11 flcvn-cflcn ctf scheint, fast versucht werden, zu wünschen, daß die Rcformpartei in selchen tRuueinden aiifanflc, positive Ansprüche für sich zu machen, damit der alte, jüdische Geis! auf^criutcit und wieder lebendig werde. Ein frischer Rüstung konnte der Ker! nicht schaden. Oesterreich -U ngarn. * Wien. Der 5)״. H." wird geschrieben: .,Erlauben Sie mir, Ihnen einen kleinen Beitrag zur Gehcimgeschichte unserer Presse zu liefern. In Wien erscheint ein großes Blatt ״Oie Tribüne". Nachdem ihr Herausgeber, der bekannte Streichschonsky, gestorben .ist, sind ihr die Mittel ansgegangcu, es galt also, neue hcrbcizuschasfen und das ist in folgender Weise versucht worden: ״Die Tribüne", bisher das größte Antisemitenblatt in Oesterreich, im Morgcnblalt wie im Abend׳- blatt verzehrte sic die Juden täglich massenhaft. In ihrer Noth hat sie sich an die ״Alli ncc Israclitc" aewende! und sich anheischig gemacht, gegen entsprechende Vergütung die Inden sortan bis aufs Messer zu verrhcidigeu. Die ״Alliance Israclitc" ist, wie ich Hinzufüge, anständig oder klug genug gewesen, das Anerbieten abzulchnen." O, nobler Antisemitismus! *II* Pest, Ende Dezember. Herr von Tre fort hat kürzlich wicdcrmn eine Kundgebung gemacht, welche geeignet ist, die Aufmerksamkeit und Wachsamkeit der gcsetzestreuen Israeliten heranszufordcrn!tnd ihre einmüthigc, besonnene und energische Thätigkeit zu veranlassen. Die israelitische Loudeskanzlci hatte dieser Tage bei dem Herrn Minister eine Audienz, in welcher sie wegen Regelung der Verhältnisse der Kultusgcmcindeu Ungarns vorstellig wurde. Herr von Trüsort erwiderte, er stände auf den! Prmzivc der Gleichberechtigung aller Konfessionen und würde die Selbstständigkeit der jüdischen Knlt'.lsgcmcinde ebenfalls wahren. Rur müsse er darduf halten, daß auch die damit vm! den letzteren übernouunencn Obliegenheiten strikte erfüllt werden Vou diesem Gesichtspunkte werde er sich bei der Regelung der israelitischen Verhältnisse leiten lassen. Die Matrikelführuug der Orthodoxen aber sei vielfach höchst unregelmäßig; er würde auch die Winlelschnlcn derselben nicht dulden u. s. 10. 11. f. :0. Sie haben, geehrter Herr Redakteur, in Ihrer Zeitung schon vor Monaten in dieser Hinsicht gewarnt und aus die Gefahr aufmerksam gemacht, welche den Orthodoxen drohe. Ich frage und mit mir fragen Viele, wo ist die Vertretung der Gesetzestrcuen? Der Weg zum Ohre der Regierung steht auch ihnen offen — warum lassen sic die Gegner immer und überall vorauf sein und geben sich einer Lelargie hin, die fas: sträflich genannt werden kann? Wer auf die Anschauungen des Herrn Ministers einen verhängnißvollcu Einfluß ausübt. ist doch augenscheinlich und offenkundig, und doch geschieht Nichts'. Die Situation ist eine verhängnißvolle -- wenn wir ruhig drcinschaucu, so werden nur eines schönen Tages mit der Nachricht überrascht, daß das gesetzcstrcuc Indenthum zur dienstbaren Magd der Reform oder der Kongreßlcr degradirt wordcil ist Eile j tl)11t notl); aber Eile zum besonnenen, energischen j Handeln. .נם החרפה במלאנוזו אה הוא לנעל השהית ״;Auch wer lässig ist in der Erfüllung seiner Obliegen- : hcir, ist der Genosse des Verderbers," das sollte man : beherzigen, bevor cs zu spät ist. *II Ptsk, 22. Dezember. Um halb 1 2 Uhr ver- kündete Präsident Vajkay das Unheil der königlichen;■ Tafel, wonach das frcisprcchende Urtheil der ersten! Instanz in der Strafsache des Salomon Schwarz l und Genossen bestätigt wird. Ehe zur Verlesung der j Motive geschritten wird, verliest der Präsident eine j längere Erklärung, worin er Verwahrung cinlcgt gegen j die verschiedenartigen Folgerungen, die ans den über j die Verhandlung erschienenen Zeitungsberichten gezogen! werden. Er sei. Dank der ansopfernden Mitwirkung seiner Richterkollcgcn. in der Lage, die Motive des Urthcils gegen die sonstige Praxis sofort dem vollen Wortlaute nach zur Verlesung bringen zu lassen. Die Motive sind sehr umfangreich. Aus den Motiven ist l zunächst hcrvorznhcbcn, daß die königliche Tafel auf Grund der Dezi st on des Obersten Gerichtshofes vom Jahre 1882 das Appcllationsrccht der Fron Solymosi anerknantc. Außerdem sprach sic aus, daß der vor-! liegende Fall zu jenen gehör,e die von amtswegcn alle j Instanzen durchmachcn müssen. Zur Begründung der; Anklage liege das Geständniß Mori; Schars's und die; Auffindung des Dada er Leichnams vor. Die königliche ׳ Tafel fühlte sich daher durch die Thatsache, daß der Staatsanwalt von der Anklage zurückgctreten sei, der j Ausgabe nicht enthoben, sich mit der Sache zu be-; schuftigen. Nachdem die Motive das Bedauern darüber , ausgesprochen haben, daß das Gutachten des Landesi Sanilätsrathes nicht mit Motiven versehen gewesen; sei. gehen dieselben auf die Anssage des Mori; Scharf : über. Letzterer konnte in keiner Weise als glaubwürdig; genommen werden: k. wegen des Alters des Zeugen; 2. weil er während der Schlnßvcrhaudlnng Haß gegen; seine Familie und Glaubensgenossen bekundete; :1 weil , er sich in krasse Widerjprüchc verwickelte: 4. weil der Mord unmöglich in der Weise und in der Zeit ge-; schehcn konnte, die Mori.; angeführt hat. Die Motive analysiren sodann sehr eingehend alle auf das Mord-; saktum bezüglichen Zeugenaussagen und heben insbc-! sondere hervor, daß der Erzählung des Vaters Joseph Schars vom sogenannten Nanaser Falle keine Be- : deutung beiz׳.׳.messen sei, obgleich gerade diese Aenßcrung in Frau Sochmosi den Vekdacht erweckte, daß die . Juden ihr Kind ermordet haben. Die Motive bc-