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Jeschurun · 1884-01-03 · Heft 1 (3.1.1884) · p. 10

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 1 (3.1.1884)
Article
Deutschland : Rawitsch [Nachricht]
Date
1884-01-03
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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10 zeichnete 33ercbt]*am!cit in seltener Weise. Rechnen ' wir hierzu seine große Bcrnssuenc, sein auf's Schärfste : ausgeprägtes Pflichtgefühl, dabei sein bescheidenes; Auftreten, so crgicbt sich von selbst, daß dieser Manu sich allseitigcr Sympathien, auch in christlichen Kreisen zu erfreuen hatte. Seine Wirksamkeit als Seelsorger an der hiesigen Königl. SlraftAnslalt, dem König!.; Realgymnasium und den städtischen Schulen erfolgte zur vollsten Zufriedenheit der betr. Behörden, und das Einvernehmen mit den Leitern der genannten , Anstalten war stets das beste und denkbar ungc-; slörtesle. Jetzt, nachdem es offiziell zur Kenntnis: gelangt! tst, daß dieser so bcjähigte und geachtete Manu einen! neuen Wirkungskreis anzutrctcn sich anschlekt, beabj sichtigt man, wie wir hören, Herr Dr. Korcs zum ׳ znm Hierbleiben zu bewegen, jedoch wir glauben, ein; ״Zn spät" dürfte die einzige, wohlverdiente Antwort! sein! .Wir aber wünschen Herrn 1)r. Korcs, daß er i in seiner neuen Wirkungssphäre, das Berständniß und - die alljcitige Anerkennung finden möchte, welche sein! ernstes Streben, sein reiches Wissen und sein sriedfertiges Auftreten im vollsten Maaßc verdienen. Der bei Wciletn größte Theil unserer Gemeinde beklagt sicher das Fortgehen dieses Mannes und wird dasselbe schwer empfinden. Ein treues, liebevolles Andenken ist ihm, auch Seitens unserer christlichen Mitbürger, dauernd gesichert. H o l l a n d. ZZ. Haag, 25. Dezember. Das ßNitglied der zweiten Kammer des Gcneralstaats Herr van Kertwyk hatte sich in der Sitzung vom l7. d. M. bei Gelegenheit der Bcrathung über die Niederländische Staatstollerie hinsichtlich der Kollekteure der wegwcrscndeu Bezeichnung ״Vottcricjndcn" bedient. Herr A. A. de Pinto, Mitglied des Hohen Raths, verwahrt sich energisch in einer offenen Erklärung gegen diese ungerechtfertigte und unangcurcsseue Herabwürdigung ciucS ThcilS der Staatsangehörigen und bemerkt beiläufig, daß von 33 angestelltcn Kollekteuren nur 2 sich;rrm Judenthmn bekennen; ״die übrigen 31 ״Lvttcriejudcu". welche Herr van Kerkwyk so heftig angegriffen, scheinen also Ehristen zu sein!" Mit Recht warnt Herr de Pintv: ״Mi! Feuer soll man nicht spielen. Der Judenhaß ha! unter dem neuen Namen ,Antisemitismus׳ in mehr als einem europäischen Staate solche Ausdchuung genommen, daß man mir solchen Insinuationen, wie Herr van Kerkwyk sich in den! Palamcnt erlaubt hat. nicht vorsichtig genug sein kann." A 'Amsterdam, 3<>. Dezember. ״Ein frischer Luftzug könnte der Kirche uichr schaden," soll einst eine hochgestellte Persönlichkeit geäußert haben. Aber Kirche im ״Jcschnrun?" höre ich fragen. Beruhige dich, lieber Leser, auf gut Holtändisch heißt Synagoge Kcrk und der Vorstand Kcrkeraad, also keine Skrupel. — Ucberall in religiösen Kreisen Bewegung. Die Einen verlangen mehr Unterwerfung unter die. Religion, die Anderen mehr frische Luft und Zugestäudniß au den Geist der Zeit. So war cs vor Jahrhunderten, so ist es Herne noch. Man zieht nicht mehr das Schwert, errichtet leine Scheiterhaufen, man streitet in Wort und Schrift und übt Macht atis, rvo man sie in Händen hat. Nur hei uns Juden scheint Frieden zu herrschen. Die Reform hat nichts tnchr zu resormiren. Den Führern desertir! die Mannschaft, und eitrige Mixturen. Prediger mit schönen Organen und pyantasicreicher Sprache, Orgeln n. s. w. müssen die verödeten Prachtbauten ättßerlich am Leben erhalten. Mit der Negation alles Jüdischen hat sich die Reform selbst den Untergang bereitet und wider ihren Willen der Orthodoxie einen Dienst geleistet, der es klar geworden, daß cs heute mehr als jemals festen Eintretens und größi-en Ernstes bedarf, um die Kinder nicht den! jüdischen Leben entfremden zu lassen. Ob aber die Ruhe der Gegner nicht ebenso schadet, wie ihre Thütigkeit? Wenn man die tt)at.־ sächlichen Verhältnisse betrachtet, möchte man glauben, daß sic noch gefährlicher ist. An Stelle des FanatismuS, entgegenkommende Freundlichkeit. Wie. wenn die Reform merkte, daß sie mit Gewalt ואשא אתכם על כנפי נשרים nicht zur Unwahrheit machen kann und deshalb durch Gewährung der ritneÜen Institutionen jedem Einzelnen die Beruhigung giebt, seine körper- Lichen Bedürfnisse, sein Essen und Trinken, jüdisch befriedigen zu können und ihn dainit ciiifci)!äfern und ihm den Boden entziehen will, auch für jüdischen Geist, für Erziehung der Kinder zu jüdischem Ernst ,;u sorgen und zu streiten? _ Wenn sie statt der direkten Verlüchtung den Plan ändert und mit Entgegenkommen in der Gegenwart die Hand fest und sicher ans die Zukunft legt? Wenn sie im Kerkeraad in ritueller Angelegenheit frommer als die Frommen ist und an der altehrwürdigen Gemeinde nicht rüttelt, aber dainit sonst den Fortschritt hindert und die Frommen so von Dank und Freundlichkeit ersüllt, daß diese nicht wagen, an die Zukunft zu denken und aus purer MenschenfrcunMid)tcit lieber die Jugend gefährden und keine Schulenerrichten :vollen, in denen neben der zeitgemäßen Ausbildung auch jüdisches Wissen, jüdischer Geist und Ernst gepflegt wird? Wenn man einer anscheinend gleichgültigen Reformpartei einen Plan über- Haupt zutraucn will, wäre ein solcher wahrlich gcfährlicher als der frühere Fanatismus. Aber einerlei, ob Absicht oder nicht, ob Plan der einen oder Blindheit der anderen Seite an solchen Verhältnissen Schuld ist, wo die Verhältnisse dieselben sind, bleiben sich auch die Folgen gleich. Und darum sollte rnan wahrlich, so

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