Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1883)
- Article
- Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
- Date
- 1883-12-27
- Page
- 909 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2932754-2932996-2933048--14419-2955388- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
909 strebt, nimmt sie auch das speziell jüdische Interesse wahr. Wir sind mich ganz damit einverstanden, wenn Herr Dr. Pallai die Inden als Aienschcn bezeichnet, welche van ihm verschieden sind. Gottlob, daß dem also ist. Wenn er aber ״zum offenen Kampfe gegen" und für den Erlaß ״wirtlicher Ausnahmegesetze" für die Inden ausfordene, so mögen die l.üoo Berliner Biertrinker in der Viktoria-Brauerei iljm Beifall spenden, hier in Wien wendet man sich mit Abscheu von einer Forderling, die dem Recht und der Moral geradezu ins Angesicht schlägt, und wundert sich nur, daß für eine solche in Berlin ein ׳Won des Lobes zu finden ist. Man hat hier and} gar nichts dagegen, wenn Herr Pattai ganz nach Berlin übersiedelt, er ist hier wirtlich überflüssig und findet dort viel leichter willige Ohren für seine Rvdomontaden, als hier. A. Prost bürg, 19. Dezember. In Wartberg (Prcßbnrger Komital) wurde anläßlich der vorwöchentlichen Abgeordnetenwahl, der amiseinitifche Kandibat Franz 9t ath, gegen einen Negiert,ngö-Kandidaten, gewählt. Seine Prograrnmrcde strotzte von Invektiven gegen die Inden lind gegen die Negierung. Rath war früher Honorar-Sekretär der hiesigen Finanz-Direktion, wurde aber durch den Minister seiner Stelle enthoben. Bon dieser Zeit ab gehört er zu den wüthcndsten Antiscmiten. n Pest, 22. Dezember. In der heutigen Sitzung der königlichen Tafel als Appelli'nstanz in dem Tisza Eszlarer Prozeß wurde das Unheil gesprochen. Dasselbe enthält die Bestätigung des ersten sreisprechenden Erkenntnisses und die Zurückweisung der Berufung des Privatklägers. Die Mouvining des kkrtheils nächstens. T ürkei. -ml. Kronstaritrnvpel, l «l. Dezember. Das entsetzliche Brandunglück, welches unsere spanisch indische Gemeinde in Hasköj traf, hat trotz der allseitigsten, innigsten Theilnahmc große ׳(׳iedergcschlagenhcit vernrfacht. Wenn auch die Obdachlosen ans Befehl des Sultans in einer großen Kaserne nnkergebracht sind, wenn auch sofort ein Komin'׳ reicher Inden sich bildete, welches am <>. d. M. seine erste Sitzung hielt, wenn auch der Sultan sofort 1 uOO Pfund zu Gunsten der tiokhleidendcn Juden spendete, wenn auch die hochherzige Ladh Dufserin eine Lotterie zntn Besten der Abgebrannten veranstaltete, so vermögen doch nicht diese materiellen Unterstützungen die Trauer für's Erste zu bannen, daß fünf Synagogen der unglücklichen Gemeinde eingeäschert wurden. Wie groß das Elend ist, kann man daraus ersehen, daß unter den Rothleidenden, denen die frühere Mediziuschnlc, welche jetzt eine Kaserne ist, und die Zivilingenienrschnlc angewiesen wttrdc, 500 Frauen sich besinden, welche in gesegneten Umständen sind. Mögen bald reichliche Unterstützungen von außen Herkommen, um das Elend und die Roth zu mildern! Palästina. * Herr E. Scheid ans Safed berichtet dem ״Univ. Ist׳." von dem Treiben eines Proselytenmachers. In Jerusalem eristirt nämlich ein gewisser Friedlau der, ein getaufter Jude, jetzt englischer Missionär. Dieser Mensch, welchem große Geldsummen zur Lcrfügnng stehen, hat Kolonien in verschiedenen Gegenden des heiligen Landes eingerichtet, in welche er mit Vorliebe Juden nnterbringt. In listiger Weise sucht er diese von ihrem Glauben abtrünnig zu machen. Ein Artikel, welchen die Kolonisten nebst 1 l> andern Artiteln zu unterschreiben haben, bestimmt zwar, daß Jeder seiner Religion treu bleiben kann, und daß kein Kolonist mit einem andern eine religiöse Diskussion anfangcn dürfe. Dieser Artikel ist aber nur deshalb gegeben, um die armen, bedürftigen Juden desto sicherer anzulockcn; er wird denn auch so gehalten, daß die Kolonisten nach ihrer Einführung sich jeden Tag in das Bethans begeben müssen, wo der Gottesdienst von einem protestantischen Geistlichen abgchaltcn wird; dort muß Jeder das Paternoster sprechen; wenn er miU, kann er cs leise 11)1111. Jeden Sonntag muß er zur Predigt des protestantischen (geistlichen. — Gegen dieses Unwesen hat sich denn auch in Jerusalem eine Bereinigung ״Esrath-Ridachiiri" gebildet, welche den eingewaiidcncn Juden Mittel an die Hand geben will, damit dieselben nicht von der Roth gezwungen sind, sich dem Fricdländer in die Hände zu liifmi. Jamaica. Je*. §?imzcktvn, Dezember. Wie hier das treue Festhallen an den geheiligten Gebräuchen unserer Neligiou weit mehr bcthäligt wird, als in Europa, wo so oft in leichtsenigster Weise mit dem göttlichen Gesetze umgcsprnngen wird, davon gicbt die augenblicklich hier herrschende Strömung deutlich Zengniß. Es war die Idee angeregt worden, die zwei hier bestehenden ״spanisch portugiesischen" und ״englisch-deutschen" Gemein beit zu einer gemeinsamen Synagoge auf Grund folgender Bestimmungen zu vereinigen, daß die portugicfische Aussprache des Hebräischen von der vcreinigten Synagoge angewandt, daß über die Festsetzung des Ritus' das Gutachten des Oberrabbincrs I)r. Adler zu London und des Rabbiners der portugiesischen Londoner Gemeinde cingeholt, und daß für die Thor ah und Haphtorah die aschkcnasische Vortragsweise adoptier werden sollte. Die Vereinigung sollte auf Grund des orthodoxen, gesctzestreuen Indenlhnms beruhen. Trotzdem aber kam sie bis jetzt nicht zu Stande, da sowohl seitens der ״Englisch-Deutschen" als auch der '״Spanisch-Portugiesischen" Proteste da-