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Jeschurun · 1883-12-27 · Heft 52 (27.12.1883) · p. 908

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 52 (27.12.1883)
Article
Deutschland : Würzburg [Nachricht]
Date
1883-12-27
Page
908 (sequence 2)
Language
German
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008 zu Gunsten des Antragstellers näher cingehen, so dürfte j dies für die bayerischen jüdischen Gemeinden von der! größten Bedeutung sein. j 6. Jyrniiffnrt a. , 21. Dezember. Einen; recht amüsanten^ Fall berichtet das ״Frkf. Journal": ״Die int Petcrssprengel erfolgte Pfarrerwahl wurde angefochten, weit ein Israelit mitgewählt hatte, dessen Kinder protestantisch sind und der zu der Kirche Stenern gezahlt und deshalb von! Kirchenvorstande eine Karte als Wahlberechtigter erhalten hatte." Die guten Leute hatten ganz recht. Weshalb hatte er sich auch nicht taufen lassen, wie seine Kinder? Der Mensch soll nichts halb sein, und Halbes wollten die Pcterssprcngliancr nicht. -— Was der betreffende Israelit sich bei der Geschichte dachte, wissen wir nicht; — ivahrscheinlich gar nichts! Ans Württemberg, Dez. Wenn das Bewußtsein, die Anregung zu einem guten Werke gegeben und dicrch das Wort der Wahrheit in de,:׳ Herzen Vieler die Erkcnnlniß derselben gefördert zu haben, Befriedigung gewährt, so dürfen Sie, geehrter Herr Redakteur, sich diesen! Bewußtsein und dieser Befriedigung hingcben. Ihre klare, eingehende und Übersichtliehe Darstellung der hiesigen Verhältnisse in den Nnmincrn K> bis 25, Ihrer geschätzten Zeitschrift, Ihre eindringliche Mahnung zur Abfchültelung des nnerträglichen Joches, unter welchem die württembergischen Israeliten seit fünf Dezennien seufzen, hat gezündet. Man ist hier in unserem freisinnigen Lande merkwürdiger Weise in jüdischen Angelegenheiten eine so offene mannhafte Sprache nicht gewohnt; wie ein Erlösungswort traf Ihre Abhandlung in die drückende Schwule und zeigte uns den Weg zur Freiheit und zum Heile. Und nicht nur in den Kreisen der Gesetzestreuen allein, sondern überall spendete man Ihnen Beifall und Anerkennung. Freilich ist cs von dieser Zu׳ stiminnng bis zur That noch ein weiter Weg; aber es regt sich doch überall im Lande, und es bedarf nur der Aufforderung von Seiten geachteter Männer, um die Israeliten Württembergs zu einer allgemeinen Er- Hebung zu veranlassen. Ihre Abhandlung wird jetzt in tausenden von Exemplaren verbreitet, und cs werden sich sicherlich recht bald Männer finden, welche den Mut!) haben, eine Vorstellung an die zuständigen Behörden vorznbereiten, um solche mit Unterschriften aus allen Orten bedeckt zu sehen. Hoffentlich habe ich recht bald Veranlassung, Ihnen von einem solchen Schritte Kunde zu geben. O e st e r r eichll u g a v 1t. f. Wien, 20. Dezember. Es ist rührend zu scheu, wie die für die gleiche Idee Begeisterten in Nord und Süd sich brüderlich die Hand zum großen Werte reichen. Was uuue aber für gewisse Kreise heiliger und begeisterungswürdiger, als die erhabene Idee des Judenhasses und der Unterdrückung der Iliden? Nun befinden sich in unserem schönen Wien leider die van derselben Beseelten in einer völlig vcrschwindenden Minorität, so daß ein eigentliches ergiebiges Arbeitsfeld für die thatenlnstigen Vorkämpfer der weltcrläsenden Iudenhctze an der blauen Donau nicht vorhanden ist. Dagegen wuchert das Blümlein Antisemitismus gar üppig .,draußen im Reich" und vornehmlich in dessen stolzer Metropole an der Spree. Dort ist das Eldorado der Edlen, dort, wo der große Stöcker, der weise Wagner, der muthige Eremcr, der patriotische Henriei an der Spitze von Tausenden gesinnnngstüchtigcr Männer sich dem hohen Werke in deutscher Treue und Stärke lvidmen. Dahin zog es die schöne Seele unseres Hof- und Gerichtsadvokatcu Dr. Pattai, und er pilgerte in frommem Sinne nach Norden, nicht scheuend den weiten Weg und die Fährlichkcnen der Reise. An dem Halse der Freunde weinte er Thränen der Freude und tauschte den Kuß inniger Bruderliebe mit ihnen ans. Am Abend des zwölslen Dezembers aber war es, so berichten die Zeitungen, da ward er eingcführt in das Sanktnarinm des großen Bundes, in die Viktoria-Bra ׳crei, wo außer der Duelle deutschen Gerstensaftes auch , er Born der heiligen Begeisterung gar mächtig sprudelt. Allda hatten sich an die fünfzehnhundert nach dem kühlen Trunk ans dein Kelter und dem Nektar der Rednertribüne Dürstende eingefnndcn und jubelten dem frommen Pilger und Bruder von der Donau begeistert entgegen. Er aber öffnete den Mund, denn der heilige Geist des Antisemitismus war über ihn gekommen, und gar köstlich ergoß sich seiner Oke de Fluß. Und er sprach von der :1-11111)1 der bösen Inden, deren!23 000 allein in Wien wohnen. Ihr wollt wissen, warum das Brod so thencr ist, die Inden sind schuld; — ihr wollt des Geheimnisses Lösung, woher der Branntwein — die Juden verkaufen ihn! euch gelüstet cs, zu erfahren, woher die Armnth der notorisch reichen öfterreichischen Bauern stammt (sie sind aber doch reich! lhut nichts, sie müssen arm sein) die Inden sind die Ursache dieser Armnth — ein einziges Handlnngshaus hat allein in einem Jahre 3000 Prozesse gegen Bauern geführt — und so ging cs weiter und immer weiter. — Man ist hier in Wien sehr begierig, dieses Handlnngshaus zu kennen, warum hat der große Redner uns die )kamen vorenlhalten? Ist cs vielleicht ein Geschäftsgehcinmiß und führt der Herr Hof- und Gerichtsadvokat diese 3000 Prozesse? Daß der Herr die deutsch öüerreichische Partei als eine lediglich das Interesse des Indenlhnms verfolgende bezeichnet, mag wahr sein. Des Indenthnms Interesse ist Wahrheit und Recht, und insofern diese Partei nach solchem

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