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Jeschurun · 1883-12-27 · Heft 52 (27.12.1883) · p. 902

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 52 (27.12.1883)
Article
Die jüdische Einwanderung in Preußen
Date
1883-12-27
Page
902 (sequence 2)
Language
German
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002 Ostpreußen die Hanpt-Einbruchsstetle für die jüdische Einwanderung and dem Osten ist. Es.bleibt aller׳- dings auch ihm vor der Hand noch dunkel, ob von diesem Neueiugewandcrten ein verhältuißmüßig großer Thcil weiter in da- Ausland geht oder im Lande vcrbleibt. Aber in Berlin, so behauptet er, seien am 1. Dezember 1880 von den daselbst gezählten 58 949 Juden 11 344 in Rußland und 2599 in Oesterreich׳ Ungarn geboren. Wir haben gar keine Veranlassung, die Nichtigkeit dieser Angabe in Zweifel zu ziehen, und wollen nur im Borübergehen erwähnen, was Herr von Trcilschkc übergangen hat, das; ein Vergleich zwischen der Volkszählung der Jahre 1871 und 1880 (im Jahre 1875 war in den Tabellen keine Rubrik für die Religion) folgendes Resultat für Preußen erzielt: 1871: 1 5 21 041;׳ Evangelische, 8 266 309 Katholische, 325 565 Juden; 1880: 17 645 808 Evangclische, 9 206 283 Katholische, 363 790 Inden; Znnähme: 1 604653 Evangelische, 937974 Katholische, 38 225 Juden d. i. in Prozenten ausgedrückt: für Evangelische 14,Ü<»3, für Katholische 11,344, für oabiit 1 1,707. Es haben sich demnach die Katholiken im Verhältnis; um 1,341 Prozent mehr vermehrt als die Protestanten und die Juden um 1,774 Prozent mehr als die Protestanten und 0,363 Prozent mehr als die Katholiken Ob in dieser verhältnißmäßigen, unbedeutend größeren Vermehrung der Juden als der Katholiken jene bedenkliche Invasion ans dem Osten im Spiele ist, dürfte doch wohl nicht so rasch zu bejähen sein, ist aber für uns ganz irrelevant. Sind denn die Juden in Preußen eine Landplage, die lnan widerwillig dulden muß, weil es nun einmal nicht zu ändern ist, aber Pflicht einer weisen vorsorglichen Staatskunst wäre cs, der Vermehrung des jüdischcn Elements vorzubeugcn? Was haben denn die Inden verbrochen, was insbesondere die 13 943 Berliner Inden, deren Wiege nicht an der Spree, sondern an der Weichsel, dem Riemen und der Theiß gestanden? Ist Berlin durch sic in seiner Entwicklung gehemmt worden? Haben sic die Sicherheit des EigenthumS und Lebens der preußischen Hauptstadt gefährdet? Ja selbst die klassischen Hosenverkausenden Jünglinge am Mühlcndamm — was weiß man ihnen Anderes vorzuwerfcn, als daß sie redlich und fleißig sind und billige Hosen und Röcke verkaufen? Herr von Treitschke meint aber in sehr bedenklicher Miene, die aus dem Osten einwandernden Juden ständen dem deutschen Volke ganz fremd gegenüber. Wir glauben aber, gerade das von ihm angeführte Berliner Beispiel beweise zur Evidenz, daß dieses Bedenken völlig grundlos sei. Außerdem sollten wir meinen, daß die doch zusammen wohnenden drittehalb Millionen preußischer Polen, welche jedcnsalls nicht so willig sich der beut scheu Sprache unbequemen, wenn man Bedenken hegen wollte, weit mehr Anlaß dazu böten, als die 3<13 790 Juden, welche sich über die ganze preußische Monarchie ausbreiten. In cigenthünilicher Weise sucht Herr von Treitschke die seinen Ausführungen geradezu widerstrebende Thatsache der geringen nicht durch fremde Einwanderung zu erklärenden größeren Vermehrung der Jitden dadurch die Spitze abzubrechen, daß er eine größere Gefahr für sein Vaterland mehr in denr vorübergehenden Aufenthalt fremder Inden atts dem Osten, als in deren bleibender Ansiedelung sieht. Es ist doch erstaunlich, zu welchen Auskunstsmitteln der Ehanvi׳ uismus greift, nur seiner antisemitischen Neigung.zu fröhnen. Da beklagen wir uns über moSkowitische und magyarische Versuche, das deutsche Element in Rußland und Ungarn zu unterdrücken, und Herr von Treitschke und Genossen? Die Vereinigten Staaten Nordamerikas zählen etwa neun Millionen Deutsche, sicherlich ebensowenig zum Schaden der Union wie die wenigen Hunderttausend Inden in Preußen des Staates Wohlfahrt untergraben, — was würde Herr v. Treitschke zu einer wissenschaftlichen, sozialpolitischen Abhandlung sagen, die etwa ein nordamerikanischer Professor über die Zunahine des deutschen Elements in seinem Vaterlaude ü ln Treitschke schreiben wollte? Ach. die von ihm geradelte philoscmitische Tcndenzstatistik ist ein harmloses Kinderspiel gegen seine antisemitische Sozial- Politik. Aus dcr ersten Hälfte unseres Jahrhnuderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Kriedrich Uott. (Forlsepung.) (.Ule :»echte Vorbehalten.) Aber ich will Ihnen sagen wegen was," fuhr Kohn fort, .,reden wollen Sic mit Mirjam, weil Sie sich eineiubilden, Sic kriegcn's doch 'raus von ihr, ob sie Sie gern hat. Und wenn Sie glauben, daß ja, dann wollen Sie in's Ausland gehen und — 11a, Sie wissen 's jetzt wic's sein muß, dort wollen Sie gehen zu '!!cm Rabbiner und wollen dem sagen, Sie seien überzeugt, daß unsere Religion weitaus die beste ist, und daß Sie darum! wollen übertreten. He? — ich Hab' recht? — wie?" Seidler senkte errötheud den Blick und murmelte einige unverständliche Worte; Kohn aber fuhr ernst fort. ״Es ist mir leid um Sie, Freund, aufrichtig gesagt, es ist mir leid um Sie — aber ich bitt' Sie, denken Sic '11 bissel nach, Sie sind doch kein Gottloser nicht. Und doch möchten Sie glauben, dnrch's Lügen möchten Sie'ö zu was bringen? — und noch

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