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Jeschurun · 1883-12-20 · Heft 51 (20.12.1883) · p. 895

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 51 (20.12.1883)
Article
Palästina [Nachricht]
Date
1883-12-20
Page
895 (sequence 2)
Language
German
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895 Zwecke der Kolonisirung von Inden amjcfauft werden. ES thut wahrlich uoth, daß durch eine energische Anstrcngnng jüdischcrscitS diesen im Dienste der Mission stehenden Bestrebungen entgcgengcwirkt wird. DaS ist aber nur möglich, wenn die Kolonisationsversuche mit Umsicht und Geschick wieder ausgenommen werden. Die Tkilfklsliriillk betitelt sich ein Schriftchcn, welches in der Kößlingscheu Buchhandlung ״zur Geschichte der Blutopfer" soeben erschienen ist. Der Verfasser, welcher sich als Katholik bezeichnet, verfolgt mit seinem Werke den lobenSwcrthcn Zweck, zu zeigen, wie ״keine Religion ihre Bekenner vor Verirrungen schützt, wie in jeder Konfession Bosheit und Selbstsucht und der Unverstand der Menschen das Heiligste mißbrauchen, wie überall, wo sich Gott zeigt, auch die — Teufelskralle erscheinen kann." Er zeigt dies innerhalb der katholischen Kirche an dem Beispiele dcS Schwärmers Thomas Pöichl, welcher Anfangs dieses Jahrhunderts durch seine verrückten Offenbarungen die harmlosen Bergbewohner ObcröstcrreichS zu blutigen Exzessen und wahnwitzigen Menschenopfern verleitete. Und innerhalb der protestautischcn Kirche führt er den Herrenhuter Jakob Glan; an, welcher um einige Jahre später in einem cntlegcncu schweizerischen Dorfe die Köpfe der Bauern bethörte und zu gleichen Gränelthaten Veranlassung gab. Demnach bejaht er die von ihm aufgeworfene Frage: ob das Opfer von Meuscheublnt, dessen die Juden beschuldigt werden, nicht auch von Christen verübt worden ist. Der Verfasser ist von edler Humanität erfüllt und beklagt eS tief, daß unsere Zeit und die deutsche Ration, die heute, das erste Kulturvolk ist, noch weit entfernt ist von jener Anschauung, welche alle Menschen als die Glieder einer großen Familie in brüderlicher Gesinnung achtet und liebt. Inserate werden die 3fpalti1]c Petilzcile 4| Aן&> '"ober deren Nauru mit 2'» Pfg. berechnet. fzy%'׳ li' Jl'i 'ty* Jnsertronö- und Abonnements-Annahnic für Frankfurt a. daselbst, ohne ' Wir sehen jedoch zu unserem Bedauern auch ihn in einem Jrrthnm befangen. Er meint, daß ״die Verderbtheit in Gesinnung und Wandel, deren man heute das Judenthum anklagt, zum großen Theil die Frucht der Intoleranz und Engherzigkeit der Christen sei, welche durch Jahrhunderte die Juden von den Quellen der Zivilisation ausgeschlossen und ihnen daS Kainszeichen der Unfreiheit auf die Stirn gedrückt haben;" ״die Nachkommen einer Nasse, die kein Recht und keine Freiheit besaß, mußten instinktiv in sittlicher Beziehung Rückschritte machen." Wir sind nun keineswegs von Stolz und Selbstüberhcbung erfüllt, so daß wir die Juden als ideale Muster aller menschlichen Tugenden und Vorzüge hinstellen möchten. Wir wissen sehr wohl, wie weitab wir noch von der sittlichen Vollkommenheit sind, welche als das Ziel der Erziehung des Menschengeschlechts der Verwirklichung harrt. Aber wir dürfen vor den Genossen unserer Zeit und unseres BürgervcrbaudeS kühn daS Haupt erheben und Verwahrung gegen jeden, auch den wohlmeinendsten und ltnS in Schlitz nehmenden Versuch einlegcu, ״unsere Gesinnung und unseren Wandel" als verderbt und uns in sittlicher Beziehung als hinter den anderen Volksstämmen zurückgeblieben zu erklären. Kein Menscheilkreis hat daS Recht, sich dem jüdischen gegenüber in die Brust zu werfen und sich für reiner in Gesinnltng 1111b besser im Wandel zu halten. Die in Europa seßhaften Semiten stehen auf keiner nieder!! Stufe der Gesittung als die Germaucn, Romanen und Slavm; sie sind ihnen vielinehr an Adel der Gesinnung und der Thai vollkommen ebenbürtig. Pest, k 7. Dezember. Die Verhandlungen in der Berufungssache der Frau Solymosi gegen das Urtheil im TiSza-Eszlarcr Prozeß haben heute begonnen, boten jedoch bis jetzt nichts von besonderem Interesse. '4' fY 8״r den Inhalt derselbe:! übernimmt die ׳<r Ncdattion tcuiedci Verantwortung. M. auch bei Herren I. Kanffmann und A. I. Hofmann Preiserhöhung. Im Verlage von Wilhelm Jstlcib, Berlin, ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu bcziehen: Knaben, die hiesige Schulen besuchen, finden Aufnahme, gewissenhafte Aeauf. sichtigung, Nachhilfe in allen Unterrichts, fächern bei M. Schweitzer, Lehrer Frankfurt a. M., Obermain-Anlage 20. Beste Referenzen. | f)amcU'8clicifcf i nach neuester und natürlichster Art gear* [ beitet, weche die anSgebrcitetste Anerkennung gefunden, werden bei dem Nachweis der besten Empfehlungen angefertigt bei Adolf SU cf er, Kaiserstraße 92. Karlsruhe in Baden.

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