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Jeschurun · 1883-12-20 · Heft 51 (20.12.1883) · p. 894

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 51 (20.12.1883)
Article
Rußland : Petersburg [Nachricht]
Date
1883-12-20
Page
894 (sequence 2)
Language
German
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_804 den Gang der Verhandlungen wahrzunehmen? Wir sind mit Allen! einverstanden, was die Kommission, wie verlautet, gegen den Schmuggel zu beschließen beabsichtigt. Wir verlangen Gerechtigkeit und gleiche Be- Handlung mit den übrigen Utttcrthaneu; dcinnach Auf- Hebung jeglicher Beschränkung der ErwerbSthätigkeit und Niederlassung der Juden und wirksamen Schulz gegen jede Gcwaüthat und chikanösc Maßnahinen der Bevölkerung und der Beamten. — Von dem genannten Fürsten Dcmidow-San-Donato ist eben eine Schrift erschienen über die ״Iudcnfrage", die großes Aufsehen macht und im Interesse des allgenwiucn Wohles die vollste Gleichheit der Hebräer fordert. Sie weist daraus hin, daß die Juden alle Lasten eines Nüssen zu tragen haben und trotz ihrer unautaslbarcn Untcrthanentrcuc als Auswürflinge behandelt werden. Daher die schrecklichcn Metzeleien und Ranbzügc gegen die Juden, welche vom Volke!nißachtet werden, weil das Gesetz sie!nißhandelt. — Die Iudenfrage ist eine künstlich heraufbeschworene; man mache den Juden vor dem Gesetze gleich, so verschwindet sic. Rußland gelangt zu einem frischen Aufschwung, wenn daS befruchtende jüdische Element seiner Bevölkerung zur Freiheit und Gleichheit gelangt. --;— Nach einer neuerlichen Verfügung dürfen jüdische Handwerker, denen als solchen der Aufenthalt in Petersburg gestattet worden, nur dann ausgewiesen!verden, wenn sie nicht nur ihr Handwerk nicht mehr betreiben, sondern auch aus dem Hand׳ werkerverbande zuvor ausgeschlossen sind. * Moskau, 4. Dezember. Die von der hiesigen Jsraelitengemeinde zum Andenken an den Kaiser Alexander II. gegründete Alexander-Gewerbeschule wurde gestern feierlich eröffnet. In der Eröffnungsrede wicS der Rabbiner auf die großen Wohlthateu hin, welche der verstorbene Kaiser den Israeliten erwiesen habe, und deren die Israeliten auch Seitens des jetzigen Kaisers sich erfreuten. Amerika. * Washington, 4. Dczcntbcr. Aus der Botschaft des Präsidenten Arthur ist der Passus hervorzuheben, in!vclchem er in Bezug auf die Lage amerikanischcr Bürger in Rußland sagt, daß die Negierung an ihrer Ucbcrzcngnng fest halte, daß im Anslande weilende Staatsangehörige ihres religiösen GlaubensbekenntnisscS wegen keine Schmälerung ihrer Rechte erleiden dürften. Diese Stellung ist gewiß eine sehr korrekte, dürfte aber für den Schutz der in Rußland weilenden jüdischen Amerikaner kaum wirksam sciu, da die russische Regierung bekanntlich an ihrer eigenen Anschauung festhält und fremden Inden trotz der Ver- Wendung der bctrcssenden diplomatischen Vertreter Ausweisungsbefehle Zugchen laßt. Marokko. ||| Marokko. Die zu London bestehende ״Anglo- Iewish-AssociativlC hat aus 3D? o ga d0 r, bem wichtigen Hafen platz des Marokkanischen Reichs, mit einer jüdischeu Gemeinde von etwa 800 Familien, von einer barbarischen Handlung eines dortigen höhern Steuerbeamten gegen einen jüdischen GeschäsiSmann Nachricht erhalten, welche seit, der direkten Verwendung MotttesioreS bei dem Kaiser nicht mehr gewagt wurde Der Beamte Abdel Malek hatte den Obsthändler Ehajim den Abraham Medina vorladcn lassen und, als derselbe nicht sofort erscheinen konnte, mit dreihundert Peitschenhieben abstrafen und sodann in Ketten iuS Gesängniß werfen lassen. Ans Verwendung des französischen Konsuls wurde der Acrmstc endlich freigcgcben und befindet sich jetzt in ärztlicher Behandlung. Sein Zustand ist ein sehr bedenklicher. Die Aeltestcn der jüdischen Gemeinde wandten sich beschwerdeführend deswegen an den Gouverncur, ohne jedoch erhört zu werden. Sie haben jetzt bei der kaiserlichen Regierung selbst Schritte gethan, um Sühne für diese Grausamkeit und Willkür und Schutz gegen deren Wiederholung zu erlangen. Ein Bescheid ist noch nicht erfolgt. P a l ä st i n a. * Man schreibt der ״Polit. Eorr." aus Jerusalem von Mitte November: Ende Oktober ist die erste ,.Jewisli eolony under Christian direction“ (jüdi- (d)c Kolonie unter christlicher Leitung) eröffnet worden. Es ist den Bemühungen der -hiesigen London JewS Society gelungen, iu England eine neue Gesellschaft iuS Leben zu rufen, welche sich ausschließlich die Sorge für die aus Europa nach Palästina flüchtenden Inden zur Aufgabe!nacht und sich in' London unter dem 'Namen .,Jewisli Refugees Aid Society“ unter dem Präsidium des Earl of Aberdeen koustituirt hat. Diese Gesellschaft kaufte von dem Dolmetsch des hiesigen spanischen Konsulates um 45 000 Fr. ein sechs Stunden von Jerusalem entferntes Bcsitzthum namens Artus, in der beiläufigen Größe von 5000 Jod), dessen Boden überwiegend von trefflicher Beschaffenheit sein soll. Es werden 40 Familien darauf angesiedelt werden, zunächst die Männer, für welche eine große Baracke gebaut wird, da die Jahreszeit für den Ban von ordentlichen Wohnhäusern zu weit vorgeschritten ist. Jede Familie erhält eine Parzelle nebst Wohnhaus, Werkzeug, Sämereien und WirthschaftSthiercn. Vom Ertrag ist der Zehent an die Regierung zu entrichten und der Gesellschaft die zur Verzinsung bestimmte KapitalSgnote von 4850 Lstr. mit 5 Prozent zu verzinsen. Der Nest deS Anlage-Kapitals (S640 Lstr.) ist in 21 Jahresraten znrückzuzahlen. Sobald es die Mittel der Society ge-! statten, soll abermals ein größerer Grundkomplex zum

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