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Jeschurun · 1883-12-20 · Heft 51 (20.12.1883) · p. 892

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 51 (20.12.1883)
Article
Österreich-Ungarn : Prag [Nachricht]
Date
1883-12-20
Page
892 (sequence 2)
Language
German
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802 ganz und gar auSgcmcqt, sic glimmt noch In demselben und es bedürfte nur der rechten Anregung, um sie aufs Neue zu entflammen. Es sei uns gestattet, einen kleinen Beweis hierfür anzusühren. AIS der hochgelehrte Rabbi David Platschet זצ׳ל, der in Eenwwitz (Böhmen) 22 Jahre lang als Nabdiuer suugirte, au seinem Sterbelager seiner Gattin gegenüber sich dahin! geäußert hatte, seine werthvolle Bibliothek zu einem ' tvürdigeu Zwecke zu widmen, glaubte Frau CSccilic j Blatschck den gehegten Wunsch ihres Gatten dadurch! zu realisircn, wenn sic die Bibliothek dem Ez-Hadaathj Vereine zuführen werde. Demzufolge richtete sie ein j Schreiben an den Borstand mit dem Ersuchen, er möge! die von ihrem Gatten zurückgebliebene Bibliothek, welche einen Werth von 400—500 Gulden repräsentire, gütig st in Empfang nehmen und die Verfügung treffen, das; alljährlich am Sterbetage für das Seelenheil des Dahingeschiedenen eine Gedächtnißfeicr abgchalteu werde. In einer Borstandssitzung wurde dies zur Keuutuiß geuommen und die gestellte Anforderung einstimmig gebilligt. Jedoch wurde von der hierzu berufenen Seite verabsäumt. Frau Platschet von dem Vorstandsbeschlnß 1 zu verständigen. Demzufolge langte nach Verlauf dreier Monate aus Cernowitz ein Schreiben ein, welches die .stunde enthielt, daß die dem Ez-Hadaath-Vcreine zagedachte Bibliothek nunmehr dem Wiener Beth-Hamidrasch desiguirt wurde. Der um den Verein sich so vielfach verdient gemachte EpObmann, Herr A. Bloch, konnte dies so gleichgültig nicht hingchm lassen, er suchte daher auf alle Weise der Frau Platschet den richtigen Sachverhalt zu crplizircn, und seiner eifrigen Bemühung ist es ausschließlich zu verdanken, daß die Bereiusbiblivthek mit 400 der seltensten Bände bereichert wurde. A. Prcßbnrg, 8. Dezember. In Angelegenheit der von einigen KomitaLen cingebrachteu Petition um Aufhebung der sogcnauuteu Rabbiner-Winkelschuleu erhob unter Anderen auch der zur Autisciuitenpartei gehörige und sich in dieser Gesinnung eines zweisclhaften Ruhmes erfreuende Abgeordnete v. Symony zu einer über zwei Stunden dauernden Rede seine Stimme. Diese Rede, die zwar lauge, sehr lange dauerte, bot desto mehr Stoff zum L-achcu. Redner kam auch auf die hiesige Jeschiwa zu sprechen und sagte unter Anderem: cs wäre von der Regierung veruünftigcr gehandelt gewesen, wenn mau den ״Haynafonds" statt zur Erbauung eines Rabbiner-Seminar in Budapest, das über 1 000000 Gulden oft. W. kostete, und jährlich von 8—0 Zöglingen besucht würde, die Prcßburger Jeschiwa, deren Hörcrzahl jährlich sich auf 4—GQO Bachurim bezifferte, und aus welcher auch die meisten Gemeinden Ungarns ihre Rabbiner holten, verstaatlichte, oder, sollte dies unmöglich sein, lieber den Talmud (hört!) — ins Ungarische übersetzte, was sicherlich weniger Geld in Anspruch genommen hätte. — letzten Donnerstag hielt der Herr Oberrabbiner seinen ersten diesjährigen Schiur-Bortrag und zwar in סוגי, דיירות מצויות. Die Zahl der um ihn versammelten Bachurim betrug etwa 300. A. Pres;b1!r;g, l!. Dezember. Ein gestern hier augelangteS Reskript des Ministeriums des Innern verwirzt den jüngst gefaßten Beschluß der Stadtrcprüscntanz, laut dessen der Militär-Arar mit seiner Forderung auf Bezahlung der Kosten der Militär-Intervention bei den vorjährigen Iudeukrawalleu an die Negierung verwiesen wurde, und weist der Minister die Stadtgemeinde an, diese Kosten selbst zu bezahlen. Er moti-- virt diesen Erlaß dahin, daß cs in erster Reihe die Aufgabe der Gemeinde sei, für die Aufrcchterhaltung der Ruhe in ihrem Weichbilde Sorge zu tragen, sie also die Kosten für die Wiederherstellung der gestörten Ruhe allein zu tragen habe. Pest, 14. Dezember. Die Immunität des Abgeordneten Onody ist aufgehoben worden; derselbe wird also sich vor dem Strafrichter wegen seines brutalen Eingreifens in den Nyiregyhazaer Prozeß zu veraut- Worten haben. Ebenso hat der Reichstag sein Mitglied Verhovay dem Gerichte zur Verfügung gestellt. -v- Lemberg,!2. Dezember. In bent Kreise unserer Gewerbetreibenden bereitet sich eine Bewegung vor, welche das junge segensreiche Institut der eben erst ins tzebcn getretenen Gewe 1׳bs-Genossenschaften zu einer 'Waffe gegen die jüdischen Gewerbetreibenden schmieden möchte. Man will nämlich in die Stalnten dieser Genosicnschasten die Vesiiinmnng anfnchmcn, daß lein Jude in den AdntinistrationSkörpcr gewühlt werden kann. Hoffentlich scheitert dieser Versuch engherzigster spießbürgerlichster Gelüste an dem gesunden Sinne unseres Gewerbestandcs. * Lemberg, 13. Dezember. Der verantwortliche Herausgeber des Organs des Vereines ״Machsike HadaS" wurde wegen Veröffentlichung desbekannten Zirkulars zu einer einntonatlichen.Kerkcrstrase vernrtheilt. :|: N ad nutz (Bukowina), 5. Dezember. Wenn es, wie von der בבודה בת מלך auch von den jüdischen Gemeinden gelten würde, daß diejenigcu die besten sind, von denen am Wenigsten gesprochen wird, so könnte die hiesige KultnSgeniemde, deren Name so selten in die Oefsentlichkeit dringt, sich mit Recht zu den Besten zählen; und in der Thal kann dieselbe, vermöge ihrer Einrichtungen, die fämmtlid) auf gesunder Basis beruhen, wenn auch nicht zu den Besten, jedoch allenfalls zu den ״Guten" io der Bukowina gezählt werden. — Erst neulich gab die hiesige Gemeinde ein eklatantes Zengniß ihrer Wohlgesimttheit, indem sic der i leider in manchen Kreisen herrschenden Unsitte bei Be-

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