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Jeschurun · 1883-12-20 · Heft 51 (20.12.1883) · p. 885

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 51 (20.12.1883)
Article
Ungarisches Jeschiba- und Rabbinerwesen
Date
1883-12-20
Page
885 (sequence 2)
Language
German
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885 tation der Jeschiboth wieder hergestellt werden soll, denselben die nomadenhafte Beweglichkeit benommen werden, mit der sie in einem jeden frischen Semester ihre Schüler und deren Zahl verändern. Das giebt desonders auf den kleinern Jeschiboth ein reges Kommen und Gehen am Beginne des neuen Semesters. Manche gehen ab ohne länger als ein Semester da gewesen zu sein, 1111b über drei Jahre hält cS selten einer im selben Orte ans. Nun ist eS aber Thatsache, dass zu häufiges Wechseln des Lehrers und der Umgebung auf die geistige Entwickelung hennuend ciinvirkt. Biele Pädagogen haben sich ja baburefj zu der Einrichtung veranlaßt gefühlt, daß an mehrllassigen Schulen der Lehrer mit seinen Schülern suceessive in höhere Klassen aussteigt, damit Lehrer und Schüler womöglich über die ganze Dauer der Studienzeit beisammen bleiben sollen. Bielsach Veranlassung zürn häufigen Wechseln der Jeschiboth giebt der alte mißverstandene Satz: מרבה ישיבות מרבה דעת. Hier wird aber durchaus nicht ancmpfohleu, in der kürzesten Zeit möglichst viele Jcschiboth zu besuchen. Der häufige Wechsel von Schule und Lehrer ist ohne Zweifel auch von unseren Weisen als ein stetes Verwischen und Ausnehmen von nebensächlichen Eindrücken betrachtet worden, worunter der geistige Fortschritt erheblich leiden muß. Diesem willkürlichen Kommen und Gehen der Bachnrim könnte dadurch vorgebengt werden, daß ein Termin bestimmt würde, vor dessen Ablauf man eine einmal gewählte Jeschiba nicht verlassen darf, und müßte sich ein jeder neu anfznnchmende Bachur legitimiren können, daß er diesen Termin an der Jeschiba, welcher er zuletzt angehörte, auch wirklich eingehakten hat. Höchst nnangenehm macht sich den strebsameren Talmudschülern an kleinern Landjeschiboth der Mangel an כפרים fühlbar. ES giebt nur wenig Jeschiboth, die eine kleine sachwissclischaftlichc Bibliothek ihren Schülern zur Be- Nutzung bieten können. Der ganze,-Büchervorrath mancher Stndirenden beschränkt sich auf eine Einzelausgabe jenes TalmndtraktatcS, welchen der רב zu seinen Borlesnngen gewühlt hat. In einer solchen wohlfeilen EinzclauSgäbe sind gewöhnlich nur die kürzeren und nothwendigsten Kommentatoren enthalten; die große Zahl der volnminösen und bedeutenderen unter den Letztem, ferner die Autoren der Nesponsenliteratur können nur in seltenen AnSnahinSfällen unmittelbar benutzt werden. Die Erledigung dieser wenigen Punkte bildet eine Kardinalbedingung, ohne!velche eine Reorganisation der ungarischen Jeschiboth nicht gedacht werden kann. In diesen wenigen Punkten haben wir jene Momente znsanlmcngefaßt, welche die Lage des BachurslandcS zu einer unhaltbaren gemacht haben und darum am dringendsten einer Äbhülfe bedürfen. Neben diesen harrt noch so ntanchcS Andere der rettenden Hand, welche bald erscheinen möge, wenn ihr Erscheinen über- Haupt noch von Nutzen sein soll! (Der;weile Theil dieser Alihcmdllmg, welche speziell das Nabbinerwesett;um Gegenstand hat, folgt im nächsten Jahrgange.)!Uiiö nicht!!!!es imtrr kr Sonnt MW! Bon S. B. Ncntra, im Dezember. ״Es ist nichts Neues unter der Sonne," hat bekanntlich Se.-Majestät König Salomon der Weise in die Wett hinauSznrnfen geruht, und ich hätte zu dieser allerhöchsten Ausrufung nichts weiter hinznznfügcn, wenn König Salomon nicht seine Sentenz mit einem Ansprnch ans Gültigkeit für alle Zeiten ohne Unterschieb anSgestattet hätte. So aber drängt sich mir die allerunterthänigste Gegenbemerkung ans die Lippen: Was geruht Ihnen bciznfnllen, Sire? — Nichts Neues sollte geschehen unter der Sonne? — DaS mag — mit Verlanb gesagt — in Ihren simplen Zeiten so gewesen sein, als Kultur und Zivilisation noch in den Wickelbändern lagen, aber heute — wo die Propheten der golbcucn Neuzeit eS verstehen, das elektrische Licht der Aufklärung durch sogenannte ״Lcscvercine" und andere Schleusen und Kanüle über die Welt zu verbreiten — mit einem Wort: seit in ׳Neutra ein (israelitischer) Lesevercin cxistirt, ich bitte unterthänigst um Dero allerhöchste Entschuldigung, ist es lange nicht wahr, daß nichts ׳Neues geschieht unter der Sonne! — Oder :־ wollen mir Ew. Majestät auch das noch ansdiSputiren, daß seit die Welt steht, sich je eine solche Absurdität zngctragen hat, wie dieser Tage in der Lokalität des hiesigen LesevcreinS? — Nein, diesen tyrannischen Zwang lasse ich mir ein für alle Mal nicht gefallen. — Ew. Majestät wollen ja nicht zu meinen geruhen, daß nur im despotischen Orient leben! — Wir befinden uns Gottlob in der ungarischen königlichen Stadt ׳Neutra — ich will sehen, wer mir das Recht fchnlälern will, ein unparteiisches Publikum zu meinen; Anwälte anzurnfcn! Also — höre, Welt, staune und — urthcilc! Dieser Tage kommt ein gewisser 1)1׳. (?) Mecr׳eiS oder Meer-aas (das Letztere scheint mir richtiger zu sein) in unsere Stadt hereingeschneit, der, nebenbei gesagt, ein Aaptistenprediger und aus einer MissionSreise begriffen ist. — Ha, ha, ha, mein Bürschchen, du bist aufm Holzwege und ich behalte doch Recht. Ich begreife nicht, was da noch nie DagewesencS dabei ist? Unterbrechungen werde ich mir unterthänigst anözubitten ertauben, Sire! — Also kaum haben es einige wcltansklärcndc Herren in Erfahrung gebracht, von welch' einem itlnstren Gaste das Pflaster unserer Stadt die Ehre hat, getreten zu werden, als auch schon der

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