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Jeschurun · 1883-12-13 · Heft 50 (13.12.1883) · p. 870

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 50 (13.12.1883)
Article
Der Abgeordnete Prof. Dr. Adolph Wagner
Date
1883-12-13
Page
870 (sequence 2)
Language
German
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870 stolz zu rühmen pflegt. In der Geschichte des neunf zehnten Jahrhunderts wird ba<? glänzende Di ewtu reu-; paar Stöcker-Wagner als leuchtender Stern wahrhafter; Bildung, Ansktärung, Weisheit und Wahrheit immerdar strahlen. Die Zeitgenossen oder zögern mit der; Bezcigung ihres Dankes und ihrer Verehrung nicht, und nach der Mittheilimg des Berliner ״Deutschen Tageblatts" zirknlirt bereits in Bnrgertreiscn der Haupt- und Residenzstadt Preußens eine Zustimmungs-Adresse an den Herrn Professor und Abgeordneten ״in Auerkcnnung seines niannhastcn Auftretens im Abgeordneten- Hause am 4. Dczcmbcr." Do findet die edle That schon hienieden ihren Lohn, und die Burgerkronc, deren Herr Stöcker sich kürzlich werth zu sein rühmte, ziert dcnmächst das Haupt des Mannes, der die Welt mit der Entdeckung am 4. Dezeniber beglückte: das Judent h u m sei ein F i n an z in st i t u t von großer Gemeinschädlichkeit für einen großen Thei! des deutschen Volks. Das Iudcnthum ein Finanziustitut — wie genial und originell! Die Welt hat bis jetzt in dem Verhängnis;- vollen Wahne gelebt, das Iudcnthum sei eine Religion, jetzt aber ist cs Vicht geworden und sie erfährt aus dem Munde eines hervorragenden Lehrers der Volkswirthschaft, cs sei ein Finanziustitut. Und worauf gründet sich diese epochemachende Entdeckung? Ans die sehr fragwürdigen Behaurltingen des Vereins für Sozial- Politik, daß im Poseuschen viele Grundbesitzer jüdischen Krügern nud Geschäftsmünuern verschuldet seien. Ist das nicht kühn und genial? Zugegeben, es sei also, es seien im Poseuschen vielfach Vandwirthe deutschen Geschäftsleuten, welche Bekenner des Iudenthums sind, oder, wie Herr Wagner nach einer späteren Interpretation seines Ausspruchs lieber will, preußische Deutsche, die ihren Ursprung von Abraham ableiten, verschuldet, und diese preußischen Deutsche mosaischen Bekenntnisses oder akrahamitischer Abstammung im Poseuschen hätten in der That sich in ihren geschäftlichcn Gebahrnngen Uebersehreitungen schuldig gemacht, welche eventuell uon dem Richter als Wucher geahndet werden könnten --- wo in aller Welt giebt es ein :)recht daraufhin die These aufznstellen: ״das Iudcnthum sei ein Finanzinsutut?" Welcher Schrei der Entrüstnng würde dtlrch alle Kreise der Protestanten nud Deutschen gehen, wenn etwa im ungarischen Reichstage ein Abgeordneter unb Professor der Nationalökonomie an der Universität zu Budapest von der Tribüne herab ״um seines lieben ungarischen Volkes willen" verkünden wollte: der Prorestantisntus ist ein Finanziustitut von großer Genteinschädlichkcit, das Deutschthunt ist ein Finanzinstit'nt von großer Gemeinschädlichkeit, und als Beweis für diese Behauptung ans die Thalsachc hinwiese, daß viele magyarische Landlentc evangelisch-deutschen Ungarn verschuldet wären und die Gläubiger unter dem Verdachte des Wuchers ständen; und auf den Einwurf, daß von M verurtheilten Wucherern nur 5 evangelische Deutsche kämen, trinntphirend ansricfe: das ist ja gerade mein Beweis, also!)0 Prozent aller Wucherer sind deutsche Protestanten, der Bevölkernngszisser nach dürften aber nur 7,2 Prozent auf Evangelische imb 12,3 Prozent ans Deutsche kontmen — also sind Protcslautismus und Deutschthiint Finanzinstitute von großer Geineiuschädlichkeit?! Im Namen des gesunden Menschenverstandes, der Moral, des Rechts unb der Wahrheit würden wir gegen eine solche Arguntcutirnng Protest einlcgen und jeder Ehrenmann würde sich demselben anschließen. Aus der ersten Halste nnsercö Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Kriedrich Aott. (Forlsevung.) (־lUe -Ucchlc Vorbehalten) ״Wäw schon der Mühe werth!" lachte die Kati, ״zu tvas sollt' der Btlb ein G'stndirter werden? ich möcht' ihnt die Schweine zu hüten geben, da war' er doch zu was nutz." Doch Ehrman itittersagte cs strengstens, sowohl ihr als auch dem kleinen David, gegen irgend Icntand davon zu reden. ״Weiß der Dcipel, wie der Bub' darauf gekommen ist, drunten im Schuppen Kerzen anzubrcnnen." ״Vorgestern hat er eine im Fenster angebraunt," siel David ein, ״aber die Mutterte ist dazu gekommen und hat's Fenster ausgemacht und die Kerzen 'rausgcschittisscn." ״ ״Recht hast gethan," sagte Ehrman, ihr znnickend, ״aber nun komm', lass' uns essen, utich verlangt nach den Fischen und nad) den Weihnachtsstriezeln." Uitd sie setzten sich an den festlich gedeckten Tisch und ließen sich die schitiackhaften Speisen trcsflich munden, tvährcnd draußen ans den kalten Fließen der mißhandelte Knabe ächzend sich wand. Doch endlich ermannte er sich und erhob sich vom Boden. Lauschend blieb er flehen, ans dem Zintiner erscholl heiteres Lachen. ״Gelt, so'n heiliger Abend ist gar schön?" hörte er die Stimme der Kati fragen. Vermuthlich hatte sic sich an den kleinen David gewandt, denn dieser etttgcgncte sofort. ״Aber die Mutter ist noch schöner." ״Jetzt stopft sie ihn! Marzipan in den Mund," flüsterte der Knabe draitßcn und wandte sich mit einer verächtlichen Geberde der Stiege zu. Leisen Schrittes schlich er die Stusen hinunter, und als er auch unten im Hausflur keinem begegnete,

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