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Jeschurun · 1883-12-06 · Heft 49 (6.12.1883) · p. 862

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 49 (6.12.1883)
Article
England : London [Nachricht]
Date
1883-12-06
Page
862 (sequence 2)
Language
German
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862 Eine außerordentliche Versammlung des Komitees ist ' soeben zur Untersuchung der Umstände abgehaltcn worden,! und dasjenige Komitccmitglied, welchem allein dasür vcrantwortlich war, hat deshalb sein Amt niedergelegtL' - — Der B is ch o f von Liverpool äußerte sich über! die Stöcker-Affaire folgendermaßen: ״Ich habe nicht! die geringste Sympathie mit der antisemitischen Bewegung, und ich vermag dieselbe nicht zu verstehen.! Mir erscheint sie als der schwärzeste Flecken im deutschen! Karaktcr. Ein Krenzzug gegen ein Volk, das geliebt! wird um des VaterS willen, und dem so viele Ver-! sprcchungcn gegeben wurden, ein solcher Krenzzug von; Bekcuncrn des EhrislenthumS geführt, ist mir ganz unverständlich." — In Betreff der Unruhen in Leicestcr bringt ״Iewish World" ein Schreiben des Vcrrti Israel H a rt von Ashleigh bei Lciecstcr, dahin gehend, daß dieselben sehr unbedeutender und keineswegs judeufeindlicher Art seien. In der Schuhwaarenbranchc seien überhaupt nur vier Juden gegen sechstausend Nichtjndcn beschäftigt, und zwei dieser Inden hielten zu den Nicht-Unionisicn. ES handelte sich also nur um einen Streit zwischen Unionisien und Ocid}tmuoniftcn. Das Vcrhältniß zwischen der jüdischen Gemeinde und den anderen Konfessionen sei andauernd ein völlig ungetrübtcS. — Eine Adresse wird von den bedeutendsten deutschen Handlungshäusern Londons an den Lordmayor vorbereitet, um ihm den Dank für sein Verhalten auszndrücken. Dieselbe soll bereits mehrere Hundert Unterschriften zählen, unter welchen sich fast keine jüdische; besindct. Die Juden halten sich absichtlich in dieser ' Sache zurück. Türkei. * Tst-Nttttrelien. In Ost-NumcUcn wohnciy wie der ״All. Israel. Urtiv." berichtet tvird, etwa -1000 Juden, die mit zu dem gebildetsten Theil der Bcvölkcrung zählen. In AidoS, wo eine kleine jüdische Gemcindc von 70 bis 80 Seelen besteht, wurden kürzlich auf der Straße gegen Juden aufreizende Schriften und Zeichnungen verkauft. Die Inden wandten sich an die Regierung, und diese ließ den Verkauf der Hetzschriften inhibiren. R ußland. * Dein Monatsberichte der ״All. Isr. Univ." entnehmen wir eine bemerkenswerthe Betrachtung des ״TempS" über die Bedeutung und Tragweite der Juden- Hetzen in Rtlßland. Der ״Tempo" schreibt: ״Der Nihilismus ist gebändigt, die Häupter desselben sind am Galgen gestorben oder nach Sibirien verbannt worden. Die Sectirer, die noch zurückgeblieben, sind nicht mehr so gefährlich, da sie dem gemäßigten Theil ihrer Partei angchörcn und durch friedliche Mittel die Zustände verbessern wollen, durch Propaganda, ohne verbrecherische Aufwiegelungen. Der Zahl nach sind diese platonischen Nihilisten bedeutender als die Tcrrorislen, aber sie bewirken nichts. Die Anarchie kommt jedoch dabei nicht zu. kurz; sic hat eilte andere Richtung gewählt, welche ihrem ZerstörungSbedürfuiß Genüge leistet ohne, große Gejahren mit sich zu bringen. Die Exzesse gegen die Israeliten sind im Grunde nur spezialisirtc Meutereien, ein gemeinsames und bei Hellem Tageslicht betriebenes Ränberwcscn. ES ist eigentlich auch Nihilismus, wenn mau cS von dem Begriff dcS Umsturzes betrachtet. Wie blind sind Diejcttigcn, welche j nicht ein sehen, daß die Gewaltthütigkeiten dcS Volkes,; welche durch die Unfähigkeit oder die Theilnamlosigleit; der Behörde gestützt werden, die Lehrzeit, die allmäligc j Vorbildung zum sozialen Umsturz sind. Wenn sich! bei den Juden nichts mehr zu erbeuten finden wird,; wird man die Altgläubigen vornehmen; sie sind fleißig, cnthallsailt, sparsam, es wird Alles dabei zu gewinnen sein; hernach kommen die deutschen Kolonisten daran, die Armenier, die Griechen, kurz alle Diejenigen, die sich in der Minderheit befinden unter einer VolkSmassc, die gierig und entschlossen ist, ihr Gut bei den Anderen zu holen. Die von Herrn Pobjedonoszcw, dem Dberproknreur des heiligen Synod. beeinfltlßtc ״Peterburgskija Wjedomosli" äußert sich über die Iudenfragc folgendermaßen: ״Die Iudenfragc ist von großer Bedeutung für Nußland, und wir sind am allerwenigsten geneigt, uns zu derselben unüberlegt und parteiisch zu verhalten. Wir hatten noch keine Zeit und keine Möglichkeit, uns darüber ausznsprechcn, aber wir können im Voraus garanliren, daß wir in dieser Frage eine Lösung und nicht einen Zusammenstoß suchen werden." Tolstoi soll ebenso denken — Was macht aber die ״Iudenkommission'?" Wird sic endlich wirklich zur That schreiten'?'? Amerika. K. New-I)ork, im November. Wenn ich Ihnen; von den hiesigen jüdischen Zuständen ein anschauliches . Bild entwerfen soll, so müßte ich erst so viele Jahre : hier geweilt haben, wie ich jetzt Monate zähle, seitdem ich : die Hcimath verlassen. Das ganze Leben gestalte! sich hier in anderen Bahnen als in Deutschland, und inS-; besondere sind die jüdischen Verhältnisse von den! Kchilla- Leben, an welches ich in meiner Vaterstadt gewöhnt; bin, buchstäblich כדחוק מזרה ממערב verschieden. Ich vermag Ihnen also nur den Eindruck ZN schildern, den , das jüdische New-sjork auf mich macht. Zunächst den! erfreulichen. Von dem NischuS, welcher des Juden

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