Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1883)
- Article
- Deutschland : Halberstadt [Nachricht]
- Date
- 1883-12-06
- Page
- 860 (sequence 2)
- Language
- German
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860 widrigen Bestrebung der Majorität sich nicht anzuschließen und ihren eigenen von gewissenhafter Ueberzcugnng vorgezcichnelen Weg zu wandeln? Hört man da nicht sofort den Nus: Störenfried, Scparatistler, Selbstüberhebung, ׳Auflehnung gegen die Autorität der (Gemeinde und des Rabbiners? Venn aber eine Minorität sich gegen einen gesetze^trcncn Borstand und Rabbiner auslehnt und Anstalten zu einer Separation trifft, dann ist das natürlich etwas ganz anderes, dann erfreut sich ein solches Streben der hohen Anerkennung derer, die sonst stets so tapfer gegen ״separatistische Umtriebe" zu Felde ziehen, dann ist leine Rede mehr von Geniciudeeinheit unb Gemcindesreiheit 1t. s. w. 311 unserer Gemeinde fanden sich einige Herren dadurch arg in ihren heiligsten Gesühlen verletzt, daß das Schlachtvieh in der letzten Zeit häufiger als sonst nngesnnd war, und demgemäß der Schächter oft in die Lage kam, solches für מרפדז zu erklären. Unser Rabbiner hat sich aber des schweren Vergehens schuldig gemacht, dem Schlachtvieh nicht zu verbieten, kraul zu sein, bc findet sich also in lomplotmäßiger Verbindung mit dem bösen Schächter. Und als Dritter im Bunde der schwarzen Verbrecher erscheint der Vorstand, welcher derartigen Vergehen nicht entgegentritt, sondern Schächter und Rabbiner ruhig znschant. Darob begreiflicher Weise gerechte Entrüstung. Man tritt zusammen, lonstitnirt einen Verein, dem man den sehr passenden Namen ״Tolerantia" beilegt, und geht in geschlossener Kolonne gegen Schächter, 'Rabbiner und Vorstand vor, verlangt, die Gemeindeverwaltung solle theilweise abdankcn, damit Platz werde für die frommen und mnthigen Streiter der Tolerantia und ist höchlich entrüstet, daß der Vorstand dieser gewiß gerechten und billigen Aufforderung nicht Folge leistet. — Darum — denn wie darf die Amtoritäl der Tolerantia mißachtet werden? — schreibt man die Stelle eines Vereins-Schächters und Ncligiouslehrers ans und schiebt mnthig die Schuld des gestörten Gemeindefriedens dem Vorstände zu, Alles ans Toleranz, denn inan nennt sich ja nicht umsonst Tolcraiuia, wegen der trefenen Ochsen. Da man aber wohlweislich erkennt, daß man unter diesem Schlachtrufe nicht viele Parteigenossen werben kann, so werden auch andere Schmerzensschreie laut: veraltete Gemeindesiatntcn, unzweckmäßige Stencrgebahrnng n. dergl. m. Das zieht. — Wir hoffen aber von dem verständigen Sinne der Gemeindcmitgliedcr, daß sic sich nicht von einer Partei in's Schlepptau nehmen lassen will, welche unter solchen Auspizien auf den Plan getreten ist. Die angeblichen Mißslände haben mit der ״Tolerantia" nichts zu thnn. Der Weg ist vorgeschrieben, auf welchem inOrdnnng nndFrieden diejenigenPnnkte, die cincrBcssernng bedürfen, einer Aendernng entgegengeführt werden können. Einem Vereine jedoch, welcher sich gegen Vorstand und Rabbinat auflchnt, weil diese einem unver" nünftigen Verlangen nicht nachgcbcn können und die Autorität des Neligionsgesetzcs zu wahren entschlossen sind, wird sicherlich nur ein kleiner Theil Hcercsfolgc leisten. A Frankfurt a. M, 28. November. Der Ban der neuen Klaus ans der Ostendstraße schreitet eben rüstig fort. Die Klaus, eine Stiftung der Familie Wertheimber, war ehedem ans der Jndcngasse, wurde aber im vergangenen Jahre geschlossen, da die Stadt die Jndcngasse einreißcn läßt. Ein Glied der oben genannten Familie, Herr Zacharias W. Wertheimber, ז׳ל hat dieser Stiftung jüngst in seiner lctztwilligcn Versügnng mit einer namhaften Summe bedacht, man sagt 120 000 of(1, und hatte selbst die Absicht, einst in die Klaus cinznziehen, ivas ihm leider nicht vergönnt war. Es sollte auch nach den Intentionen des Verstorbenen ein ביית הנזדרש darin eingerichtet werden. Möge recht viel Segensreiches ans all den Stiftungen erblühen, die des Dahingeschicdcnen Wohlthätigkeit bedacht, und seines Namens stets dankbar dabei gedacht werden. * Strastbnra, M. November. Das Ministerium für Elsaß-Lothringen macht bekannt, daß die mit der Strafanstalt für Weiber in Hagenau verbundene Erziehnngs- und Besserungs-Anstalt für Mädchen zu bcstehen anfgehört hat, und daß an ihre Stelle für katholische Mädchen von der Genossenschaft der Schwestern vom heiligen Kreuz zu Ncuhof bei Straßburg, und sür protestantische Mädchen von der Diakonissenanstalt zu Straßbnrg je eine unter staatlicher Oberaufsicht stehende Erziehnngs- und Besserungsanstalt eröffnet worden ist. Ueber die Unterbringung der einer Erziehnngs- oder Besserungsanstalt überwiesenen israelitischen Mädchen wird in jedem einzelnen Falle von dem Ministerium Bestimmung getroffen werden. Zu unserer Freude und unserem Stolze, bemerkt der ״Sprechsaal", dem wir diese Notiz entnehmen, können wir konstatiren, daß bis heute im Neichslandc der Fall noch nicht vorgctommcn ist, ein israelitisches Mädchen in eine Besserungsanstalt bringen zu müssen. Mögen unsere Glaubensgenossen auch fernerhin ihren Kindern eine solche religiöse sittlichc und humane Erziehung geben, daß die Straf- und Besserungs-Anstalten auch künftighin von den Kindern Israels verschont bleiben, und daß das Ministcrinm nie und nimmer es nöthig hat, in dieser traurigen Beziehung Bestimmungen treffen zu müssen. ilsha. Wurzbnrg, 4. Dezember. Ich beeile mich. Ihnen das Dicfnftat der gestrigen Gemcindevcrsammlnng mitznthcilcn, welche über die Frage der Ausschcidnng des städtischen Nabbinats ans dem bisherigen Distrikts׳-Nabbinate zu bcrathcn hatte. Eine Beschlußfassnng hierüber stand der Versammlung nicht zu, weil