Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1883)
- Article
- England : London [Nachricht]
- Date
- 1883-11-29
- Page
- 846 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2932754-2932996-2933044--14187-2955045- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
846 vielleicht die Thatsache, daß er die christliche Religion? bekennt, nicht als eine genügende Begründung der Misse-! that anschen, und doch ist;11 häufig solcher Art das j Resultat der durch Herrn Stöcker und seiner Freunde : beförderten Bewegung. Die Inden bcsindcn sich hier j glücklicherweise in keiner (Gefahr, wenn aufreizende Reden gegen sic gehaltert werden. Herr Stöcker beschuldigt sie deS Mangels an Patriotismus. Wenn sie in England einen Fehler haben, jo ist cS die Neigung, sich ein Monopol dieser Tugend anzumaßen." — Der 310<)״bc׳׳ sagt: ״Es ist schade, daß die früheren Bersammlungcn Herrn Stöcker nicht gestattet haben, zu reden. Zweifellos fürchteten sie. daß er Jemanden bekehren werde. Rach einem sorgfältigen Stubmm des unsinnigen Geschwätzes (lilutnnt. non^en^v), ivelches inan ihm endlich von sich zu geben gestattet hat. sind wir zu dem Schlüsse gekommen, daß nicht dir geringste Gefahr vorhanden ist, er könnte in diesem Lande einen einzigen Menschen bekehren. cS sei denn, daß die ״Autoritäten" ihm gestatten, in ״Hauwell" (3rx־ennnftnlt), statt in der Gnildhall Borträge zu halten. Dort mag er sympathische Zuhörer finden." — Dir 2״t. James Gazette" macht daraus aufmerksam, daß Herr Stöcker nur die Kleinigteil vergessen habe, auch nur einen einzigen Beweis dafür anznführen, daß die Juden besondere politische Gelüste hegten und eine eigene Moral besäßen. Wenn übrigens die aus Leiecster gemeldeten Aufreizungen gegen die Juden Herrn 2nufer‘0 Erfolg in England bezeichnen, so beneiden wir ihn um einen solchen nicht. Es sollen daselbst die in den dortigen, sehr namhaften Schuhwaarcnfabriken beschäftigten Arbeiter näntlich die Arbeit eingestellt haben und verlangen, daß keine Juden zur Arbeit;!!gelassen werden sollen. Als Ursache geben sie die Herabdrückung der Arbeitspreije an, die immer ciutrete. wenn sich Juden ansiedeln. Einige Fälle gelvaltsamer Einschüchterung sind bereits vorgekommen, und die llnionisien patronilliren die Stadt, nur die Juden von der Arbeit abzu halten. Man ist über dieses Gebühren der Arbeiter sehr entrüstet und dies um so mehr, als einige der namhastercn Arbeitgeber Inden sind, deren einer im Stadtrathe eine hervorragende Stellung bekleidet. S ch w c i z. Sin* der Schweiz. Die amtlichen Ermittelungen in der Angelegenheit des St. Gatter Krawall (siehe Oh*. 21 d. Zlg.) haben ergeben, daß der geplünderte .Kaufmann B a m b e rg e r sein Geschäft in solidester und geordnetester Weise geführt hat. Die vorgeschütztc Behauptung, derselbe habe die Knuden ansgebeutct und sich schwindelhafter und wucherischer Manipulationen bedient, hat sich als völlig auS der Lust gcgrisscn erwiesen. Bambergcr hat int Gegcnthcil zu billigeren Preisen bessere Waarc geliefert, als seine Konkurrenz und gar keine Wuchergeschäfte geinacht. Bei dein Aufruhr sind ihm Waaren int Wert he von über ח0ח;ו Frank geraubt worden. Rußland. * Petc׳rckbuv;z, 18. November. Man zählt hier, nach der statistischen Ausnahme des Jahres 1881, lti82<> Juden unter Stil :-i« *3 Einwohnern. — Eine von dem ״Echo" in Warschau gebrachte Notiz!nacht äugenblick!ich die Runde durch alle Zeitungen. Dieses Blatt erinnert daran, daß nach dem UkaS vom 21. Dezember 184S jeder Jude, der eine Ierinolka (Käppchen) trügt, eine jährliche Steuer von 5 Rubeln zu entrichten habe. Diese Abgabe sei seit dreißig Jahren nicht erhoben worden. Das ״Echo" berechnet die Einnahme, welche dadurch!kt annum der Staatskasse zufließcn würde, auf 1 ר Millionen Rubel; der Fiskus habe also durch die Richlerhebnng r>25 Millionen Rubel Schaden gehabt. Sb diese Rechnung auf richtigen Faktoren beruht, dürfte freilich sehr in Frage zu ziehen sein. Rumänien. * Bukarest, 18. November. Dem in sogenannter jüdisch-deutscher Mnudarl geschriebenen und in hebräischeu Keilern gedruckten ״Hajoez" entnehmen wir wärtlieh das Folgende: ״Bor einigen Tagen haben mehrere Depulirte in der Kammer ein Projekt vorgelegt, die Kamnter solle ein Gesetz heranSgebcn gegen die Trunksucht. Hat ein guter Freund die Bemerkung gemacht, ״das ist das einzige Gesetz, waS nicht gegen Juden gerichtet ist." Und wirklich, derselbe hat vollkommen recht. Warum? Wem! man den Juden gegen den Nttmäncn in Bezug von Trunkenheit betrachtet, kann jeder leicht den weiten Unterschied herausschen; da der Jude sogar der niedrigsten Klasse viel edler im Karakler durch seine Erziehung als der Rumäne ist. Der Jude besitzt auch viele Leidenschaften als Mensch, wie jeder Andere; cS giebt auch unter Juden Trunkenbolde; aber dennoch, sogar bei seiner Trunkenheit sicht man einen weilen Unterschied zwischen Juden und Rumänen. Der הנם hat gesagt: בשלשת דברים האדם נינו־ ננעסו ננינו נכונו und in unserem gewöhnlichen Leben sagt man: was beim Nüchternen auf der Lung, ist beim Schickor auf der Zung. Darum, -wenn der Rumäne sich betrinkt, hört mau ihn Liebeslieder singen, darunter solche mit burlesken Ausdrücken. WaS singt aber der Jude wenn er sich betrunken hat'? DcS Uincner EbasanS "יעלה" oder dcS Brekiwcr Rabbiners "הננדיל" nnd dergleichen; aber niemals wird man finden, daß Juden schon in aller Frühe in Krctschmcn