Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1883)
- Article
- Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
- Date
- 1883-11-29
- Page
- 845 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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845 in der Wahrnehmung seiner amtlichen Wirksamkeit im Tisza-Eszlarer Prozeß zu hindern, eingelcitct werden kann. Bekanntlich hat Herr Onody den Staatsanwalt mit Schimpsworten, Fluchen und geschwungenem Stocke verfolgt. — Auch über die Aushebung der Immunität des Abgeordneten Verhovay wird das Abgeordneten- Haus demnächst zu beschließen haben. Gegen denselben soll eine Untersuchung wegen Unterschlagung cingeleitct werden. ** Pest, 25. November Die Verhandlungen über die Noth-Zivil-Ehe gestalteten sich zu einer Debatte über die Judenfrage überhaupt. Onody. Jstoezy, Simonhi und Szalay ließen es sich nicht nehmen, ihrem Hasse gegen die Juden freien Lanf zu geben, fanden aber von Seiten des Ministerpräsident.!! v o n Tis za sowohl wie von anderen Rednern die gebührende Zurückweisung. Onodh nennt den Ausgang des bcrühmten Prozesses in Nyiregyhaza einen ungerechten. Jstoczy's Rede enthält aber das non plus ultra aller jemals von der Parlamentstribüne geübten Schmähungen und Verläumduugcu. Er bezeichnet die Juden als gewissenlose Hetzer, deren das Volk beraubende und demoralisireude Politik an den Unruhen die Schuld trage. Die fortwährend tausendfach von ihnen geübten Mißbrauche, Umtriebe, Räubereien und Gcwaltthaten müssen die Wuth der Christen gegen sic entfesseln. Die Juden gefährden die Sicherheit der Person und des Cigenthums im Vereine mit ihren bezahlten Helferohelfern, den Judeufreundcn. Falsche Cide und Bestechung Seitens der Juden untergraben die Sicherheit der Gesellschaft. Selbst das Leben der Christen sei vor ihnen nicht sicher; abgesehen von den fortwährenden thätlichen Angriffen der Inden gegen das Leben der Christen!, könnten christliche Cltern niemals davor sicher sein, daß ihr plötzlich verschwindendes Kind den religiöscn Orgien der gleich Kannibalen unersättlichen fanatischen Juden zun! Opfer wird. Trotz aller freisprechenden Urtheile sei doch Jedermann fest überzeugt, daß das Mädchen Solymosi in der Cszlarer Synagoge geendet. Die Neligions- und Morallehrc der Juden lehre und dnlde Mord und Raub der Nichtjnden, und darum sei cs ganz natürlich, wenn nun auch das Volk zun! Beil greise. Zwischen Juden und Christen gebe es keine Bereinigung. Crslere halten die Christen für schlechter als ein Thier, Letztere die Inden für vcrabscheuungswürdige Geschöpfe. — Schrecklicheres ist wohl noch nie gegen Menschen vorgcbracht worden; man schaudert entsetzt vor einer Gesinnung zurück, die sich nicht scheut, solches öffentlich ansznsprechcn und dadurch sich selbst zu brandmarken. England. §§ London, 23. November. Herr Stöcker hat vor einem kleinen Kreise anser!vähltcr Getreuen, nian sagt von etwa vierzig Personen, die aas Berlin mitgcbrachtc jndenfcindlichc Rede vom Stapel gelassen. Es wurde ihm allerdings auch in diesem Kreise der freundliche Zuruf .,Unsinn" zu Thcil, als er bcthcnerte, daß er um der Religion und des Patriotismus willen die Inden bekämpfen müsse und darin nicht ermüden werde. Der Nufer war kein Jude, wie von Herrn Stöcker konstatirt wurde. Es ist nicht ohne Interesse, die Sliininen einiger Zeitungen über das antisemitische Treiben in Deutschland zu registrircn. — Die ״Pall- Mall-Gazctte" schreibt: Stöcker behauptet: l) daß die Inden Radikale sind, 2) daß sie sich der deutschen Presse bemächtigt haben und dieselbe mißbrauchen und 3) daß sie die Urheber der Finanzkrisen der letzten Jahre und namentlich des großen ״Krachs" von 1873 mit allen dessen fürchterlichen Folgen sind. Das erste Vergehen, sagt das radikale Organ, erscheint uns nicht so gräßlich, als es manchen Leuten erscheinen dürfte. Das Ansichrcißen der Presse ist augenscheinlich ein Hebet, gegen welches deutsche Christen, insbesondere deutsche konservative Christen das Hnlfsmittel in ihren eigenen Händen haben. Was die finanziellen Sünden der Inden betrisst, so ist cs in der That wahr, daß in jüdischen Kreisen stark speknlirt!vird. Aber wenn Herr Stöcker die Inden allein für die ״Schwindelperiodc" verantwörtlich zu!nachen sucht, so ist es offenbar unbillig. Es würde nicht schwierig sein, viele unzweifelhaft christliche und hocharistokratische )!amen in's Gedächtniß zu rufen, welche mit den Schwindelgeschäften dieser famosen Epoche vermischt waren und der letzte Finanzkrach in Frankreich war nicht so sehr den jüdis.hen Spekulanten als den! altkatholischen Adel znznschrciben. — Die ״Daily News" bemerkt: ״Jeder vernünftige Engländer wird die einfältigen und feindseligen Tiradcn. welchen 30—40 Gentlcmcn znhörten, verachten. . .. Der amusantestc Theil der Rede des Herrn Stöcker's. welche reich an unbewußtem Humor war, betraf den Unterschied, welchen er zwischen sich und der antisemitischen Partei!nachte. Diese bigotte Fraktion ist nach ihm (Ltöckcr) von einen! bedauerlichen Hasse gegen die jüdische Nasse beseelt und will eine Bekehrung zun! Christenlhnme nicht als Entschuldigung dafür gelten lassen, als Jude geboren zu sein. Herr Stöcker ist bereit, mit großinüthiger Liebe, auf welche er nicht wenig stolz zu sein scheint, Jeden zu dulden, welcher in religiösen Ansichten nicht von ihm abweicht. ״Wenn ein Jude bekehrt ist." sagt er, ״bin ich nicht mehr gegen ihn." ׳Nachdem er diesen auffälligen Tribut den! Prinzip der Religionsfreiheit geleistet, fühlt Herr Stöcker sich natürlich berechtigt, die Inden der Intoleranz zn beschuldigen. Wenn Herrn Stöcker's HanS über ihm eingerissen und er selbst entkleidet und geschlagen würde, möchte er