Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1883)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1883-11-29
- Page
- 842 (sequence 2)
- Language
- German
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842 wir nun auch allerdings der festen Ueberzeugung sind, daß dieser Forderung nur dann entsprochen werden kann, wenn diejenigen Männer, welche heute das ossiziellc ״Gcmcindcrabbinat" bilden, durch andere auf dem Boden des gesctzeStreuen Judenthums in Theorie und Praxis stehende gesetzeskundige Männer ersetzt werden, und wenn die in Synagoge und sonstige Institutionen cingeführte, gegen das ReligionSgesctz verstoßende Ordnnng beseitigt wird n. s. w., und wir sehr in Zweifel ziehen, ob Diejenigen, welche jene. Forderung erheben, auch diese K o n s e q u cnze n anö derselben zu ziehen gewillt sind, so ändert dieses an dem vorhin Erwähnten nicht das Mindeste. Wir hegen den innigen Wunsch, das die ״Adaih-Jsrael" sich nicht beirren lasse durch die veränderte Strömung, welche sich Bahn zu brechen anschickt. Fest und beharrlich verfolge sie ihren Weg — wenn wir nmkchren wollen, so müssen wir ganz zurückkehren zu den! Heiligthume unseres Gesetzes in Wahrheit und Aufrichtigkeit. שובה ישראל עד ה' אלקיך. Auf halbem Wege gl'ebt es keine wahrhafte Rückkehr, wenn die Genieindc Israels zmn Rechten znrückkchren will, so nniß sic ganz zu Gott und seinem Gesetze zurückkehren. -a- Berlin, 26. November. Bauet Triumphbogen, löset Salutschüsse, ihr Antiseniiten, ein Tag der Freude ist gekommen, Freude soll jedes Auge verklären, Denn — Herr Stöcker ziehet ein. Er ist endlich wiedergekotnmen, der edelste Nenner auf eurer Bahn, dem unbestritten und ״merkwürdigerweise" am meisten von seinen Gegnern die antisemitische Sieges- Palme zugesprochen wird. Und mit Recht! Ja, freue dich, Berlin, da du ihn wieder hast — du, London, da du ihn gesehen. Drum halte ihn fest, Berlin, deine Zier und deinen Stolz, laß ihn nimmer von dannen, genieße die Früchte seines segensreichen Wirkens — für dich. Zwar mit ״blutendem, trauerndem" Herzen sah ihn die Thcmscstadt wieder der Spree- (Genossin die Schritte zulcnkeu. um dort auSzirruhcn von den Strapazen der Arbeit, die ״so viel" geleistet. Ganz London begleitete ihn mit den heißesten Wünschen — daß er nimmer wiederkommcn möge; cS wollte ja der deutschen Kollegin den kostbarsten Schatz nicht rauben. — Und Herr Stöcker — was sagt er dazu? — Doch ich will nicht vorgreifeu. — Also — er lebe hoch! — rief Herrn Stöcker'S Schatten und Namens- Vetter Adolf Wagner — und alle 5—6000 Anwesende der letzten christlichsozialeu Parteiversammlung in der Bockbierbraucrci schrieen mit. Und warum? ״Weil Herr Stöcker den unwürdigen Angriffen in London ... die nicht von Seiten des englischen Volkes, sondern nur auf Veranlassung jüdischer Umtriebe gegen ihn verübt worden.cntgegentrat, gegen ihn, auf den stolz zu sein wir vollen Grund haben wegen seines freudigen und schneidigen Auftretens in Deutschland und England." — Also — er lebe hoch! — doch ich glaube, ich habe diese drei inhaltsschweren Worte schon oben erwähnt — nun — thnt nichts, sie können ihm ja nicht schaden. — Ja, Herr Stöcker war freudig ansgetreten, ntußte aber bald wieder schneidig abtreten. — Doch hören wir ihn selbst. — Da redet er mm zunächst dieses und jenes über seine Londoner AntüseiuentS, und auch von der Unbescheidenheit der Juden. Das wäre nun ganz schön gesagt — wenn wir nicht von Herrn Stöcker selbst sagen müßten: Bescheidenheit ist ein Zier, Doch weiter kommt man — ohne ihr. Sic glauben eS nicht? — Nun, wie nennen Sie das, wenn man, wie Eieero sagt: ich will nicht davon reden, daß ..., nicht davon, daß . . ., sondern davon, daß .. . Stöcker sagt: ich verdiene nicht den Lorberkranz, denn ich strebe nicht nach Ehren re., aber vielleicht märe ich einer Bürgerkrone nicht u n wenh. Ist daS bescheiden? — Sapienti sat! — Nun kommt er direkt auf die Londoner Erlebnisse. — Da ist zunächst, wie er sagt, der Lordmayor ein wohl- und chrisilich-gesinnter Mann, der nur jüdische n Täuschtrngeuuachgegeben habe. Ferner haben die Juden nicht nur selbst au dem ״Skandal" thcilgenomntcn, sondern denselben hauptsächlich verursacht. — Wir erwidern Herrn Stöcker einfach: da'S istnicht wahr! Die Freunde des Herrn Stöcker rühmen seine Unerschrockenheit, wir rühmen an ihn! eine Eigenschaft, welche das Maß der Kühnheit noch überschreitet. Er sagt: ״Mir ist meine Behauptung, daß der Lordmayor jüdischen Täuschungen nachgegeben habe, noch nicht widerlegt." — Jawohl Herr Stöcker, widerlegt durch logische Beweise ist sie nicht, denn das kann Niemand, aber den Behauptungen widersprechen die. Thatsachcu. — Nun redet Herr Stöcker lang und breit über den Gang der Ereignisse. — Er sucht seine Niederlage zu vertuschen, spricht von der Begeisterung, mit der er empfangen, und daß er freiwillig wegen der beleidigenden Aenßerungcn eines Sozialdemokraten über den deutschen Kaiser sich entfcrnt. Bei dem Vortrage über den ״christlichen SozialisnluS" in Memorial Hall habe er sich ruhig zurückgezogen bei dem furchtbaren Lärm, bei der Unmöglichkeit zu reden. — Wir Hütten die Ruhe sehen mögen! — Er brüstet sich sodann über die gloriose That bei der Erwähnung, wie er sich einigen Herren in London gegenüber, die Jndcnfrage betreffend, geäußert habe: Die Engländer sähen jetzt, wie die Juden sich auch in London breit machten, Alle beeinflußten. — Wir fragen Herrn Stöcker, ob auch der Bischof von Liverpool von den Juden beherrscht werde. Wahrscheinlich wird er mit jüdischem Gelde besoldet. Ob ihm wohl irgend ein reicher englischer Semite ein paar