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Jeschurun · 1883-11-29 · Heft 48 (29.11.1883) · p. 841

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 48 (29.11.1883)
Article
Israeliten Württembergs!
Date
1883-11-29
Page
841 (sequence 1)
Language
German
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J& 48. Jeschnrun. 841 Israeliten Württembergs! Fünfzig Jahre schon schmachtet Ihr unter einem Gesetze, das, von der gnädigen Negierung Eures Landes in wohlmeinendster Absicht zur Regelung Eures rcligiösen Lebens gegeben, gleichwohl Euch die freie, nngehinderte und ungeschinälerte Belhätiguug Eurer Neligivnsvorschristen gänzlich benimmt, indem die oberste Leitung Eurer religiösen Angelegenheiten in die Hände? von Männern gelegt ist, die fast sümmtlich dein alten, unversälschten Jndcnthum, das allein durch Jahrtausende hindurch im wüthendstcn Sturme aller Zeiten und Angesichts der weitgehendsten geschichtlichen Um- Wälzungen, denen selbst die mächtigsten und gefnrchtetsten Völker nicht Trotz zu bieten vermochten, Israels Existenz zu bewahren und zu behaupten wußte und es vor Vcrfall rettete, entfremdet sind. — Fünfzig Jahre laug habt Ihr Euren Nacken einem Joche gebeugt, das Euch den geraden, offenen Blick nach Oben, nach der einzigen und ewigen Wahrheit, versagte nuo Widerstandslos Eure heiligsten Interessen zu Boden drückte. Fünfzig Jahre lang habt Ihr es gleichgültig geschehen lassen, daß man Euch mit jeder Stunde mehr und mehr der Religion Eurer Väter entfremdete, so daß jetzt vor Euren eigenen Augen in Euren Kindern eine Generation ersteht, die einst lächelnd fragen wird: was ist Judenthnm? Darum aus! Ihr Glaubensgenossen in Württcmberg! auf! die Ihr ׳noch jüdisch denkt und jüdisch fühlt. Aus! erhebet Euch mit Mannesmuth und werft die Fesseln ab. die Jahr und Jahre lang in Euer Fleisch und Blut cingeschnitten. Erntaunt Etich und wirket zusantmen in Einigkeit, Euch die religiöse Freiheit zu erringen, deren sich längst das ganze übrige Deutsch-!and erfreut, und welchc die hohe Negierung uns wiederzngeben gern bereit sein wird, wenn hochderselben die Angelegenheit richtig dargestellt wird. עה לעשות ל״ה הפרו ־ תורותיך. ..Die Zeit ist gekommen, wo cs gilt, für Gott zu wirken, weil man feilte Gesetze zerstören will." Jeder einzelne Württembergs, der die Ucberzengung erlangt hat, daß die jetzt noch zu Recht bestehenden Gesetze für die Inden in Württemberg diese in ihren heiligsten Interessen herninen, wird hierdurch gebeten, seine Adresse als Zeichen seiner Mitwirkung der Redaktion dieses Blattes mitzutheilen. und cs wird dann in ׳kürzester Zeit weitere Mittheilung folgen. Obigem Aufrufe, welchen wir von geachteter Seite empfangen, wünschen nur den durchschlagendsten Erfolg. Es ist wahrlich Zeit, daß die Illden Württembergs zu einer mannhaften That endlich cinmüthig sich ansraffen. _ Korrchliildcltzcll und Nachrichteit. D e u 1 s ch l a u d. ZZ Berlin, 23. November. Ob es in der hiesigen jüdischen Gemeinde besser werden wird, vb auch in der mächtigen deutschen Neichshanptstadt mit seiner fast 00 000 Seelen zählenden jüdischen Bevölkerung die Krone der Glaubcnstrcue nicht nur, sondern auch der Gesetzcstrcnc, der unwandelbaren opferbereiten Treue gegen Gott und sein Gesetz wiederum den erblichenen Glanz empfangen wird —?? Gottlob, daß ein kleiner Kreis sich gefunden hat, der schon seit einer Reihe von Jahren still und bescheiden, aber rüstig und ziclbewußt an dem Wiederaufbau des seinem Einsturz nahen Heiligthnmö arbeitet. Die ״Adath-Israel" ist dieses עשיריה, dieser kleine Vrnchtheil, der in der alten, ehrwürdigen Gemeinde Berlin sich zuerst wieder um das Banner des alten, ehrwürdigen Indenthtuns gcschaart und ihm den alten Fahneneid in erneuter Begeisterung und jngcndsrischent Muthe geleistet, sich gelobend, zn dem väterliehen Heiligthnme zu stehen in nimmer wankender Treue, für cs einzutreten mit Gut und Blut und ihm ihre Kinder zu weihen. Gottlob, daß es dieser kleinen Schaar nicht an dem rechten Lehrer und Leiter fehlt, daß sic in Herrn Rabbiner I)!׳. Hildesheimer einen treuen, aufopsernngsfähigen, uneigennützigen, von heiliger Begeisterung erfüllten Führer gesunden. — Unscheinbar war der Anfang dieses Häufleins, und unbekannt und ohne äußere Stellung war der Mann, der die erste Anregung zu dieser ״Adath Israel", $11 dieser echten jüdischen Bereinigung, gegeben. Und dennoch ist cs gelungcn, dennoch sind die ersten Steine für den Wiederausban des Heiligthnms gelegt. Gotteshaus und Schule, Mikwe und Schechita sind in geeigneter Weise geschossen, und dem Studium des Gesetzes ist wiederum in Berlin eine Stätte gegründet, von welcher aus bereits eine stattliche. Anzahl wackerer Rabbiner den Gemeinden Deutschlands zngesührt worden. Und so ist aus die Eingangs aufgeworfene Frage die hossnungsreichc Autwort zu enhcilcn: והיה ראשיתך מצער ואחריתך ׳ישתה מאד. Warum heute diese Betrachtung? Weil $11 den bevorstehenden Nepräsentantenwahlen der hiesigen Gemciude sich eine Strömung vorbereitet hat, welche Zcngniß davon ablegt, daß die ״Adath-Israel" nicht umsonst gewirkt auch für weitere Kreise; daß die Achtung und die Bedeutung des sogenannten ״orthodoxenPrinzips", wie cs dort zur Geltung gekommen, mich an anderer Stelle gewürdigt wird. Es hat sich ein Komitee gebildet, welches u. A. die Forderung erhebt, ״daß die Anstalten der jüdischen Gemeinde so verwaltet Weeden, daß Angehörige jeder religiösen Richtung ohne Gewissenszwang davon Gebrauch machen können." Wenn

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