Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1883)
- Article
- Österreich-Ungarn : Großwardein [Nachricht]
- Date
- 1883-11-22
- Page
- 829 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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829 dieser Tage der aus jener Äffairc bekannte Vcrtheidiacr! Di׳. Reumann mit dem Gutsbesitzer Kall a y einen ׳ Spaziergang machte, begegnete ihnen der Ex-SicherhcitS-! Kommissar, der in der ESzlarer Voruntersuchung zur ״Sicherheit" der Betreffenden die bekannten Mißhand- ' lnngcn verübt hatte, Georg Vay. Dieser trat auf Kallah zu und fragte ihn, wie denn feine Ehre ihm gestatte, sich mit einem Menschen von Heumanu'S Be-׳ schaffcnhcit öffentlich zu zeigen. — Hcumann hatte ja die ״Ehrlosigkeit" begangen, unschuldig Angeklagte zn vcrtheidigen. — Da nun Herr Dr. Heu mann jene Redensart als gerade nicht schmeichelhaft für sich aufnahm, forderte er den Vay. Weiteres ist bis jetzt noch nicht bekannt geworden. * Lemberg, 17. November. Wie die ״Wiener Allgcm. Ztg." meldet, haben die Vorstände der autonomen jüdischen Gemeinden zu PodwoloczySka, Trcmbowla, Grzymalow, Kophezynee, Mikulinee, Ehorostkow, Jezierzany, BorSzczow und Tonste sich veranlaßt gesehen, eine Adresse an den Minister-Präsidenten Grafen Taaffe zu beschließen, in deren Eingänge gesagt wird: ״In der gegenwärtigen, für uuS Juden so stürmisch bewegten Zeit, wo eS in vielen europäischen Ländern an Bemühnngen nicht fehlt, durch allerlei Verdächtigungen und Verleumdungen unS in den Augen der christlichen Welt herabzusetzen, unsern Patriotismus, unsere Loyalität zn verdächtigen und unsere staatsbürgerliche Stellung zu untergraben, wo in der anderen NeichShälfte diese Bemühungen sogar zu blutigen Exzessen, zu fürchterlichen Gräuelthatcn geführt haben, blickt der österreichische Jude mit hoher Befriedigung auf den in Oesterreich herrschenden religiösen Frieden, auf die in unserem Lande durch keinen Mißton gestörte Harmonie der Konfessionen." Die Adressanten glauben, diese erfreuliche Thatsache dem Wirken des Kabinets Taaffe zuschreibcn zn sollen, welches den Antisemitismus in Oesterreich im Keime unterdrückt habe. Sie begeben sich dann auf daS politische Gebiet und sprechen il)r Bedauern darüber aus, ״daß eine große Anzahl von Glaubens׳ genossen in Niederöstcrrcich, Böhmen und Mähren an der Spitze der Opposition gegen das Ministerium marschiere." Sic finden, daß dieses Verhalten den Interessen des JudcnthnmS znwiderlanfe, ״denn wo ein Nassenkampf entbrennt, ist es bekanntlich ein Jude, der am schlechtesten davonkommt, er ist daher wie kein anderer verpflichtet, für die Versöhnung der Nationalitäten und Nassen mit allen Kräften cinzustehen". Die Vorstünde der bezeichneten Gemeinden finden sich daher veranlaßt, ״gegen oben besagtes Verhalten eines TheilcS der österreichischen Juden öffentlich ihr Veto ciuznlcgen" und dem Grafen Taaffe ihr Vertrauen zu votircn. Man wird nicht mit Unrecht finden, bemerkt die ״W. Allg. Ztg.", baß in dieser Adresse Dinge mit einander vermengt sind, die eigentlich nichts mit einander zu thun haben, aber als ein karakteristisches Sympton für die in weiteren jüdischen Kreisen herrschenden Anschauungen dürste diese Adresse der Beachtung werth sein. Sic bildet unter Anderem auch ein Zeugnis; für die guten Dienste, welche Herr v. Schönerer und die Vertreter einer jeden extrem nationalen Politik überhaupt beut Kabinct Taaffe leisten. G. Pres;bürg, 12. November. ES dürfte wohl nicht allgemein bekannt sein, daß die hiesige orthodoxisraelitische Kultusgemeinde schon lang hergebrachten; Gebrauche gemäß, am St. MartinStagc (1 l. November) für die Kgl. Tafel einige nach jüdischem NituS hergerichtete Gänse durch eine ׳^Deputation überreichen läßt. — Auch Heuer wurde dieser Dcputatioil, bestehend auS den Herren Wolf, G e st c t n e r ltnb H. P appcuhcim, nachden! an; Sonntag, den 11. d. MtS die Uebcrgabe der Gänse stattfand, am Montage die hohe Ehre zu Theil, von Sr. Majestät in Privataudicnz huldreichst einpfangen zu werden. — Die Gepflogenheit der Ueberrcichuug der Martinigäusc an den König ist eine alte, und cs läßt sich der Ursprung derselben auch nicht genau fcststellen. — Nach einer Version hätte Kaiser Karl VI. einmal den Martiustag in Preßburg verbracht, lind als die Hofleute keine GanS für ihn ansbringen konnten, hätte die jüdische Genleinde einige schöne, gemästete Gänse für die allerhöchste Tafel beige-׳ stellt, woher daS Privilegium datiren soll. — Nach Andern ist diese Gepslogellheit llvch älteren Datums, während wieder Andere dieselbe mit Franzi!., in Berührnng bringen, dem 1805, während seines Aiifent- Haltes in Preßburg, eine gebratene Gans, die er in einer Auslage erblickte, so gut gefallen, daß er sie sich serviren ließ, und als sie ihm mundete. der Gemcinde beit ehrenden Auftrag erthcilte, alljährlich die Martinigäusc für die Köuigl. Tafel zu liefern. — Seit der Spaltung der Prcßburger jüdischen Gemeinde in eine neologe und eine orthodoxe, genießt aus Grund eines allerhöchsten Erlasses die letztere das Privilegium. *II* Pest, 18. November. Der SicherheitStommissär Vay, aus dem Eszlarer Prozeß bekannt, ist im September von den! Gerichtshöfe in Nyiregyhaza wegen Veruntreuung und AmtSmißbrauchs zu einer Strafe von 200 Gulden kondenmirt worden. Da der Staatsanwalt La zur gegen dieses milde Strafmaß keinen Widerspruch erhoben hat, soll, wie man vernimmt, von den! Kgl. Oberstaatsanwalt disziplinarisch gegen ihn vorgegangen werden. H o l l a n d. < Rotterdam, 10. November. Haben wir hier auch keine Orthodoxen, so besitzen wir doch ein Organ, das in entschieden orthodoxem Sinne rcdigirt wird und