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Jeschurun · 1883-11-15 · Heft 46 (15.11.1883) · p. 813

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 46 (15.11.1883)
Article
Schweden : Stockholm [Nachricht]
Date
1883-11-15
Page
813 (sequence 2)
Language
German
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813 der in Norwegen wohnhaften Juden ist eine sehr geringe; noch 1875, 24 Jahre nach Aufhebung des Grundgesetz-Paragraphen, welcher ihnen die Ansiedelung im Lande verbot, wohnten dort bloß 34 Bekenner mosaischeu Glaubens. England. §§ London, 11 November. Der Alderman Herr Henry A. JsaaeS hat dem ״Jcwish World" von einem Briefe Mittheilung gemacht, den er anläßlich der im Egyptischcn Saale des Mansion House demnächst bevorstehenden Borträge des Berliner Hosprediger Dr. Stöcker, über ״die sozial-resormatorische Bewcgnng in Deutschland" und ״die christliche StaatSidce," dem Lordmayor geschrieben habe. Da er erfahren habe, daß Herr Stöcker eine antiscntitijchc Agitation in England dadurch ins Leben zu setzen beabsichtige, so habe er den Lordmayor ersucht, gegen diese ״Entweihnng des Stadthauses״ Einsprache zu thiin. Ihm wurde aber eine abschlägige Antwort zu Theil, da Herr Stöcker nur aus Anlaß der Luthcrseier London besucht, und da versichert sei, daß er die Judenfrage bei den betr. Vorträgen nicht berühre.— Nun, das mag ja sein! Bei jenen zwei Vorträgen wird Herr Stöcker vielleicht seine 1116118 antisemitiea in Fesseln halten, aber er kann ja außer den betrcsfenden Borträgen noch Worte finden, um sich Luft zu machen; und das ist sogar wahrscheinlich, denn, wessen das Herz voll ist, deß gehet der Mund über. — Wie nachträglich bekannt geworden ist, hat der Lordmayor doch noch die Erlaubniß zurückgezogen, da der Magistrat solche Hetzereien nicht gestatten wolle. Frankreich. U. L. A. Bordeaux, im Oktober 1863. (Andauernde Geschäftsreisen verhinderten die frühere Einscndung dieser Mitthcilung.) Was wahrer Eifer für die heilige Sache Israels, was echte und reine Begeisterung für הורה עבודה וג״ה zu wirken vermag, hatte ich im vergangenen Sommer Gelegenheit, während meines Kur-Aufenthaltes in Marieubad kennen zu lernen. Es war von dem dortigen Vorstände der Bau einer neuen Synagoge in Aussicht genommen, zu welchem Zwecke jedoch die nöthigen Geldmittel noch j fehlten. Man wandte sich daher au daselbst weilende Kurgäste, und so auch an einen in den weitesten Kreisen durch seine wahrhaft jüdische Wohlthätigkeit rühmlichst bekannten Herrn aus Frankfurt a. M. Dieser nahm sich der Sache nun mit dem feurigsten Eifer an, sorgte zunächst für die Beschaffung von Geldern für den Ban einer מקוה, scheute keine Mühe und Anstrengung, um diese wichtige Einrichtung ciucr קהלה zu ermöglichen j und übergab den Betrag der von ihm persönlich an-! gestellten Sanunlung dem Vorstände der Maricnbadcr ' Gemeinde mit der Bedingung, denselben nur für den Bau einer ,מקוד zu verwenden und diese nur nach dem Plane und dem Gutheißcn eines anerkannten orthodoxen Rabbiners einzurichtcn. — Am 2. August fand nun die Grundsteinlegung der Synagoge und der ,מקור statt, wobei vor der zahlreichen Versammlung der Honoratioren der Marienbader Stadt und mehrerer tausend Kurgäste Herr Rabbiner Dr. Loewenstein aus Lemberg die Festrede hielt Er wies auf daö Beispiel jenes Herrn hin und wirkte so anregend, daß der Bau der Synagoge nebst ,מקוד durch die zahlreichen Spenden nun gesichert ward. — Doch der Frankfurter Herr hinterlicß noch eine zweite rühmliche Erinnerung, ein zweites Denkmal seiner wahren jüdischen Gesinnung und That in Marienbad. Er bewirkte, daß zur Ermögtichung einer feinen jüdischen Restauration ein von einem orthodoxen Rabbiner autorisirter שוחט angestellt wurde, zu dessen Gehalt er selbst ft. 280 jährlich dem Vorstände zur Verfügung stellen wird. — Aber ist eS ein Wunder, daß solches von einem Frankfurter geschielst? Wirkt nichtin seiner Stadt das erhebende und anregende Wort des gefeiertsten und ehrwürdigsten i der heutigen Rabbiner? Eines solchen Mannes Schüler j und Verehrer wahrlich werden stets durch mustergültige Beispiele jeder Art zeigen, daß ihre Werke den Lehren des großen Meisters entsprechen. Rußland. ... / Petersburg, 0. November. Der zeitweilige Schlummer der Judenhetzen scheint doch nur ein trügerischer gewesen zu sein. 'Reue Gcwaltthaten haben stattgefunden, und zwar in Kriivorvg, einer Stadt in Jekatcrinoslawcr Gouvernement. Man munkelte schon lange vorher von einer bevorstehenden Revolte. Nun wurden die Gerüchte verwirklicht, und zwar zunächst durch völlig betrunkene Schlosjergeselleu. Als deren Kraft nicht ansrcichtc, wurden noch fünfhundert Bauern, welche sich fast alle in demselben menschenwürdigen Zustande befanden, aufgereizt. Nachdem einige Polizeiofsiziere, welche die Menge zu beruhigen suchten, verwuudet waren, nachdem die heulende Rotte sich ein Paradies geschaffen hatte, indem sie ein Dutzend Schuapstädcn und Buden der Juden plünderte, und auch, da die Gelegenheit zu günstig war, einem Russen und Franzosen ihre auch nicht-jüdische Habe geraubt halte, wurde der Krawall schließlich mit Hülfe italienischer Eisenbahnarbeiter unterdrückt. --Es ist nicht bekannt, ob Menschen dabei umgetominen sind. — Solche Unruhen werden erst dann in Rußland anfhören, wenn Unmögliches möglich gemacht wird, d. h. wenn der Russe keinen Schnaps mehr trinkt. — Es ist traurig, aber — wahr. Der russische Pöbel ohne Schnaps ist kein Mensch, der russische Pöbel mit Schnaps ist ein Vieh! — Gott beschütze uns!

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