Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1883)
- Article
- Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
- Date
- 1883-11-15
- Page
- 812 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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812 empfangen habe! Man ist gespannt, ob der Reichstag den Abgeordneten Onody der Untersuchung des Richters ansgesetzt sehen will, oder die nachzusuchcndc ׳ Aufhebung seiner Jmnuritäl versagen wird. — Der Abgeordnete ft a rl Eötvös ist dieser Tage in N a g y- Kör öS, wo eine Wahlbürgervcrsammlung abgehalten wurde, mit großem Enthusiasmus begrüßt worden. Man verübelt also doch dem berühmten Anwälte nicht überall seine treue Pflichterfüllung in dem Gerichtssaale von Nyiregihaza. — Der ״Függetlenscg" des Herrn Verhovay wird als ״Hunnia" wieder aufleben. Herr Viktor Ostoczy will seines Busenfreundes Zeitung nicht untcrgchen lassen, sie soll die Diedergebürt dcS ״Függetlcnseg", der in dem neuen Blatte aufgchcn wird, zum Ziele haben. — Hoffentlich geht ober fliegt die ״Hunnia" auch bald auf. "W. Prag, 7. November. Der Senat der hiesigen Universität, von Seiten des Ministeriums mit der Disziplinaruntcrsuchung gegen Professor Rohling bctraut, hat das folgende Erkenntniß abgegeben: ״Der Gegenstand dcS den! Professor Rohling zur Last gelegten Vergehens bilde eine Druckschrift. Nun habe aber Jedermann das staatSgruudgcsctzlich anerkannte Riecht, seine Meiunug innerhalb der gesetzlichen Schranken frei zu äußern. Diese Schranken bilden einerseits das Strafgesetz, für den Staatsdicner jedoch auch die Pflicht seines Amtes und so namentlich die Pflicht dcS GehörsamS gegen die innerhalb der Grenzen dcS Gesetzes erlassenen Anordnungen seiner Vorgesetzten. DaS UnterrichtSministerium habe dem Professor Nohlingfdic Weisung erthcilt, sich der publizistischen Polemik zu enthalten und sich in seinen wissenschaftlichen Abhandlungen einer tnaßvolleren Sprache zu bedienen. Allein diese Weisung könne nur als eine Mahnung, nicht als Gebot äugesehen werden, da nicht angenommen werden kann, daß das UuterrichtSulinisteriunl das dem Professor Rohling staatsgrundgesetzlich gewährleistete Recht der freien Meinungsäußerung beschränken wolle. Schließlich dürfe nicht übersehen werden, daß die bezcichnete Schrift nur die Vcrtheidiguug gegen die Angriffe zum Zwecke habe, welche Professor Rohling durch seinen Talmud-Juden hervorgcrnfen hat. Diese Schrift, ein feindseliger Angriff gegen die Juden, sei aber erschienen, bevor noch Professor Rohling nach Oesterreich berufen wurde und sei somit zur Zeit seiner Berufung der Negierung bekannt gewesen. Wie wolle man ihn da ztir Berant- Wortung ziehen wegen der Vertheidigutig einer Schrift, die eben den Grund zu seiner Berufung nach Testerreich legte!" — Der Schlußsatz dieses Erkenntnisses ist sehr bezeichnend und giebt znm Nachdenken Veranlassung. (S.B.) Neutra, 31. Oktober. Am 27. d. MtS. hatten wir die Genugthnung, das segensreiche Walten unseres Gemeindevorstehers, Herrn Siegmund Schönseid, in den weitesten Kreisen der Oeffentlichkcit durch einen schönen, ihm zn Theil gewordenen Erfolg belohnt zu sehen. Am besagten Tage nämlich wurden hier die Repräsentanten in die Komitatskongrcgation gewählt. DaS Resultat der Wahl ergab für Herrn Schönfeld die glänzende Majorität von beiläufig 00 Stimmen. Es wurden im Ganzen nicht mehr als nahezu hundert Stimmen abgegeben. Nachdem das Wahlcrgebniß bckannt geworden, erschien der gewühlte Herr im Sitznngssaale der Wahlkommission, wo er von deren Präses in warmen Worten begrüßt nub beglückwünscht wurde. Herr Schöufeld gab seinem Danke Ausdruck und erklärte, auch ferner mit Aufgebot seiner ganzen Kraft den Interessen des Vaterlandes in weitem und engerem Sinne dienen zu wollen. Der feierliche Akt wurde mit lebhaften Eljen-Nufen auf den Gewählten beendet. Der Sieg ist um so schöner, da der Gegenkandidat des Herrn Schönfeld eilt hiesiger Stuhlrichter war, der vcrmöge seiner sozialen Stellung einen ziemlich bedeutenden Einfluß mit in'S Treffen führen konnte. R־y. Zaln-(§;;erszeg, 0. Nov. In Zala - Lövö hat in der Nacht vout 7. auf dm 8. d. M. wiederum ein Judenkrawall stattgefundcn. Nachdem schon am Morgen vorher dem hiesigen Kalismann Salomon Kohn Melduug gemacht war, daß ein Tumult bcvorstände, und Kohn bei dem Stadtrichter eine Verstärkung der Nachtwache erwirkt hatte, rückte gegen Mitternacht ein Haufe von zirka dreißig eingerußten und verkleideten Bauern ein, machte gegen die sic zur Ruhe weisende Wache Opposition, wobei zwei der Exzcdenteii erschossen, drei verhaftet und zwanzig namhaft gemacht wurden. Ihr Führer war der Esikos (Pferdehirt) einer Zala-Pataker Herrschaft. — Die Bewohner von Zala-Lövö und Umgegend sind sehr aufgeregt, da die Wache nur aus vier Panduren besteht. Verschiedene Gerichtsbcamte sind nebst einer Schwadron Husaren von hier nach Zala-Lövö abgegangen. Schweden. * Stockholm, 31. Oktober. .,Dagens Nyheter" bringen einige allerdings nur bis 1860 reichende statistische Notizen über die in Schweden ansässigen Inden. Noch vor nicht langer Zeit war den Juden das Wohnrecht nur in vier Städten des Landes gestattet. Im Jahre 1625 war ihre Gcsammtzahl 845, die Zählung von 1870 wies schon 1830 Köpfe auf und 1880 war die Ziffer auf 2903 gestiegen. Der bedeutende Zuwachs während der 70 er Jahre hat seine Ursache in einer starken Einwanderung aus Rußland und Polen, welche jedoch neuerdings etwas abgeuommcn zn haben scheint. Die meistens unbemittelten Zuzügler von Osten her widmen sich größteutheils dem Hausirhandel. Die Zahl