Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1883)
- Article
- Salomonische Spruchweisheit
- Date
- 1883-11-15
- Page
- 804 (sequence 2)
- Language
- German
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804 barcS einwickelt. Oder wer einen ganz gewöhnlichen 1 Stein in ein Stück Pnrpnr — (מרננזה von ארניזן) —; cinhttllt.;FoNscmmg folgt.- lüiynrifdjes Jcfd)![1!1intö Biibliiuerruffcn. Von S. B. Rosenhain. (Fortsetzung.) Nur wenn es ihm möglich wäre, den Obdachlosen Wohnung, den Frierenden Kleidung und den Hungernden Nahrung zu bieten, nur dann dürfte er sich berechtigt fühlen, mit Anwendung der größten Energie und Strenge an die Ausrottung dieses Krebsschadens zu gehen, der die ungarischen Jeschiboth verunstaltet und in ihrer Existenz bedroht. Das sind in kurzen Umrissen diejenigen Umstände, die dem Vachur, auch dem Erwachsenen, den Bettelstab in die Hand drücken. Bei demkleinen, körperlich und -- wie wir schon oben betont haben — auch geistig Unmündigen gesellt sich zu den schon angeführten noch ein weiterer tnißlicher Untstand. Er ist noch nicht fähig, den שיעור mit Erfolg allein zu besuchen, er muß sich daher einen sogenannten ״WiederholungS-Bachnr" nehmen, dessen Aufgabe cS ist, ihn zu jedent Vorträge genügend vor;»- bereiten und das beim Vortrag Vernommene wiederholend ihm in'S Gedächtnis; einzuprägen. Auch der Betrag zur Entlohnung dieses Korrepetitors muß im Wege der Inanspruchnahme der Mildthätigkeit beschafft werden. Oft aber ist dieser Korrepetitor gewissenlos genug, seinen kleinen Subordinirten alö willkommene Einnahnteguelle zu benutzen, so oft und so viel es ihm überhaupt an Geld gebricht — dann ist eS aber um die geistige Entwickelung des Kleinen gar arg bestellt! Betrübt und entulnthigt sehen wir manchen Leser, welcher an Derartiges nicht gewöhnt ist, sich von diesen traurigen Bildern wegwcudcn. Auch wir, die wir diese Bilder entwerfen, sind tief von ihnen ergriffen, und zögern keinen Augenblick, sie aus die Oberfläche der Oessentlichkeit herauf zu beschwören, mit der guten Absicht und in der Hoffnung, sie dadurch aus den Folien der Wirklichkeit verschwinden zn machen. Quos ferrum non sanat, samit ignis! So vergeht daS Semester, ohne daß geistig erhebliche Fortschritte gemacht worden wärm, in mancherlei Noth und Entbehrungen und unter denselben Verhältnissen beginnt und verstreicht ein zweites, drittes, viertes — bis auS dem kleinert Bürschchen ein großer, ausgeschossener Bursche geworden ist, für den es sich nicht mehr schickt, ein unansehnliches ״Ehaser-Bachrrrl" zu sein. Der Korrepetitor wird also guittirt und aus dem Hänschen ist auf einmal ein großer HanS geworden, in welchem aber, was das Wissen anbelangt, noch immer ein bedeutendes Stück vom winzig kleinen Hänschen steckt. DaS ״Bachnrl" wurde nur abgeschüttelt, weil die langen Deine in gar zu grellem Kontraste damit stehen. Von kompetenter Seite wird der MatnritätSgrad keiner zu strengen Kontrole unterzogen, denn man gönnt es dem Bachur gerne, von der schweren Bürde des Korrepetitors ansathmcn zu können. DaS hat aber zur Folge, daß dem Stndirenden httlfreiche Hand geboten wird, sich von vornherein die Möglichkeit zur Erlangung einer gründlichen QnalifikationSstufe abzuschueiden. Wo daS Fundament fehlerhaft gelegt wurde, dort läßt sich kein solider, sicherer Bau aufführen. DaS Wissen bleibt ewig lückenhaft, fragmentarisch und oberflächlich. Nrrn sollte man meinen, daß mit der!reuen Periode, mit dem ״Bachur" sich auch die Situation wesentlich zum Bessern verändert habe. Dem ist aber nicht so; in Wirklichkeit beginnt mit den! Eintritt in die Reihe der Erwachsenen für den Vachur erst die recht trostlose Zeit, da er nunmehr ansängt, in die Zukunft blickend, sich deS Horoskops bewußt zu werden, welches er, die Gesetze der Möglichfeit und Wahrscheinlichkeit zu Nathe ziehend, sich selbst stellen muß. Mit dem gereifteren Alter tritt das Vedürfniß rrach einer erträglicheren und rvürdigeren Existenz immer lebhafter zu Tage. Man schämt sich der Lumpen, die man im KindeSalter zu tragen noch für zulässig fand; die Widerstandskraft, jo vielen Entbehrungen die Stirne bieten zu können, ist im Laufe der Jahre gebrochen; alles ist erschlafft, Geist sowohl als Körper. Da ist das Betteln noch um Vieles bequemer; man schasst sich dabei etwas Geld und, was die Hauptsache ist, mau braucht dabei wenigstens nicht zu hungern. Man weiht dem Kultus des VeitetnS immer mehr Zeit, bis eS am Ende die ausschließliche Beschäftigung wird, der man noch obliegt. Treibt eS Einer denn gar zu bunt, so sieht sich wohl der Rabbiner veranlaßt, ihm den Besuch der Vorträge zu untersagen, eine Maßregel, die nun auch nicht mehr viel fruchtet, denn das moralische Gefühl ist mit der Zeit auf eine so niedere Stufe herab gesunken, daß eS seine Sensnalität beinahe vollständig eingebüßt hat. Die einst so gefürchtete Strafe der Ausschließung ist jedoch eine eminent moralische, sie muß daher im gegenwärtigen Falle ohne Wirkung bleiben. Man leistet den! Verbote einfach bereitwillig Folge, bleibt den Vorträgen fern, von denen man übrigens seit lange schon keinen Nutzen gezogen hat, und die Gilde der professionsmäßigen Bettler ist um ein ehrsames Mitglied bereichert worden, das ihr wohl Zeit seines Lebens nicht untreu wird! Ist der Ort, wo man sich gegenwärtig befindet, groß genug, um sich vor der Oesfentlichkeit verbergen zu können, so zieht man sich in irgend einen obskuren Schlupfwinkel zurück und beginnt eine latente, katilina-