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Jeschurun · 1883-11-08 · Heft 45 (8.11.1883) · p. 791

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 45 (8.11.1883)
Article
Deutschland : Stettin [Nachricht]
Date
1883-11-08
Page
791 (sequence 2)
Language
German
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701 geheckt hat, die neue Synagoge werde demnächst wieder nicdcrgerisscn werden, um aus dem Grundstein eine Akte hcranszunehmen, aus welcher die Juden den Beweis führen wollen, das frühere Gotteshaus sei von Christen angezündct worden. iForls. d. Korrcspc'ttdcnzkN ci. 7‘.)7.) Alls der ersten Hälfte mscres Jahrhiiildcrtö. (Nach einer wahren Begebenheit) Kriedrich Hlott. , (Fortsetzung.) i-lUe Acchtc vordel-ullc״.) Die Marie hatte damals nicht gehen können, er hatte ihr ja den Fuß durchschossen, und als der Regen so plötzlich begonnen, da hatte er das junge Mädchen mit dem einen Arm gehoben und mit dem andern halte er die Mutter geführt, und so hatten sie langsam das Wohnhaus erreicht. — Damals war es, als er zum ersten Male mit der Bozeua gehadert. — Und als sie dann in dem sicheren Wohnranm sich befanden, da war das Wetter erst mit voller Wucht zun! Ansbruch gelangt; wie ein Flammenmeer war ihm der Horizont erschienen, und die Fenster hatten geklirrt ob des mächtigen Rollens des Donners. — Die Lippen des jungen Mädchens hatten sich bewegt. ״Fürchtest Dich doch," hatte er spöttelnd bemerkt. Sie aber hatte zu ihm aufgesehen mit ihren großen klaren Augen: ״Fürchten? wovor denn fürchten?" — ״Na, versteht sich vor'm Donner," hatte er weiter geneckt, ״meinst, ich wüßt' nicht, daß du alle Heiligen um Beistand hast gebeten?" Sie aber war auf seinen Scher; nicht cingcgangen, sie kannte keine Heiligen und hatte zu keinem um Beistand gefleht, sie hatte nur den beim Donner üblichen Segenspruch gesprochen. Und die Blinde hatte sie dann aufgefordcrt, den Spruch zu wiederholen, noch war es ihm, als vernehme er ihre Stimme: ״Gelobt seiest Du, Herr unser Gott, König der Welt! dessen Macht und dessen Stärke das All erfüllet —" Und ihm selber unbewußt, wiederholte er jetzt laut die damals vernommenen Worte. ״Gelobt seiest Du, Herr unser Gott, König der Welt! dessen Macht und dessen Stärke das All erfüllet! —" und wie ein Lichtstrahl drang cS plötzlich in seine umnachtete Seele. — ״Gott! —״ flüsterte er, ״Gott! — " Da ward die Thür von draußen aufgerissen, ein junger Vauernbursche steckte den Kopf in das Zimmer. ״Grüß' Gott, Seidler! brr! ist das '11 Hunde- Wetter! — mit Verlaub — könnten wir's da abwarten?" Seidler stand auf, ziemlich unwirsch erwiderte er den freundlichen Gruß des Burschen.! ״Wegen meiner. — Wer ist denn mit Dir, j Sdenko?" Der Bursche zögerte einige Augenblicke mit der Antwort, während er forschend, wie lauernd auf den Andern schaute. ״Die Bozeua ist draußen," cntgcgnete er endlich. ״Ein halblaut vor sich hingemnrmelter Fluch war die Erwiderung des Seidler's. Sdenko, um seine Verlegenheit zu verbergen, lachte hell auf. ״Sic getraut sich nicht 'rein, geh nur du, hat sie gesagt, ich stell' mich derweil unter'm Schuppen, bis der Regen nach laßt." Es war ein sein abgekartetes Spiel, das Seidler's ehemalige Braut mit ihm im Sinne hatte. Längst hatte sie cs bereut, daß ihr rohes taktloses Benehmen zu dem Bruch mit dem reichen Bauern geführt; hätte sie damals nicht allzu fest ans die Macht ihrer Reize gebaut, es wäre nimmer so weit gekomnten. Denn die Bozeua wltßtc den prächtigen Bauernhof wohl zu schätzen und auch sein stattlicher Besitzer war ihr wcrth. Nur die alte blinde Bäuerin halte sie nicht gefreut und noch weniger ״das zimperliche Stadttnadcl." Aber freilich, wenn sie's gedacht hätte, daß der Toni ans der Alten so'n Narren macht, da hält' sie's halt auch gcthan — warum denn nicht? — itm’u Hof thät' man gar Manches. — Aber cs war so gekontmen, sie wußte selbst nicht wie — zuerst hatte sie geglaubt, sie brauchte nur zu trotzen, er werde sicher reuig zu ihr zurückkommen. Doch er war nicht gekommen, im Gegenthcil, seit dem Bruch mit ihr hatte er sich auch von ihrem Bruder, dem Sdenko, vollständig fern gehalten, mit dem er doch ehedem gern verkehrt, denn Sdenko worein lustiger, gutherziger Bursche und seiner Schwester aufrichtig zugcthan. Die Geschichte war gleich damals fatal — aber erst hernach, als die alte Seidlerin tobt war und ״die Zimperliche" über alle Berge - da hatte der Seidler- Hof doppelt an Reiz gewonnen — was hätte die Bozcna da nicht darum gegeben, mit dem Seidler Toni wieder ״aubandcln" zu können. Zwar in all dieser Zeit, cs hatte wohl manch schinncker Bursch um die frische Dirne geworben, — ״aber wie der Seidler war halt keiner nicht." Und je mehr die Bozeua diese Ueberzengung sich zu Gemüthe führte, um so mehr reiste ihr Entschluß, cs mit ״dent Hochnäsigen" doch noch einmal zu versuchen. ״Weißt, Sdenko," hatte sie den Bruder iuformirt, als sic, einem plötzlichen Einfall der Schlauen entsprechend, bei Beginn des Unwetters den väterlichen Hof verlassen hatten, ,.weißt, Sdenko, wir gehen selbander anf'n Seidlerhof, ich stell' mich unter'm Schuppen und Du gehst 'nein. Der Toni ist z'HmiS, der geht

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