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Jeschurun · 1883-11-01 · Heft 44 (1.11.1883) · p. 782

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 44 (1.11.1883)
Article
England : London [Nachricht]
Date
1883-11-01
Page
782 (sequence 1)
Language
German
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782 England. London, 12. Oktober. Der Verwaltung des Mansion Honse Fund zur Unterstützung der russischen Flüchtlinge, kommen — so berichtet die heutige Nummer; des ״Iewish World" — über die i’ac!c der im nord-; wesllichett Kanada angcsicdcltcn r u s s ische n Juden! vcrhältnißmäßig sehr günstige Berichte zu. Binnen > kurzer Zeit ist cs den Emigranten gelungen, sich daselbst j zn akklimatisiren, und cd dürfte nicht mehr lange währen,! daß eine große Zahl derselben sich dort eine auskömmliche Existenz gründen und somit den Stamm für eine , ansblühende Kolonie bilden wird. — Wir hoffen, daß; diese günstigen Verhältnisse unserer russischen Brüder j in ihrer neuen Heimath nicht mit den: Opfer der in; ihrem früheren Baterlande gepflegten altsüdischen Satzungen erkauft find. Dann, und nur dann können! und diese und ähnliche sonstige erfreuliche Berichte! mit wahrer Freude erfüllen.! ^^nlrdoir, 2s. Oktober. SirMosesMontesiorc's! Eintritt in sein hundertstes Lebensjahr ist ein Ereigniß, ׳ welches den 24. Oktober zu einem Festtage nicht nur der jüdischen Freunde und Verehrer dieses edlen Greises gestaltete, sondern das von ganz England gefeiert wurde. Alle Zeitungen widmendem ״hochherzigen Philantropcn",! dein ״würdigen Patriarchen" herzliche Worte, von der; ״Times״ an bis zum kleinen Blättchen herab. Me erinnern an die vielen Werke fast beispielloser Wohlthätigkeit, Menschenfreundlichkeit und aufopfernden Heldenmnths, und weihen ihm den Zoll der Hochachtung und Liebe Namens der ganzen Nation. Möge Gott den Lebensabend Montefiore's, den wir mit ganz besoliderem Rechte und doppelt freudigem Stolze den unfern nennen, zu einem langen und glücklichen gestallen, — in diesem Wunsche begegnen sich alle Menschen ohne Unterschied der Religion, Sprache and Abstammung. Frankreich. d. Paris, 26. Olt. Daß der Antisemitismus bei uns noch leinen Boden hat gewinnen können, daß wenigstens in Rcgicrnngs- und Milirürlrciscu kein Unterschied besteht zwischen 3ubc und Ehrisr, beweisen die vielen von Inden besetzten Staats- und Militär- Posten. So wurde der bisherige mit dein Oberkommando in Tunesien betraute jüdische ,General Lambert zum Divisionsgeneral ernannt; er ist der zweite Israelit, welcher einen solch hohen Posten bekleidet. Eitt Herr Dalmbert wurde in Havre znm GcrichtS-Bizepräsidenten gewühlt u. s. f. — Sicher ist dies in gewissem Sinne eil! קרוש השש zn nennen. Noch mehr aber würde cs ein solcher sein, wenn wir auch erfahren könnten, daß genannte Herren w. a. A. fromme יהודים wären. Türkei. * Smyrna Der Generalgonvernenr von Smyrna hat, wie der ״Iewish World" berichtet, den seiner Verwaltung unterstehenden Postämtern den Befehl ertheilt, alle anliscinitischcn Zeitungen und Brochüren, welche ihnen zur Beförderung znkommen, zn konsiszircn. In dem betreffendem Reskripte heißt cs 11. A.: ״Die!Negierung Lr. Majestät des Sultan duldet keinen Unterschied zwischen den Bekeuuern verschiedener Religionen. Sie wünscht, daß alle Einwohner des Reichs in Friede und Freundschaft mit einander leben. Deshalb kann sie nicht gestatten, daß Schriften verbreitet werden, welche Haß und Mißstimmung gegen die Inden zn erregen bestimmt sind. Jeder, der die Verbreitung solcher Schriften befördert, Übertritt das Ersetz und begeht einen Bruch des öffentlichen Friedens, wofür er strenge bestraft werden wird." Rumänien. EE (Halal;, Oktober. Die Verhandlungen des Zcntralkoiiiitüs zur Erleichterung der Auswanderung der Ifraelilcn aus Rumänien, welche am k!;. und 17. September hier gepflogen wurden, kvustatlrtcn leider den vollständigen Mißerfolg der sicherlich mit eifrigster Hingebung geleiteten Unternehmungen znm Behufc der Gründung von Ackerbaukolonicen im heiligen Lande. Das Zentralkoinitp sah die allzu sanguinisch gehegten Hoffnungen aus eine ausreichende begeisterte und andauernde materielle Förderung feiner Bestrebungen zu Schanden werden, abgesehen von den begreiflichen und gewiß zn entschuldigenden mancherlei Mißgriffen, die ja bei einem znm ersten Male unternommenen Werke meistens nicht zn vermeiden find. Mehr als vierzigraufend Franken von begüterten Männern zugejagte und gezeichnete Beihülfe gingen nicht ein, und ebenso verwirklichten sich nicht die aus die Thätigkeit der Lokalkomitvs gebauten Erwartungen. Ferner erwies sich ein Theil der Ernigranten für die Aufgabe der Koloniecn nicht geeignet. Trotzdem erscheint die zn Sa marin gegründete Ansiedelung als ein lebensfähiges Unternehmen. Der Vertreter des Baron von Hirsch, Herr Veneziain, bezeugt ans eigener Wahrnehmung, daß diese Kolonie ״des Interesses und der Unterstütznng wcrth ist." Die Bodenbeschafscnheit ist sehr günstig und die fünfzehn Familien, welche sich daselbst niedergelassen haben, dürsten sehr, wohl sich zn einem Stamme für eine blühende Ansiedelung hcranbilden lassen; aber die Kasse des Zcntralkouütüs ist erschöpft, und trotz aller Anstrengung war cs ihm unmöglich, die nölhigcn Mittel anznschasfen, um den hier gelegten Keim wenigstens zur Entfaltung zn bringen, wenn auch die sonstigen angestrebten KolonisationSversnche anfgegeben werden müßten. Das Zentralkomitö legte die

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