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Jeschurun · 1883-11-01 · Heft 44 (1.11.1883) · p. 781

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 44 (1.11.1883)
Article
Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
Date
1883-11-01
Page
781 (sequence 2)
Language
German
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781 bnchführer prüfen lassen müsse. — Wie man hört, soll der Staatsanwalt Vcsscnyey, der bisher in Zala- Egerszeg fimgirtc und aus Antrag des Ober-Staatsanwaltcs vom Instizminister wegen seines Vorgehens bei den Verhandlungen belresfend die Indenkrawatle seines Annes enthoben wurde, als Richter einem Gerichtshöfe zugetheilt!verdm. (׳. ^tgraut, 25. Oll. Von welche!׳.! F׳anatismns unsere antisemitisch gefärbten Herren sprudeln, beweist die Thatsache, daß ein Essekcr Kaufmann, Vartolovies, sich weigerte, vor einem jüdischen Richter einen <iib ab zu legen. Aber der Wackere wurde in seinem Feuer ein wenig abgeknhlr: die Septemviraltasel hat entschieden daß der Eid ohne Rücksicht auf die Konfession des Richters abznlegcn sei. Ob der Herr Vartolovies einen solchen Eid als Meineid bezeichnet, wissen wir nicht. Wir wollen es zu sciuenr Vesten nicht hossen, da er ja jetzt durch das Gesetz gezwungen ist, denselben zu leisten. Hl Nadntth (Bukowina.) Ende September.*) Ich möchte nicht verfehlen, Ihnen mitzutheilen. daß Herrn Oberrabbiner I. Kunst ad t ans Großwardein das hiesige Nabbinar übertragen worden ist. An! 18. August, den! Geburtstage unseres Kaisers, an welchem Tage auch die Einweihung unserer neuen Synagoge vorgenonunen lvurde, trat Herr Knnstadt sein Amt an. Die bei dieser Gelegenheit alle drei bedentnngsvollen Momente des Tages hervorhebende Rede unseres Rabbiners fand den nngerhciltcsten Veifall. Möge seine Wirksamkeit ״für die unverkürzte Anfrechtcrhaltnng unserer säntintlichen heiligen Rcligionsgesetze," wie er solche gelobt, zum Heile nuferer Gemeinde eine gesegnete sein. H o l l a n d. h Rotterdam, 28. Oktober. Wie ich Ihnen jüngst berichtete, hat auch eine;weite Serie von Kandibaten für die hiesige Rabbinatsstelle Probeprcdigten gehalten; man hört zwar noch nicht, ob mit der Wahl eines Rabbiners nun inehr Ernst gemacht werden soll, doch wollen wir das Beste hossen. Roth thnt's, das Ilncrregnnnt endlich.zu Endo gehen zu lassen, wenn unsere religiösen Verhältnisse nicht mehr und mehr verfallen sollen. Es ist ja auch lein Wunder, daß es mit dem jüdischen Jeden in hiesiger Gemeinde immer mehr abwärts geht; seit so vielen Jahren ohne Leitung, läßt sich auch von hier sagen: איש כל הישר בעעיו יעשה. Der איבוד הוצאה בשבת ist eine ganz unbekannte Größe geworden, mit סתם יין und הלב שהלבו נכרי rechnet noch Mancher. Eine ״Reform" giebt's ja hier zu Stande nicht, dieselbe — etwa nach bcr—ühmtem deutschen Muster — würde hier keinen Boden finden: *) Unlieb verspätet. die jüdischen Institutionen an sich tragen alle die Signatur des echten, unverfälschten Jndcnthnms, aber es fehlt ihnen der Geist und darum auch Leben. Der Indisfercntismns ist cs, der sich in erschreckender Weise hier ntchr und.mehr breit!nacht; wenn ein Kind cs so!veit gebracht hat, die Thora und Gebete übersetzen zu können, wenn cs vielleicht sogar etwas Raschi gcnascht hat, dann hat es dem והגיה בו יונזם .ולילה Genüge geleistet; mit seinem Eintritt in den ״Berns", und das geschieht früh, hört jede Beziehung zur geistigen Seite des Jndcnthnms ans, und hat es vorher sich einige Kenntnisse seiner Religion angceignet, so werden diese, wie itatürlieh, gar bald zu dunkeln Remiiilseenzen. Und trotzdem ist der Kern in unserer Gemeinde ein guter, und cs ist deshalb doppelt betrübend, daß er schon so lange jeder Wartung und Pflege entbehrt Ein energischer Rabbiner, seiner vollen Pflicht sich bewnßt, tüchtiger Redner und Schulmann,!vürdc hier ein weites Feld für seine Thätigtcit finden. — Es hat in Deutschland Befremden erregt, daß man hier nur deutsche Kandidaten ausgestellt hat; man hat sich, und wohl nicht ־ mit Unrecht, gefragt, ob denn nicht ein Mann, der mit der Landessprache und den Landessitten vertrant ist, eher in der Lage wäre, den Bedürfnissen unserer Gemeinde;n entsprechen. Man hat cs auch schon deshalb um so auffallender gefnndcn, als ja Arnheim an seinem Oberrabbiner Tal, einem Zögling des Amsterdamer Seminars, eine so vorzügliche Argnisition gemacht hat und cs in Amsterdam noch ntehrcre Zöglinge jenes Instituts giebt, die, auch profan tüchtig gebildet, הורה mit דרך ארץ im vollsten Maße in sich vereinigen. Als Grund für diese allerdings ausfallende Erscheinung wird angegeben, daß sich kein ״Amsterdamer" ans die belr. Annoncen hin geineldct habe; die Herren sollen — einen! .<>11 <lit. zufolge — cs abgelehnt haben, sich in dieser Weise um das hiesige Rabbiuat zu bewerben; sic meinen, wenn t'nnm nicht täuscht, daß eine holländische Gemeinde im Hinblick daraus, daß cs holländische Kandidaten, den Erfordernissen der Jetztzeit entsprechend, erst seit nicht allzu langer Zeit giebt und man dieselben wohl zu finden weiß, daß inan dieselben zu Probeprcdigten bcrufen müsse, — — und Ihr Korrespondent kann den Herren nicht klnrecht geben. Ob nicht aber unsere ״Parnassim", um ihrer Pflicht ganz zu genügen, auch einem unserer Landsleute Gelegenheit geben sollten, sich unserer Gemeinde oorznstellcn, ist eine Frage, die mau kaum anders als bejahend wird beantworten können. 8. ׳Amsterdam, 2!;. Oktober. Montag d. 22. nachmittags besuchte der Kronprinz von Portugal nebst Gefolge die hiesige Portugiesische Synagoge und sprach sich überaus freundlich und anerkennend über die i Zuvorkommenheit des Vorstandes aus.

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