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Jeschurun · 1883-10-25 · Heft 43 (25.10.1883) · p. 765

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 43 (25.10.1883)
Article
Österreich-Ungarn : Nikolsburg [Nachricht]
Date
1883-10-25
Page
765 (sequence 2)
Language
German
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765 ihn entweder absichtlich belügen oder über mährische Lehrerzustandc düpiren wollen. Möge Herr Rabbi Schreiber, wenn diese Zeilen ihn!;11 Gesichte kommen, seine eine ganze Körperschaft verunglimpfende Erzählnng zmücknehmen, da wir den Erfinder dieser Geschichte hier össentlich für einen Lügner erklären." * Lemberg, l 3. Oktober. In Beantwortung der Interpellation Merlin owicz erklärte heute, einem Telegramm der ״N. Fr. Pr." zufolge, der Statthalter, daß der Regierung von angeblichen Mißbräuchen und Gesetzesüberschreitnngen Seitend der vom Interpellanten namhaft gemachten jüdischen Vorschnßvcreine und Erwerbdgcnossenschafrcn nichts bekannt sei, und daß bisher keine Partei, welche etwa durch das Gebühren dieser Genossenschaften bcnachtheiligt oder in ihren Interessen geschädigt worden wäre, bei dem kompetenten Gerichte irgend eine Anzeige erstattet habe. -i- Prng, 18. Oktober. Herrn Professor Rohliug muß eS doch jetzt immer schwuler werden. Am 2S. August ist sein neuestes Werk: ״Polemik und Menschenopser des Rabbinismus" konsiszirt — und nun soll er gar selbst konsiszirt werden! So scheint's wenigstens mit ihm zu stehen, da auf Veranlassung des Unterrichtsministeriums der Uuivcrsitütssenat die Herren Professoren Rulf, Ulbrich und Peter beauftragt hat, die uöthigcn Schritte zur Einleitung des Diszi- Plinar-Berfahrens gegen ihren würdigen Kollegen zu thnn. -i- Prag, 1 Oktober. Bei der gestern stattgehabten feierlichen Inauguration des ncncrwählten Rektors der hiesigen deutschen Universität, vcrnrtheiltc letzterer, Herr Professor Dr. 8R ach, in einem Toaste aus den Kaiser, die augenblicklichen Iudcnhctzcn, ״die aber nicht etwa ans Unwissenheit und Aberglauben oder gar aus plumper Bestialität, sondern ans angeblieh wissenschaftlichen Anschauungen entstanden sind und die ans der Danvin'schcn Theorie abgeleitet und als .Kultur-Ideal präsentirt werden. Das achtzehnte Jahrhundert müsse über seinen Nachfolger große Augen machen und ihm zurufen: /Freund, du bist zurückgegangen'? *||* Pest, 18. Oktober. Das Tagesgespräch bildet die gegen den rühmlichst bekannten Abgeordneten und Redakteur des famosen antisemitischen Blattes ״Függetlcuseg" Julius Berh ovay und dessen Bruder Ludwig eingcleitetc strafgcrichtlichc Untersuchung tvegcn angeblicher Veruntreuung der für die EsangoS gesammelten Gelder. Es hat diese Asfairc für uns in sofern besonderes Interesse, als durch dieselbe dem obengenannten Blatte der Garaus gemacht sein und vielleicht dem Herrn Redakteur durch eine zeitweilige unfreiwillige Muße Gelegenheit gegeben werden dürfte, u. A. auch, über seine bisherige ruhmvolle Thätigkcit in Sachen des Antisemitismus stumme Reflexionen anznstellen. — Nächstens steht uns die endgültige Ber- Handlung des Tisza-Eszlarer Prozesses vor der Kgl. Tafel bevor, da dieser Tage die ans diesen Prozeß bezüglichen Akten derselben zugestellt worden sind. ' * Pest. Dem ״Egyenlöseg" tvird ans Fonyod geschrieben: Das l t> jährige Waisenmädchen Iuliska Malnrcß stand bei dem hiesigen Einwohner Michael Rosenberger längere Zeit in Dienst. Im August d. I. ersuchte jedoch der in Fonyod zu Gaste weilende Budapestcr Postbeamte Bartholomäus Szalay den genannten Dienslgcbcr des Mädchens, er möge das Kind mit ihm als Gespielin seiner Kinder nach Budapest ziehen lassen. Rosenberger willigte ein, und so reiste das Mädchen plötzlich ans Fonyod ab. Die antisemitischen Hetzer im Orte bemächtigten sich sofort dieses Falles, indem sic behaupteten, die Inden hälten Iuliska Maknrcß zu ״rituellen Zwecken" verschwinden lassen. Die Sache, die Anfangs keinen Glauben fand, nahm schließlich in Folge unausgesetzter Hetzereien einen drohenden Karaktcr au, so daß mehrere Juden unter der Anklage des ״rituellen Mädchenranbs" verhaftet!vurdcn. Rosenberger selbst, unter dieser Anklage stehend, protcstirte vergebens gegen diese Verleumdung, denn auch er wurde mit Verhaftung bedroht. Da entschloß er sich, nach der Hauptstadt zu reisen, begab sich zu Herrn Szalay und ersuchte ihn, das corpus delicti und) Fonyod zurücksühreu zu dürfen. Herr Szalay erfüllte bereitivillig dieses Verlangen, worauf R. mit dem Mädchen nach Fonyod zurückkehrte, wo er sich stracks ins Gemeiudehaus begab. ׳Nachdem die Identität der ״Vccschnmudeueu" konstatirt war, crthcilte der Fonyodcr Ortsrichter dem Zursiellebriuger des Mädchens folgendes Schriftstück: ״Onittnng über das zehnjährige Mädchen Inlioka Maknrcß, daß wir vom Fischermcister Michael Roscnbcrger am heutigen Tage richtig und ohne körperliche Beschädigung übernommen haben rc." *||* Pest, 13. Oktober. Endlich hat nach tanger Erwartung der Erstgeborene des neuen Antisemitenklubs das Licht der Wett erblickt in Gestalt eines die folgenden 12 Punkte ttMf'assendcn Fctdzngsplans: 1. Es ist die Ausgabe der im Wege der Koalition zu Stande gekommenen Partei, die Macht und den. Einfluß der Inden auf potilischem, sozialem und wirthschastlichem Gebiete zu uculralisircu, insbesondere aber aus dem Gebiete der Presse, des Geld- und Kreditwesens, des Handels und Verkehrs, der Industrie und des Grundbesitzes. Im Sinne dieses Grund« prinzipes ist die Schaffung aller jener Institutionell zu fördern und sind alle jene gesetzlichen Agitationen zu unterstützen, dir zur Bcrwirklichnng des ausgestellten Iielcö geeignet erscheinen. Solche sind: '2. Eine richtige, den nationalen Interessen cut« sprechende Agrarpolitik, welche die Interessen der grundbcsitzenden und laildbancnden Klasse verkhcidigt-, N. Einschrärllnilg der Gewerbesreiheit, Jnslebentrcten obligatorischer Gewerbe.Genoflen׳ sch.u'lcn unter Beobachtung des Besähigungs-Nachmeises4 ,׳. Be« schränknng der Wcchselsähigkeit; 5». Revtstou des den Juden günstigen Strafgesetzbuches und in Bccbindung damit Einführung

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