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Jeschurun · 1883-10-25 · Heft 43 (25.10.1883) · p. 764

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 43 (25.10.1883)
Article
Deutschland : aus Hessen [Nachricht]
Date
1883-10-25
Page
764 (sequence 2)
Language
German
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764 ״Lernen und Lehren" widmen, um dem jüdischen Lebensideal wiederum eine Phalanx zu schassen, da sind eS in der Regel Schüler des großen .Heimgegangenen, die fvrtpslanzcn, was sic dereinst unter seiner segeiwvollen Anregung in den Boden des jugendlichen Strebe,!S cingesenkt. GndcnSberg ist verwaist! Warum raffen I sich die Männer, die die Wirlsamkeit dieses herrlichen ׳ Älnnnes erlebt, warum raffen sic sich nicht ans, um! den erledigten Sitz wiederum in die Hände eines be׳ f rnfencn, gottbcgeisterten Führers zu legen, der befähigt und bestrebt wäre, der Krone wieder ihren alten Glanz zurnckzngcben? — Auch Witzen Hansen ist verwaist! Was ein uneigennütziges, mannhaftes Wirten ff'ir Lehre und Leben zu leisten verrnag, das hat der!:ochgefeiertc Rabbiner dieser Gcmcinde und des betr. Kreises gezeigt. I)r. F vc uf c l זצ״ל tvar eS, der bis vor einigen Jahren im Verein mit seinem Herzensfreunde, Rabbi Mordochai Wetzlar, in unserer Gegend das Panier von הורה ח)*'-} hochhielt. Tief betrübend ist eS, daß diese beiden .Kreise seit dem Verlust ihrer großen Führer nicht bemüht waren, die erledigten Stellen wieder zu besetzen. Sie fielen hierdurch, nach den noch bestehenden lnrhessischen Verordnungen, an Kassel nnd entbehren jeder religiösctt Anregung. Der Fonds von Kcnntniß und Liebe unserer LebenSideale verkümmert; die Ge-! meinden bieten schon mannigfach den Altblick von ver-! wilderten Anlagen, denen man es noch anmerkt, in! welchem Schmucke sie dereinst standen, um die überhand- ' nehmende Verödung nur um so schmerzlicher zu empfinden. f -- In gleichem Falle befindet sich Schlüchtern. Da waltete vor einem Jahrzehnt noch der KrciSrabbincr Schwarzschild זצ״ל, dessen heilig ernste Bestrebung für Thora und Aboda noch in vielen Herzen in lebendiger! Erinnerung geblieben ist. Aber auch da ist daS jüdische Leben und Wissen vielfach zurnckgegangcn. Zlvar sind j einige thoraknndigc, wackere Männer, besonders der z Sohn des Verblichenen, der als Lehrer eine segensreiche Thätigkeit entfaltet, ernstlich bestrebt, die Jugend in die.Kcnntniß unserer GotteSlchre cinzusühren. Dennoch fühlt man den Mangel eines begeisterten Führers. Der .Kreis gehört zu Hanau, dessen Nabbinat bald besetzt werden soll. — Auch im Hanauischcn ist noch die Treue gegen daS jüdische Pstichteuleben lebendig und so bietet sich dem aufrichtigen Willen ein lohnendes WirkungSgcbiet dar. ישראל קדושים הם. Die Bereitschast hat Israel noch nicht verloren, seinem ewigen Berufe sich hinzngeben; auch wo sie ganz verloren scheint, glimntt der Funke noch im Innern und will nur mit den! reinen Hauche aus dem Munde des Lehrers angefacht sein; möchte dieser Hauch, diese נשנות היים immer mehr in den Geist und das Gemüth unserer Jugend eindringcn. £ Ans dem L^ldcnbnrgischen. Es ist eine schwere Aufgabe, über unsere jüdischen Verhältnisse hier zu Lande zu berichten — da mir eigentlich fast gar keine haben. Ich spreche allerdings ein großes Wort gelassen ans, aber dennoch läßt sich diese traurige Wahrheil nicht wegleugucn. Es würde ein trübes Blatt Geschichte jüdischer Verhältnisse sein, daS ich entrollte, und eben deshalb habe ich bis jetzt damit zurückgehalten und werde es auch weiterhin rhun. Ich will aber damit keincowegS gesagt haben, daß sich keine vereinzelte rühmliche Ausnahmen von dieser traurigen Regel finden, doch was sind diese gegenüber einer erdrückende!! Majorität von GejetzcSvcrletzung nnd vollständigem religiösen Indisserentwmns! — Wenn ich mm in jüdisch-religiöser Beziehung nicht gerade Erfreuliches zu berichten habe, so ist dies glücklicherweise in jüdisch-sozialer Bcziehnng, d. h. in Bezug aus das Verhältnis; der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung nicht der Fall. Zwischen Juden und Ehristcn herrscht im Großen und Ganzen wohtthuende Harmonie. ES gicbt allerdings auch hier, wie überall, judenseindliche Elemente, doch treten diese gottlob ebenso in den Hintergrund, wie dieses leider die gcsctzcstrcnen jüdischen Elemente gegenüber der großen Mehrheit der Indifferenten thnn. So ist eS z. B. in letzterer Zeit in Jever vorgckommen, daß anom)mc antisemitische Flugblätter die Runde machten oder jüdischen Kauslenten Firmenschilder beschädigt wurden. Doch sind dies, wie gesagt, nur Einzelheiten, deren Verallgemeinerung ungesichts der liberalen Gesinnmlgen unserer nichtjüdischen Landsleute nicht zu befürchten steht. Oesterreich - Nnga r n. * Nikvlvbrrrg, N). Oktober. Bon Herrn 1)1׳. Moriz Eisler gehr uns die folgende Zuschrift zu: ,Hochverehrter Herr Redakteur! Rr. -kl Ihrer vielgelesenen Zeitschrisl enthält eine Korrespondenz aus Rcwyork, welche von einem dortigen Rabbi Schreiber erzählt, daß er am Schlüsse einer Expektoration Folgendes schreibt: Als in Mähren die jüdischen Lehrer zum ersten Male staatlich angestellt und bezahlt, also unabhängig von den jüdischen Gemeinden wurden, hatten sie den Lehrertag in Brünn mit einem Bankett in einen! nichtjüdischen -Hotel beschlossen. Ein sehr altehrwürdiger Lehrer cröffnete dieses trcfenc Festessen mit den! Gebete שהחינו u. s. w. — 3111 Interesse der Wahrheit erlaube ich mir, zu konstariren, daß die Mitglieder deS mährisch:schlesisch-israelitischen LehrervcreinS, dessen Präses za sein ich seit seiner Gründung die Ehre habe, so oft sie noch in Brünn znsainmcnkamen, ihr gemeinsames Mahl immer in der V^'l-Restauration des Herrn Vlnm eingenommen haben. Die Erzählung des Herrn Rabbiners Schreiber ist daher von Anfang bis zu Ende unwahr, und hat Derjenige, der dieses ihm vermeldete,

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