Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1883)
- Article
- Prof. Rohling in Disziplinaruntersuchung
- Date
- 1883-10-25
- Page
- 757 (sequence 2)
- Language
- German
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welches seine Anträge den! akademischen Senate stellen wird." Nun können Professor Rohling und ״Függctlenseg" sich in vicem kondoliren. rh Kollektiv-Berichte aus Ungarn, xxm. Seit unserem letzten ..Berichte" sind die Tage und Wochen ziemlich ruhig im Strome der Zeit verflössen. — Wir haben seither parlamentarische Rechenschaftsbcrichte gehört und gelesen, welche uns thcils bcfriedigten. thcilS tief empörten. — Besonders deprimircnd waren die Reden der verkappten Jkidcufcinde, wie z. B. des Abgeordneten des Könnender Wahlbezirkes, Herrn Dionys Püzmandy, der nichts weniger als die ״Beseitigung der Orthodorie und Organisirung der gesammtcn ungarischen Judcnheit auf Grundlage der 1868er Kongreßbeschlüsse" als Vehikel der Zivilisation und Assimilation betrachtet. — Wenn cs auch einerseits ein strafwürdiger Frevel ist, der Orthodoxie — im rechten Sinne genommen — zuzumuthcn, sie stehe der Zivilisation hindernd und hemmend im Wege, so ist cs andererseits unzweifelhaft, daß die ״Kongreßbeschlüsse" die Assimilation — wieder im rechten und weitg chendste n Sinne genommen — wirklich mehr fördern, als das orthodoxe Organisations-Statut; und eben weit wir, bei allem Festhalten an dem jüdischen Grundsätze: ״Liebe deinen Nächsten wie dich selbst," und bei aller Hingebung für Ungarn und seine Bürger, mit dem Gedanken einer ״Assimilirung", wie diese Herr Püzmandy und Könsorten ausfassen, nie und nimmer uns befreunden können, eben darum pcrhorreszircn wir das ״Kongreßstatut", welches einer solchen Assimilirnng weniger feindlich gcgenübcrsteht. —- Herr Püzmandy ist ein sonderbarer Kauz, alte, bewährte Grundsätze sind ihm in tiefster Seele verhaßt und weil auch sein Großmüttcrchcn daran glaubte, daß 2 mal 2 4 ist, möchte cr'S abrogircn. Nun hat ihm dieser Tage -das Preßgericht zu Steinamanger.'win wenig heimgelcuchtet und die nützliche Lehre ihm crtheilt, wenn man individuelle, verschrobene Ansichten auf Kosten der Ehre Anderer in die Welt setzt, daß man dafür eine Strafgcbühr von 300 Gulden zu entrichten hat. — Ob er sich'S wohl merken wird! — Doch wir )vollen ״Gottlob" sagen, daß wir nur mehr von eitlen, unschädlichen, antisemitischen ״Reden" zu reseriren haben, dabei bleiben doch unsere Köpfe und Fenster ganz. Die gewaltsam heraufbcschworcncn ״Steine des Anstoßes" haben im Jahre der Welt 5644 noch keinerlei Schaden angcrichtet. Die letzten Berichte über ״Fenstcreinschlagen" kamen aus Veszprim, doch auch dort ist diesem bösen Treiben schon der GarauS gemacht worden. — Wohl nicht durch die Schrecken der Statarialgerichtc, nicht durch Pandurcnkraft und nicht durch Soldatcnmacht, sondern durch den eigenthünllichen Umstand, daß die Lcszprimcr Juden so glücklich waren, לפני, שבר נאן noch vor der Acra der (Fcnsterscheiben-)Brüche einen ״Hochmuth" zu besitzen. — Dieser Herr Hochmuth (seines Zeichens Rabbiner) hat cs verstanden, aus dem brcitgctretenen Boden der Reform ein unfehlbares Zaubermittcl hervorzustampfen, welches die Exzcdenten nolens volens zur Kapitulation zwingt. — Wie uns ein Freund mittheilt, hat nämlich Herr Rabbiner Hochnkuth in seiner ״Neujahrspredigt" seine andächtige Gemeinde eindringlich gewarnt, sie mögen von den ״sinnlosen" Zeremonien, wie ״Taschlich-" und ״Kaporoh-Umschlagen", lassen, solche absurde(?!)Bräuche machen uns ללעג ולקלס בעיני העמים.. lasset davon, und ihr seid gerettet!" Nicht wahr, geehrter Herr Redakteur, an eine solche ״Neujahrspredigt" dachten Sic wohl nicht, als Sie Ihren trcsslichcn ״Tcschnwah"-Artikel (s. Nr. 40) niederschrieben! Du fragst wohl, lieber Leser, )ver und was dieser farnose ״Hochmuth" ist? — Nun, daß er Rabbiner zn Veszprim ist und der Reform huldigt, wirst du bereits errathen haben; es vereinigen sich aber auch noch andere edle Eigenschaften in seiner Person, er ist auch ״Schriftsteiler", er hat bereits viele Zeitungsartikel und Nezcnsionen geschrieben und hat auch schon einige wenige selbstständige Arochüren seiner Feder erpreßt. — Seine letzte ״Schrift" ist ein ״Lehr- und Handbuch zum Religions-Unterrichte." — In dieser ״Schrift" wurde auch auf die Liturgie Rücksicht genommen, weil der Verfasser (S. 8 zu Ende) glaubt, ״daß man mit Recht vom gebildeten Israeliten fordern darf, daß er dieselben im Großen und Ganzen kenne." In dieser ״Schrift" zeigt sich Herr H. aber auch in seiner wahren Größe und prüscntirt sich uns als der hervorragendste aller Bibelkritiker! — Wo seid ihr Znnz, Geiger, Grütz rc., die ihr mit euren Bibelkritikcn so viel Staub aufgewirbelt habt? Im Angesichte dieser neuen Sonne, die am Firmamcnte der von euch erzeugten und großgezogenen modernen ״Forschung" aufgcgangen, ist euer vermeintlicher Glorienschein ganz verblaßt und erloschen; hin ist der Erfolg eurer vieljührigcn Mühen, hin euer Glanz und euer Ruhm! Den Orthodoxen habet ihr wohl nie imponiren können, diese haben die haltimb werthloscn Ergebnisse eurer sauren ״Kritiken" selbstbewußt ignorirt! — Aber selbst in den Augen eurer blinden Verehrer und Anbeter seid ihr heute nur mehr kläglich zusammengeschrumpfte Pygmäen, tief gefunkene Morgenfterne.--