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Jeschurun · 1883-10-15 · Heft 42 (15.10.1883) · p. 750

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 42 (15.10.1883)
Article
Österreich-Ungarn : Krakau [Nachricht]
Date
1883-10-15
Page
750 (sequence 2)
Language
German
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750 Es handelt sich um die Emanzipation der Christen! init den Juden, verkündet er der staunenden LVelt; ich plaidire für wahre Gerechtigkeit und Gleichheit. Schüttelt aber Jemand verwundert das Hanvt und fragt: wie, sind denn die Juden in Galizien die besonders Bevorzugten und die Christen die Zurückgesetzten'? so antwort-.׳! der edle Abgeordnete im Tone der vollsten Ueberzeugnng: ja wohl. Erstens — er ist aber so weise, und nennt dieses ״Erstens״ zu allerletzt — also erstens, sind die Inden bei uns sehr zahlreich — ja aber, der Christen sind doch mehr'?! thut nichts, sie sind zu zahlreich. Zweitens, sic wenden sich in der letzten Zeit in größerem Umfange als früher der Landwirlhschaft zu; — ja aber, ist das ein Fehler, wir haben gemeint, cs wäre dieses sehr erwünscht, der Schacher wäre früher ein wunder Flcck an der Judenschaft gewesen — thnt nichts, ehedem war eS ein Fehler, daß sie keine Laudwirthe waren, jetzt ist eS ein Fehler, daß sie Laudwirthe sind. Drittens — da ist die Beurkundung des Personenstandes durch die Iitden, — ja aber, die Matrikel der Christen wird durch die christliche Geistlichkeit selbstständig geführt, mib für die Inden werden doch besondere Marrikelführer von der Behörde ernannt, welche die Führung der Listen genau lontrvlliren, das ist doch keine Bevorzugung der Inden; -thnt nichts, eS ist cs doch, die Matriken find dennoch ein Gegenstand der Inden, in wclchent die Inden den Christen vorgezogcu find. Viertens bilden die Inden eigene Gemeinden, — ja aber, die Christen bilden doch ebenfalls eigene Kirchengemcindcn, — thut nichts, das sind ja doch keine ״Kabats", Christen bilden doch keine jüdischen KnltnSgemeindcn, also sind sie den Inden hinten angestcllt, die solche gründen dürfen. So fährt der tapfere, weife Man.:! fort tmd zählt noch viele angebliche ähnliche Privilegien der Juden auf, als da sind, rituelle Chen, spezifisch-jüdische Schulen n. s. w. n. s. w. Also das Baterland ist in Gefahr, und cs war höchste Zeit, daß Herr Theophil Mcrnnowiez noch in letzter Stunde sich ermannt hat, das Baterland zu reuen. Eine Bürgerkronc für den Ehrenmann! -i- Prag, 10. Oktober. An! 8. v. MtS. hatte der am 17. August hier stattgehabte Indenkrawall sein Nachspiel darin, daß der Hanptanfnhrer der Tumultuanten, der Maler Johann Storck, inner der Anklage wegen A n f r e i; 1111 g g e g e n N e l i g i o n S - G c n o s s c n s ch asten vor dem hiesigen Schwurgerichte stand. Die Bcrhandlang endete mit der Freisprechung des Angeklagten. ■\\' Pest, 8. Oktober. Der ungarische Reichstag muß es sich gefallen lassen, einen wirklichen, gehörig organisirten offiziellen anliscmicischcn Klub zu besitzen. Wenn die wenig löbliche Gesinnung einer ausgesprochenen Feindseligkeit gegen einen Theil des ungarischen Volks, und wahrlich nicht den schlechtesten und unpatriotischsten, sich in rohen Mordbrenncrthatcn kundgiebt, so ist das tief beschämend und traurig für den NechtS- und Kulturstaat Ungarn. Wenn aber im Kreise der Erwählten der Nation und als ein Appendix zu der großen und erhabenen Körperschaft, welche das Vaterland zu vertreten berufen ist und deshalb nur die edelsten und besten seiner Söhne in sich vereinigen sollte, sich eine Partei bilden kann, welche die Unterdrückung, Beschränkung oder sonstige Mißhandlung einer ansehnlichen BevölkcrungSzisfcr zum Ziele hat, dann weint der Genius des Vaterlandes über solche Verblendung. AngesichtS der Vorgänge in der jüngsten Zeit: TiSza-Eszlarcr Prozeß, sich über ganze Komitatc erstreckende Juden- Hetzen, offene Erklärung des Ministerpräsidenten, erscheint aber das Vorgehen der Herren Judenfeinde in einem ganz besonder!! Lichte. Wir hoffen zuversichtlich, daß deren Streben keinen andern Erfolg haben wird, als daß sich von ihnen jeder redliche und wahrhafte Patriot mit Unwillen abwenden wird. Wir haben heute aber als den Vorstand dieses dem Reichstage nicht zn Ehren gereichenden Klubs die Abgeordneten: Istoezi, Onody, Simonhi und Szell zn registriren. Der Klub will Alle in sich vereinigen, welche der gleichen judenfeindlichen Gesinnung sind, der sonstige Parteistaudpnnkt ist gleichgültig. Man erwartet demnächst eine Manifestation dieser lieblichen Vereinigung. . ׳^Wicn, im Oktober. Jm BezirkSschnlrathe, ivelcher am 4. d. M., Abends, unter den! Vorsitze deS BürgermcistcrS Uhl eine Sitzung abhielt, wurde, wie die ״N. Fr. Pr." meldet, ein Antrag vom Pfarrer Poppenborg er im zweiten Bezirke cingebracht. Cs handelte sich um die ncncrbante Schule in der Blnmauergasse, für welche der Oberlehrer Schwa bl durch den Landesschnlrath nicht bestätigt wurde, ״weil die Majorität der Konfessionen in dieser Schule noch nicht konstatirt sei." Pfarrer Poppenbergcr beantragte nun, diese Schule ausschließlich den Israeliten cinznräumen. Der Bezirksschnlrath ist über diesen Antrag zur Tagesordnung übergcgangcn. Bezüglich der erledigten Oberlehrcrstelle in der Kleinen Sperlgassc wurde beschlossen, den Konkurs für diese Stelle mit dem Bemerken auszuschreiben, ״daß der Schulleiter befähigt sein muß, den israelitischeu Religionsunterricht zu crtheilcn," weil nach fünfjährigem Turnus festgestellt wurde, daß die Mehrzahl der Schülerinnen dem mosaischen Glaubensbekenntnisse angchört. — Eine Meldung ans Preßburg, I I.Okt., besagt: Die für gestern und heute geplanten Juden- Hetzen find Dank der zivil- und militärbehördlichcn Vorsichtsmaßregeln unterblieben. Die jüdischen Andachten wurden nirgends gestört. Rußland. ...z Petersburg, 9. Oktober. Die traurige׳

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