Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1883)
- Article
- Salomonische Spruchweisheit
- Date
- 1883-10-15
- Page
- 737 (sequence 2)
- Language
- German
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737 vor Unglückstagcn kcnncn sic nicht. Ihnen sind die dunkeln wie die Hellen Lebenstage von derselben liebenden Gottcshand gesetzte Aufgaben, deren treue Lösung immer beglückt und der liebenden Gottesnähc bewußt sein läßt. (Fortsetzung folgt.) MS der crftcu Hälfte miscrcö.Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Ariedrnh ^ott. ^Fortsetzung. ) (''lUc יי(CtlUt• t'orlHiialtni ) Später fürchtete Nahcl, cs bereuen zu müssen, Mirjam's Aufenthalt in ihrem Hanse bereits kund gemacht zu haben; denn erst nachträglich bedachte sic, daß, wenn auch die Bewohner der Iudengasse das in den zwei Jahren hochaufgeschossene junge Mädchen, dessen hellblonde Haare sich in dieser Zeit in kastanienbraune verwandelt hatten, schwerlich wieder erkennen würden, diese jedoch die Meisten sicher erkennen werde, und cs immerhin einen nicht geringen Grad steter Selbstbeherrschung erfordere, Bekannten zu begegnen, als wären es Fremde. Miijam versicherte jedoch, daß sic in dieser Beziehung nichts zu fürchten habe. Nasch schwand der Tag dahin und der Abend brach herein. Wie in! Vorjahre erläuterte &01)11 die Haggodoh; als er jedoch zn der Stelle kam: ..und du sollst es erzählen deinem Sohne", da bebte des braven Mannes Stimme und eine Thränc freudigster Hoffnung füllte sein Auge. Die beiden ersten Festestage waren vorüber; Mirjam war während derselben gar manchen ihrer früheren Bekannten begegnete, hat mit einigen derselben, die dem Kohn'schen Hause befreundet, sich sogar unterhalten; doch Keiner ahnte auch nur. dem sanften, schönen Mädchen schon früher begegnet zu sein, und ihre Freunde staunten, mit welcher Gewandtheit und doch ohne sich auch nur der geringsten Unwahrheit schuldig zn machen, sie mit Bekannten wie mit Fremden zu verkehren wußte. An dem ersten Abend der Halbseiertage saßen die Freunde noch lange beisammen in traulicher, heiterer Unterhaltung, namentlich Nahel befand sich in frohlichstcr Stimmung, sic neckte die Freundin mit den Aufmerksamkeiten des alten Gemcindelchrers, der sich am Nachmittag mit seiner einstigen Schülerin recht lange unterhalten hatte und, wie Nahet mit Bestimmtheit behauptete, demnächst um sie anhaltcn werde. ״Der bekommt einen Korb," erklärte 5101)11, ״an so einen Alten geb' ich sie nicht — Hab' ich nicht recht, Mirjam, liebes Kind? wcrd' schon für einen jungen Mann sorgen." ״O, das hat noch lange Zeit," versetzte Mirjam, indem sic sich hastig abwandte, die anfsteigendc Glnth ihrer Wangen zu verbergen. Nahet lachte hell auf; sic gedachte des Wunsches, den Mirjam ausgesprochen, als sic ihr ihre Verlobung mit Kühn mitgcthcilt; doch ließ sie sich nicht bewegen, die Ursache ihrer Heiterkeit mitznthcilcii. Es war schon ziemlich spät, als man sich trennte. Nahe! und ihr Gatte hatten sich bereits zur Nahe begeben; Mirjam jedoch, von einer ihr selbst nncrklärlichen Unruhe erfaßt, schritt noch vollständig angeklcidet im Zimmer auf und nieder. Da ward plötzlich an das HanSthor gepocht. Erschreckt fuhr Mirjam zusammen, faßte sich jedoch sogleich, trat zum Fenster und öffnete cs. Abermaliges Pochen. ״Wer ist da?" rief Mirjam, indem sie sich weit hinauslchntc. ״Du bist's, Marie?" — es war des Scidlcr'S Stimme — aber sie klang so hohl, so bebend. — Mirjam preßte die Hand ans das pochende Herz. ״Nasch, mach' auf," fuhr der Bauer draußen fort, ״Du mußt gleich mitkommen — die Mutter liegt im Sterben." Ein Schrei entrang sich Mirjam's Lippen, an allen Gliedern bebend wollte sic zur Thür eilen, Kohn trat ihr entgegen. Das Klopfen hatte ihn geweckt, er war hastig nur in seinen Schlasrock gefahren und hinausgeeilt, nach der Ursache der nächtlichen Störung zn forschen.' ״Um des Himmels willen, Kind, ivas ist Fhncn?" rief er voll Schrecken, als er das bleiche zitternde Mädchen vor sich sah. Sie war nicht im Stande, seine Frage zu beantworten; wie im Fiebersrost schlugen ihre Zähne aneinander, sic konnte nur mit der Hand nach der Hausthür hindeuten. .Kohn eilte, sie zn öffnen; der Scidler Toni trat ein. Blaß und verstört, die sonst stets sauber zurückgestrichenen Haare wirr in die bleiche schweißbedeckte Stirn hängend, war sein Aeußercs kaum kenntlich. Der Zustand seiner Mutter hatte sich in einer Weise verschtimmcrt, die das Acrgste befürchten ließ; von Stunde zu Stunde konnte man die .Katastrophe gewärtigen, und unablässig verlangte die Sterbende nach der Marie. Der Toni hatte sich nicht entschließen können, die Mutter zu verlassen; er hatte einen znvcrlässigen Knecht schicken wollen, das junge Mädchen zu holen — aber die wackere Bäuerin halte cs um keinen Preis znlasscn wollen, daß auch nur möglicher Weise die Sicherheit ihrer Marie durch sic gefährdet werde — sic hatte darauf bestanden, daß der Toni selbst um die Marie fahre — und so schwer cs ihm wurde, er hatte dem Drängen der Sterbenden nicht widerstehen können. Doch die Scclcnqualcn, die der junge Mann