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Jeschurun · 1883-10-10 · Heft 41 (10.10.1883) · p. 730

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 41 (10.10.1883)
Article
Österreich-Ungarn : Lemberg [Nachricht]
Date
1883-10-10
Page
730 (sequence 2)
Language
German
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730 Sobicskyfeier fand unter viclcn Gemeinden des Landes auch in Zolkiew ein Festgottcsdienst statt, bei welchem auch der Wcihbischof stcawakowsky und viele sonstige nichtjüdi'che geistliche zugegen waren und der Thora durch das Küssen derselben ihre Hochachtung bezeugten. N uszl and. ...x Petersburg, -'7. September. Wie vcrlautet, beabsichtigt die sogenannte Judenkommission ihre Arbeiten mit der statistischen Ausnahme der Seelenzahl der israelitischen Bevölkerung des russischen Reiches zu beginnen. Mau sürchtet, daß hiermit die eigentliche Regelung der jüdischen Berhältnisse ad Calendas g־raucas vertagt ist. Möge diese Befürchtung sich niebt bewähren, und die .Kommission im (leiste der wirklich humanen und aufgeklärten ihrer Mitglieder ihre Arbeiten anfnehmcn und zu Ende führen. .../. Petersburg, l. Oktober. lieber die von uns gemeldeten Judenexzesse in NowomoökowSk liegen nunmehr detaillirte Berichte vor. aus denen erhellt, daß ein Kirchenraub die Veranlassung zur Ausplünderung der Jaden gab, der sämmtliche Jndcnhäuser, mit Ausnahme von drei und der Synagoge .;tun Opfer sielen, gleich nach Verbreitung der Nachricht von dem Raube, bezichtigte ntan die Juden desselben: und als nun gar ein bei einem jüdischen Goldarbeiter bedienstetes Mädchen goldfransen zum Markte brachte, stürzte sich ein wü t heuder Pöbel Haufe auf das Haus des Goldschmieds. Dort fand man znm Unglück eine Thorakröne, tvelchc reparirt werden sollte. Nun war Alles in Heller Wcith. ״Die -Krone ist auch ans der Kirche geraubt", schrie man. und int Nu begann das Plündern und Rauben. Alles, was Juden gehörte, wurde kurz ttud klein geschlagen. Nichts störte die Plünderer, da Militär augenblicklich nicht zur Stelle war. Erst spät, nachdem mau schon mit den Inden fertig war uttb zur Stillung der unersättlichen Raubgier sich an die Bude eines russischen Kaufmanns gemacht hatte, trafen Kosaken ein, verhafteten die Exzedenten und stellten die Ruhe wieder Ijtr. x Odessa, 4. Oktober. Aus Sfimferopol, der Hauptstadt des Gouvernements Taurien, langt die Nachricht von einem kleinen Judenkrawall ein, der jedoch, dank des raschen Einschreitens der Polizei, keine weiteren Dimensionen annahm. Einige Hunden Arbeiter verfolgten eilte Jüdin, welche sich in einer Fabrik mit einer christlichen Kollegin in den Haaren gelegen, wobei Letzterer ein ein Heiligenbild enthaltendes Medaillon entfiel. Die Jüdin war in eine jüdische Schenke geflohen; die Menge wollte dieselbe stürmen, doch wurde sie von der herbeigeeiltcn Polizei daran gehindert. Amerika. A. Newyork, 18. August. In den jüdischen Zeitungen nicht nur, sondern in den weitesten Kreisen macht die auch von dein ״Jcschurun" berichtete würdige Feier der ״Ordination" mehrerer jüdischer junger Theologen in Cincinnati durch ein solennes ״trefcncö" Mahl, an welchem eine sehr zahlreiche Gesellschaft von etwa l 50 Personen und viele ״Reverends" theilnahmen, noch immer viel von sich reden. Möchte doch endlich der amerikanischen Judcuheit die Augen geöffnet werden und sie sich von denjenigen Männern, welche sich mit solcher beispiellosen .Kühnheit über das Gesetz Gottes hinwegsetzen, dennoch aber als Prediger, Rabbiner und Lehrer dieses Gottcsgesetzes sungiren, förmlich tossagen. Diese 150 Vertrelcr des amerikanischen Judeuthums, unter denen vielleicht nur 10 bis 12 gewesen sein sollen, die von dem unjüdischen Festmahle mit Austern, Krebsen u. s. w. sich fern hielten, sollten jeglichen Anspruches auf irgend eine Autorität im jüdischen Gemcindelcben verlustig sein. Unsere eigenartigen Zustände lassen aber ein solches energisches Zurückweisen kaum hoffen. Im Gegentheil, diese Herren führen mit eiserner Stirn das große Wort. Sie behaupten, eine große heilige Thal geübt zu haben, indem sie gerade bei der Kreirung und feierlichen Weihe von jungen ״Rabbinern" osseuknndig Zcngniß ablegten, ״daß das amerikanische Judenlhum nicht die Kanzel als Fleischbank, nicht das Nabbinat als Fleischerhandwerk betrachtet." Sie rufen aus: ״fort in die Rumpelkammer mit den Speisegejetzen, wir haben hier Wichtigeres zu £1)1111!" 311 solchem Eynismus wagen es im Amte stehende Rabbiner sich öffentlich zu prostituiren. Einer derselben, Schreiber, ehemals in Elbing ttud Bonn, welcher hier eine ganze Reihe sich ״Rabbis" nennender Gesinnungsgenossen gefunden, und jetzt in Denver Col. als Rabbiner fnngirt, schreibt am Schluffe einer Expektoration das Folgende: ״Als in Mähren die jüdischen Lehrer zum ersten Male staatlich angestellt und bezahlt, also unabhängig von den jüdtscheu Gemcindeu wurden, hatten sie den Lehrertag — ich glaube in Brünn — mit einem Banket in einem nichtjüdischen Hotel beschlossen. Ein sehr altehrwürdiger Lehrer eröfsncte dieses ״tresenc" Festessen mit dem Gebete ׳צההיעך• (Gelobt sei Gott, daß der jüdische Lehrer das wagen tonmc, ohne sein Brod zu verlieren). Der Mann hatte Recht. Auch wir, amerikanische Rabbiner, dürfen עזהחייגו machen, daß wir nicht nach unserem Magen, sondern nach unserem Herzen, nicht nach dem, was in den Mund hineinkommt, sondern nach dem, was ans demselben herauskommt, beurtheilt werden." Ich habe in der deutschen Heimath vieles erfahren im Punkte der religiösen Gewissenhaftigkeit mancher Rabbiner; ich bin aber doch erst zu kurze Zeit in Amerika, um nicht ob der grenzenlosen Fr—ciheit, welche sich hiesige Rabbiner gestatten dürfe», entrüstet zu sein.

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