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Jeschurun · 1883-10-10 · Heft 41 (10.10.1883) · p. 725

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 41 (10.10.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-10-10
Page
725 (sequence 5)
Language
German
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725 Auch ich bin Christ, doch aus dem Munde des PrivalklägcrS höret ich nicht christliche Worte, sondern nur Worte des Hasses, die weder einen Gott der Christen noch der Inden kennen. Der Privatkläger sagt: Die in den Staub gesunkene Fahne der Christenheit! Wer hat die Fahne in den Staub getreten? Vielleicht diese Handvoll Inden? Wenn Jemand diese Fahne der Christen in den Kolh schlendert, so thini cS Jene, welche unter diesen! Ze'rchen einen Rcligioiiskr'ieg proklamircn.!;{um Privatkläger gewendet:) Sic sagen, daß unsere Ahnen, tvelche die Osmaneu besiegten, auch die jüdischen Schakale besiegen werden. Ungarn besitzt viele Feinde, doch solche, welche gesagt hätten, daß unsere Inden, die mit uns in! Parlamente, in der Schule, in der Gesellschaft sind, die überall an unserer Seile stehen, daß diese unsere Fahne in den Koth zerren werden, habe ich bisher noch nicht vernommen. Hoher Gerichtshof! Machen wir ein Ende mit diesen! Prozesse. Wir sahen einen Knaben, der seinen Vater anktagle; eine Mutter, die ihr Kind, ihre Tochter, nicht anerkennen wollte; eine Mutter, die ihr Kind eines falschen Eides bcschuldigt; eine ganze Gemeinde, welche glaubt, dag das Christenthum einen Kampf gegen die Inden führt. Es giebt keine Gemeinde, in welcher man sich erinnern würde. dag im Herzen Ungarns eine solche gräuliche, verruchte Anklage erhoben worden wäre. Doch diese Anklage ist auch nicht hier entstanden. Diese Akten mögen bis in alle Ewigkeit begraben sein. Ich bitte den hohen Gerichtshof, Diejenigen, welche ich hier vertheidigtc, von der Anklage des Mordes sreiznsprechen und sofort frei zu lassen. (Große anhaltende Bewegung.) Staatsanwalt Szryssert: Der Thatbcstand ist nusgehellt, die Reden der Verthcidiger sind abgeschlossen, ich bitte, hoher Gerichtshof,!111! den Urtheiissprnch. Morgen wird der Privatkläger S za last replizircn. 31. Juli. Die Verhandlung begann heute nach halb 9 Uhr. Der Saal war gefüllt. Der Präsident erlhcilt dem Vertreter der Privatklägerin, Szalay, das Wort zur Replik. Karl Szalay: Den drei ausgezeichnetsten Verthcidiger!! Un׳ garnS gegenüber und wegen der Ermüdung durch '33 Schlingen wollte ich dem mir;!!stehenden Rechte derReplik entsagen; nachdem wir aber gestern Dinge gehört haben, welche ich nicht unbeantwortet lassen kann, da mein Schweigen als Zustimmung betrachtet werden könnte, darf ich nicht schweigen. Ich werde aber jede Persönliche Bemerkung möglichst meiden, denn ich will nicht den Spuren einiger Herren Verthcidiger folge», welche mit gcivissen Benennungen leichtsinnig um sich werfen, deren Benrtheitnng ich der öffentlichen Meinung anheimgcbe. Ich werde durch die Verlheidigcr beschuldigt, dag ich den Angellaglen leichtsinnig eine gräßliche Anklage ins Gesicht schlendere. Ich nehme diesen Vorwurf nicht an, indem ich aus den Bescheid des königlichen Staatsanwaltes, welcher durch die Vcrtheidignng hoch gelobt wird, hinweist, durch welchen die Anklage erhoben wird in einer Sache, wo angeblich kein objektiver Thatbcstand vorhanden sei. Ich lehne den Vorwurf ab, denn meine Anklage wird durch fünfzehnhundert Bogen Alten unterstützt. Was unterstützt aber die Anklage, welche die Verthcidiger gegen den UntcrsnchnngSrichtcr, die Behörden, sogar gegen diesen hohen Gerichtshof Vorbringen? Es ist von den Vcrthcidigern oftmals das Wort ״Prozeßordnung" während dieses Prozesses gebraucht worden. Eine Prozeßordnung kenne ich nicht; ich kenne ein Normativ des Justizministeriums, welches ich als Gesetz nicht akzeptiren kann. Dasselbe akzcptirt auch der Oberste Gerichtshof nicht, und er erklärte oftmals, daß er es als maßgebend nicht betrachte. Ich habe hier oft daS Wort ״Zeugen-Präparirnng" anwenden gehört; dieses Wort ist in dieser Gegend fremd, im׳ Portirt; sonach ist auch der Begriff, welcher mit demselben vcr« blinden wird, hier fremd, importirt, wie der Kaftan und die Pajes - - die Importirnng ist nicht gelungen, n׳ie wir daS an den Zeugen Inlesa Arvay, Inlcsa Szakolesai, Roka, Kasimir und Anderen beobachtet haben, welche vor dem hohen Gerichte bekannt haben, das; sie falsche Zeugen sind. Herr Vertheidiger Eölvös tadelt meine Bemerkung, wonach der Nyiregyhazaer Gerichtshof niinahbar ist, da in diesem Ausdruck kein Vob liege. Jedoch, sagte Eötvös einige Zeit vorher: Was rede ich über Geld, wenn Geld in! Spiele gewesen wäie, wäre die Recht-, pflege und Verwaltung nicht so vvrgeg>!ngen. Auf kleinere Widersprüche, wie das; die össentliche Meinung Ungarns mit dieser Angelegenheit nichts gemein habe, sondern nur Diejenigen i'ärn! schlagen, die einen stärm nölhig haben, resielkirc ich nicht. Es ist eine sonderbare Erscheinung, daß,!!׳ährend der eine Vcrlheidiger die Bevölkerung dieses Komitates lobt und ihr alles Gute nachsagt, der andere sie mit Schmutz bewirft; das ist die echte Talmn'dmoral! Und wenn solche Moral herrscht, dann sei jeder Mensch ans seiner Hut. Ciiveiuit consiilus. Sic haben sich auch ans weltberühmte Männer berufen, auch ans Voltaire. Ich bekenne, das; auch ich seinen großen Geist bewundere; ober in seinem persönlichen Karakter stecken Lüge und Böswilligkeit und Alles, was schlecht ist. Ich kann Voltaire nicht als eine reine Oncllc betrachten. Ich bedauere, daß der Herr Vertheidiger Friedman!! nicht anwesend ist, doch muß ich trotzdem ans einige seiner Berner׳ kungcn rrslektiren — er hat mir vorgcworfcn, ich wisse nicht, was Fanatismus ist — cs ist möglich, daß ich den doktrinären S::::: dieses Wortes nicht kenne, während er nur nin sich zu blicken brauch!, um genug Fanatismus zu finden, und er irrt gewiß, wenn er sagt, daß religiöser 'FanalismuS nur bei einer in Majorität befindlichen Religion zu finden sei. Gerade das Umgekehrte ist wahr, tvic es d're Geschichte klar erweist. Das, was Friedman!! bei mächtigen Religionen FanatiSinnS nennt, ist Selbstbcwnßtscin. Der Herr Verthcidiger hat gefragt, wer inidj für meine Sachwaltiing bezahlt. Ich danke für diese Frage — sie ist ein Beweis für mich, daß Sie logische Gründe für diese Frage haben. Ich stehe da als Advokat, weil sich diese arme Frau an mich gewendet hat. Ans das Meritum übergehend, bemcrkc ich, daß, nachdem die Herren Vertheidiger viele Stunden lang die Angclrgenhcit, die sie ein Märchen nennen, behandelten, an der Sache denn doch etwas wehr sein wnß, als ein Märchen. Herr Fnntak hak sich ans Rohling'« Antwort an die Rabbiner bezogen. Ich akzeptire dies und weise hier einen Brief dieser Autorität vor, worin Rohling mir schreibt, mit jener Bemerkung, daß er in der Bibel vom Bl nt!norde!!ich! 8 gefnnde», habe er die Blutschuld selbst nicht geleugnet. Im Gegcntheile, in diesen! Briese führt er die Bücher an, ans denen hervorgeht, daß die Blut׳ schuld von den Inden geübt ivird. Ich theilc die Ansicht Eötvös', daß in den Büchern Mosis die Basis der jüdischen Religion liegt, aber Friedman!! selbst hat zugestanden, daß die jüdische Religion eigentlich das sei, was ans diesen Büchern abgeleitet wurde, und ich weiß, daß jeder Rabbiner das Recht l!at, Gesetze zu schassen, gerade so,!vie wenn er Moses wäre. Bitte, den Talmud nachznschlagen, ich kann, was ich sage, Ihnen immer bciveisen. Eölvös: Bitte also Nachmittags. Szalay: Sehr gerne. Präsident izu Eötvöö^: Bitte später zu antworten. Szalay (fortfahrend): Herr Fnntak hat sich auch ans päpst. liche BrevcS bernfen. Es sind dies jene Breves, welche erst knrrlich veröffentlicht wurden — sic sind ersnnden und erlogen. Wahr ist, daß Papst Vinecnz wirtlich ein solches Breve heransgegcben; aber der Herr Vertheidiger hätte hier nicht stehen bleiben und auch mittheilen sollen, daß damals Vinecnz in styon und in großer Geldnoth gewesen und, um Geld zu erhalten,

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