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Jeschurun · 1883-10-10 · Heft 41 (10.10.1883) · p. 717

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 41 (10.10.1883)
Article
Deutschland : aus Westpreußen [Nachricht]
Date
1883-10-10
Page
717 (sequence 2)
Language
German
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717 obachtuug bcr Moral. ' Diese ist ja aber nicht ans׳ schließlich dem Juden eigen, sondern Gemeingut aller Menschen, über welche die Staatsbehörde wacht,;um Schutze der Menschenrechte, und macht den Rabbiner absolut entbehrlich, indem dieser ja nur die Rufgabe hat, das geofsenbarte Wort Gottes, die Thora,' \\\ lehren, welche der Fortschritt nicht nur nicht anerkennt, sondern bespöttelt nnd verhöhnt. Wozu dennoch der Rabbiner und Neligionslehrer? Man höre und staune über die hochweise Antwort: .,Weil fast jede Gemeinde einen solchen anstellt." Diese lehrreiche Antwort ist gewiß geeignet, so Manchen, selbst in unserer so denkunfähigen Zeit, zu tieferem Nachdenken über sein Thun anzuspornm. ^Fortsetzung der Korrespondenzen und Nochrichlen ans S׳üc 7 i Aus der ersten Hälfte imseres Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Kriedriclj AoLL. (Fortsetzung?! (־^1י inul'cbaltOH. Doch der Sohn kam nimmer heim,er war im Kampfe geblieben und so hielt sich der alte Krawanni verpflichtet, auch ferner für sein illegitimes Enkelkind zu sorgen. Diese edle That blieb dem Braven nicht nnbclohnt, sic erhellte sein einsames Alter und verschönte es mit längst nicht mehr geahnten Freuden. Die kleine Gabriele war sein Augapfel und das schöne Kind hing an dem alten Manne mir all der Vicbc ihres reichen warnten Herzens, war er doch ihr einziger Blutsverwandter. Der stete Verkehr mit dem über seinen Stand Gebildeten verlieh auch dem heranwachscnden Mädchen eine seltene Geistesbilduitg, und die ihr gegenüber oft geäußerten Klagen des Großvaters, daß er sie unversorgt zurücklassen tverde, wußte sie mit heiterem Sinne stets hinwegzuscherzcn. Und es zeigte sich, daß sie recht hatte mit dem frischen Math, mit dem sie der Zukunft furchtlos entgegensah, denn auch dem Großvater ward das hohe Glück zu Theil, sic glücklich zu sehen an der Seite des wackern jungen Bauern, der um sie gefreit. Kurz vor seinem Ableben hielt er noch seinen Urenkel auf seinenr Arm, es war der Toni, dem er als Pathe seinen Namen hinter lassen. Noch heute wußte die Seidlerbänerin die ehrwürdige Gestalt des braven Verwalters mit einer Lebhaftigkeit zu schildern, daß Mirjam ihn oft vor sich zu sehen glaubte. * Und die Zeit schritt vor; Sommer, Herbst und Winter waren abermals vorüber und der Frühling hatte, wenigstens dem Kalender nach, bereits begonnen, doch Schnee bedeckte noch Wiesen und Felder. Es war an einem Sonntag Vormittag, sonntäglich geputzt lehnte die alte Seidlerin in ihren! Sessel, au ihrer Seite das junge Mädchen, das sich!nährend ihres Aufenthaltes int Hofe auch am Sonntag ihrer gewöhnlichen Handarbeit zu enthalten pflegte, ein Buch auf ihren Knieen, ans dem sie der Alten vorgelesen hatte. Da ging die Thür auf, der Toni trat in's Zimmer. Mirjam erhob sich rasch und eilte ihn! entgegen, ihm mit einer Bewegung der Hand Stille gebietend, denn die Greisin war eben eingeschlnnnnert. Der junge Mann nickte ihr freundlich zu. ״B'hüt' Dich Gott, Marie," sprach er flüsternd, ״nnd grüß' mir die Mutter schön, bis morgen in der Früh bin ich wieder daheim." ״Behüte Euch Gott," crwiedertc Mirjam gleichfalls leise, iridcin sie ihre Hand in seine ihr dargcbotene legte, ״aber wohin geht Ihr denn heute, an! Sonntag?" Der Tön! blickte sie mit einen! cigenthümlichcn Lächeln an. ״Und das errath'st Du nicht,' Marie?" ״Wohin Ihr geht? Nein, wie könnte ich das erratHeu." Er kicherte vergnügt vor sich hin. ״Aber schau, das nimm! mich doch Wunder, daß Du das nicht errath'st, grad heut vor'!!! Jahr bin ich doch auch fortgefahren, denkst nicht?" ״Heute vor einen! Jahr — da wäret Ihr bei Ra Hel?" — ״Na, eickli hast's errathcn! und jetzt geh' ich!nieder hin zur Frau Kohn nnd frag' sie, wann ich ihr den Gast soll bringen zum Passah — ist Dir's recht?" Ueber und über erglühend, mit freudestrahlendem Angesicht blickte Mirjam zu ihm auf, ihr selber unbemußt, hatte sic auf's Neue seine Hand ergriffen nnd mit einer Innigkeit gedrückt, daß es dem jungen Manne war, als müsse das Herz ihm zerspringen. ״O, wie seid Ihr so gut! — so sehr, sehr gut! — nnd wie kann ich Euch danken?" ״Wie Du mir danken kannst? schau' n!ich noch mal so an, wie da eben nnd ich geh' Dir durch Wasser und Feuer." ״Geht, geht, so darf man nicht reden," inurmclte Mirjam und wandte sich hastig ab. Er sah ihr nach mit einem Blicke, in den! seine ganze Seele 111$. ״B'hüt di Gott!" sprach er nochmals leise, doch er bot ihr die Hand nicht mehr; und leise nnd ohne ihn anzublicken erwiderte sie nochinals seinen Gruß, und leise und ohne ihn anzublicken trug sie ihn! Grüße aus au die Freundin.

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