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Jeschurun · 1883-10-10 · Heft 41 (10.10.1883) · p. 716

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 41 (10.10.1883)
Article
Der Gottesgelehrte
Date
1883-10-10
Page
716 (sequence 2)
Language
German
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Die Nacht entweicht, und durch die Scheiben Strahlt hell bae< Morgenrot!) herein, Doch stumm des Rabbi Lippen bleiben Und stille bleibt's im Kämmerlein. Die Lerche schwingt sich, jubelschallend, Die Allmacht preisend himmelan, Und sromm, zur Morgenandacht wallend, Koiunit früh der Jünger Schaar heran. Die lominen leise in da- Zintntcr Und staunen, können'- fassen kaum, Der theurc Meister schläft noch immer, Verweilet noch im süßen Traum. Ja, einen holden Traum er träumet, Denn lächelnd blickt sein Angesicht, Das edle Greisenhanpt umfänmct (Sin überirdisch Gloricnlicht. Ach, treue Schüler, euren Meister Erwartend länger säumet nicht, Entfloh'» sind ihm die Lebensgeister, Nicht athmet er im Sonnenlicht. Des Leibs gebrechlich schwache Hülle Könnt' länger nicht mehr wiedersteh'n, DcS Geisicsstrorns gewaltiger Fülle, Der mächtig schwoll zu lichter» Höh'n. DaS Licht, eS ist zu nah gekommen Dein Flammenmeer, dem endlos großen, Der Weltcngeist hat'- ausgenommen, Mit ihm ist es in eins zerflossen. Merschlii!. Würzburg. ״Die beiden Heinriche." Ein historisches Drama in fünf Alten von Anton. Edel. Verlag non Hermann Hunte, Leipzig!888. Der Verfasser, Lehrer an der töuigl. Realschule zu Bamberg, hat in diesem Merkchen eine Andeutung ans die erste große Judenverfolgung im deutschen Reiche mib das Berhältniß eines großen menschenfreundlichen Kaisers ztt derselben gegeben. Die zu damaliger Zeit den Inden ans die unerhörteste Weise angedichteten Beschuldigungcn, Kirchengeräthc :c. geraubt zu haben, werden in dieser Dichtung von den! verehrten Antor, der sich aufrichtig und ganz der Sache der Menschlichlei! und Gerechtigkeit widmet, zu nirljtc geinacht. Der Kaiser selbst legt sich ins Mittel nub läßt den Inden durch seinen Machrsprnch Schutz 1111b Schirm äugedeihen. Schon anS diesim Grunde ist dieses Merkchen zu empfchlen und gewährt sicher jedem Leser einige Stunden der Erholung. Gewühlte Sprache, prägnanter Ausdruck/ sowie Ausstattung überhaupt, geben dem | Schriftchen vor vielen ähnlichen den Vorzug. Möge dasselbe eine große Verbreitung sindcn. kr. Korrcsvoiidcilzcil imt! Nüchrichtci!. Deutschland. : Westp reu Herr. Fm-lscyimg und Schluß.) Die bisher gebrachten Silhouetten von Synagogenrcformen als geniale Erfindungen unserer Zeit, werden von Gutuuterrichteten über gottesdienstliche Zustände als treue und wahre Zeichnungen erkannt werden. כי מספר עריך דדו אלקיך יהודה. In der einen Getneinde wird dies und jenes Stück ans der Gebetorduuug verbannt, in der andern werden wicder-Gebctstücke durch Skalpirung oder Ampntirnng bis zur llnfcuutlicbfcit verstümmelt und entstellt und dadurch die Einheit und Einigkeit in Israels Gotteshäusern zerklüftet und gesprengt. So ist'- mit dem Gottesdienst bestellt. — Hören wir doch einmal, wie man jetzt über Reformen der ReligionSsehnle denkt. Ein Familienvater, Mitglied der Gemeindeverwaltung, über dessen Kenntniß der Religion cS mir erlassen bleibe, indiskret zu sein, äußerte sich gelegentlich eines Gesprachüber Religionsunterricht folgendermaßen: ״Wie kann ein NeligionSlehrcr in unserer Zeit beim Unterrieht von der Heilighaltung des ׳מכה dem Schüler sagen, mau dürfe am Labbath nicht schreiben, da das Kind doch den eigenen Vater schreibe» sehe und ltothwendig ans ben Gedanken kommen müsse, daß entweder der Vater oder der Lehrer Unrecht habe. Scheitkt nun das Kind naturgemäß dem Vater mehr Glauben als den! Lehrer, so wird dadurch der Unterricht de- Lehrers ins Lächerliche gezogen, istlimgekehrt, waS nützt'-, das Kind thut ja doch nur so, wie cS im eltcrliehen Hanse vor sich sieht. — Fragen wir aber, welche- Ge- oder Verbot dc-S SabbathS einem solchen Vater denn sonst heilig ist, so lautet die Antwort: keines! Wie aber verhält sich der Lehrer beim ReligionSnnterrieht, wenn neben dem .Kinde eines solchen Vater-, der den Sabbath ösfentlieht entweiht, ein Kind sitzt, dessen Vater streng die Sabbath-Gesetze einhält und eS vom Lehrer wünscht, auch dem Kinde diese einznschärfen? . Hier sieht mau bcuttid) genug, daß, nach religiösfortschrittlichen Begriffen, weder der Rabbiner in der Synagoge, noch der. Lehrer iit der Religionsschnle einen erfolgreichen Wirkungskreis haben können; denn der Erstcre darf über die Gebote und Verbote nicht sprechen, der Andere darf sie nicht lehren. Kann denn da die fortschrittliche Indeuheit noch nicht einsehen, daß ihr jeder Knltnsbeamte überflüssig ist, und weshalb mit sich selbst ein so argetheurc- Pnppcnspie! treiben? —- Der Fortschrittler begnügt sich aber mit der strengen(?) Be-

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