Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1883)
- Article
- Aus dem Raritätenkabinett der Reform
- Date
- 1883-10-10
- Page
- 715 (sequence 2)
- Language
- German
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eine Vekanntwcrdung desselben voraussctzt und solche völlig mit der Absicht des Schreibers übeveinftimmt. Mau darf sich von, im Anfänge ein wenig wunderlich scheinenden Stilblüthcn, wie etwa: ״Die Stimme der Natur heult fürchterlich, wenn sic mit dem Blitzstrahl den Donner grollen lägt", — ״Das Wort, das von den Lippen rinnt", — ״Das innere Leben, das in Worten sich verdichtet'*, — ״Darf ja ich beobachten es als meine heiligste Pflicht", — ״Den Leib von der Seele hinwcgriß", — ״Der Hunger des in uns brüllenden Gewissenslöwen" —, und von Wortznsammcnziehnngen, die für den ersten Blick gewagt erscheinen, wie: ,,An Sabb und Festtagen", nicht abschrecken lassen, denn eben da ist der H .. . begraben, und ans diesen Stellen leuchten, nach eingehenderem Studium, die ״speziellen" Schönheiten unseres Autors hervor. Auch das, was in der ״Peßachpredigt" über das ״Brod", ״Finsterniß des Brodcs", ״Gewand", ״Nisse und Löcher des Gewundes" gesagt wird, gehört in dieses Kapitel. Mit vielem Wortgepränge wird das leidige Thema von der Antignicrnng der fälschlich sogenannten Zeremonialgesetzt der gläubigen Versammlung gepredigt und dieselben als eine Hülle bezeichnet, welche würdig bestattet werden müsse. In einem höchst geistreichen Gleichnisse fährt der geistliche Redner also fort: ״So wenig, als ein Mann, der sich die Braut angelobt und damit die Verpflichtung, für ihr Gewand zn sorgen, daran denken kann, ihr ein Gewand machen zn lassen, daß sie ihr Lebelang tragen müsse, und wenn sie auch tausend Jahre leben sollte, eben so wenig wollte Gott, als er die israelitische Gemeinde angetrant, daß diese das ursprünglich schon vor drei Jahrtausenden verliehene Gewand in aller Ewigkeit tragen soll." Darauf folgt ein heftiger Exkurs ans die ״sogenannten Orthodoxen, diesen Krebsschaden der Menschheit." In prophetischem Geiste schaut darauf der fromme Herr, wie ״nicht die Sünde, sondern Gottes Hand die alten Zeremonien beseitigt hat", wie ״ein anschauliches Bild dieser Zerstörung durch die Orthodoxen die Feier des Peßachfestes ist, welches mehr denn jedes andere Fest' von nichtigen Zeremonien überfüllt und überladen ist." Durum erhebt er sich in heiliger Begeisterung und ruft wörtlich: ״Weg mit ״dieser" Taut!" —Zugleich richten wir aber an alle Gesinnungsgenossen die inständige Bitte, um der guten Sache willen und in gebahrender Suspcktirnng des ehrwürdigen Doktorhütleins, doch ja mit aller zu Gebote stehenden Energie den etwa nach Beendigung der Lektion erwachenden Gedanken: Und auch das will über Jndcnthnm sprechen, auch das wagt sich einen Rabbiner zn nennen! — niedcrzukämpfen. Der Eoitesgelel)rke. S. B. Nosenhain. Längs! ist die Nacht hcrabgesnnken, Die Geisterstunde ist vorbei, Und heiser, matt wie schlafestrunken, Ertönt des Uhus banger Schrei. Längst hat der süße Schlaf entwunden Den! Leben seine frohe Kraft, Und träufelt in zahllose Wunden Oes Traumes milbcu Balsamsajt. Was schimmert dort zur späten Stunde Im -Hänschen an des Dorfes Rand? Und leisen Schalles wessem Munde Sich diese Melodei entwand? Gesprochen, halb und halb gesungen Tönt es hinaus in Ruh und Nacht, Wie Engelharfen saust entklnngen, Ein Lied vom Nachtwind hergebracht. Ein greiser Mann, in weises Sinnen Vertieft sitzt in dem .Kämmerlein, Merkt nicht der Stunden schnell Verrinnen Beim dämmrig trüben Lampenschein. Ein großes Buch liegt ans dem Tische, Drob wieget er sich hin und her, Mit nimmer müder Geistcssrische Durchfurchet er des Talmud Meer. Und von den Lippen leise, lose Fließt ihm das Wort in mildem Sang, Wie eines Silberbachs Getöse, .Hingleitend über'm Bergeshang. Doch plötzlich hält er ein, ermattet Sinkt in den Sessel er zurück, Und von den Wimpern überschattet Verhüllt sich seines Auges Blick. Die Lippe schweigt, und ihrer Worte Rastlose Quelle ist versiegt, Auf des lebendigen Geistes Pforte Unheimlich düst'rc Stille liegt. Rauscht wohl des Schlummers sanfter Flügel Ein lullend um den Forschergeist? — Ist es ein Traum wohl, der die Zügel Dein immer regen Sinn entreißt? — Gar trübe wird des Lichts Geflimmer, Bis cs leis knisternd ganz erlischt, Und mit der Finsternis; im Zimmer Sich nur der Sterne Schimnier mischt. —