Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1883)
- Article
- Des Suckothfestes Angebinde
- Date
- 1883-10-10
- Page
- 714 (sequence 2)
- Language
- German
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714 Menschheit hienicdeu seine Kinder verurtheilt habe; I cs ist nicht wahr, was ein nicht minder irrlhümticher PessimismnS von dem Trübsal faselt, dem kein deglückendes Ende winlt; eS ist nicht wahr, was die Einen von der gewaltigen Macht der Sündhaftigkeit reden, nicht wahr, was die Anderen von dein erdrückenden Gewichl des ökonomischen Leids auSsagen. Gott erlöset von der Sünde. Gott erlöset von der Zorge. Z"~ הן מבעשור הקד,' לה״= רהודיעגי ארה singt unser FenhmnnnS des Snckothlages. ״Am Zehnten hat Er mich für das Veden bestinunt, hat mir lnnd gegeben den Pfad, der zum Veden führt, hat die Vast meiner Zünden mir abgenommcii. mir Verleihung gewährt und verkündet: tritt ein in's Veden, genieße der Erden Freuden!" | Denn was Rosch-Haschanah und Jom-Kippnr gewollt, ist nichts anderes, als die Vehre vom Veden, von einem Veden in ewig ungetrübter Freude, zu welchem jeder Slaubgeboreuc hier auf Erden gelangen könne, wenn er durch die Mahnung deS Rosch-Haschanah des Gnadengeschenks des Jom-Kippur würdig geworden und den Weg des Lebens erkannt hat, den wahrhaftigen ^^ארה ה, auf welchem nicht Roth und Verzweiflung, nicht Zünde und Sorgen Hausen, der nicht von Ztaub zu Moder, von Finsterniß zu Nacht führt, sondern ans dem ewige Wonnen, ungetrübte Freude reifen, gereicht von des allgütigen Vaters Rechten. Wenn wir am ersten und zehnten Tischri den ganzen Ernst unserer hieuiedigen Aufgabe beherzigt und es gelernt haben, uns in jedem Augenblicke vor ״Gottes Angesicht" ]n wissen, und wir in diesen: Bewußtsein uns gelobten, Seinem Gesetze zu gehorchen, Seiner Zlimme zti folgen, nnd in diesem Zelbstgelöbniß unsere sittliche Wiedergeburt sich vollzogest, daun reicht uns Gon am süttfzehttteu Tischri die Früchte der Erde und verlangt von uns den heitern Aufbau unserer irdischen Zläue tmd den freudigen Genuß der Güter, die Seine Huld uns gewährt. Mag die Welt um uns feindlichen oder freundliehen Auges auf uns schauen, mag der Raun:, auf welchem wir uns ansiedeln, weit oder enge sein, ob feste Wälle mtd Mauern uns umgeben oder nur schwache, leicht zerbrechliche Bretter, ob glanzvolle Paläste oder armselige Hütten unsere Wohnungen sind — das gilt gleich. Nicht 'der Menschen Kunst und Macht verleiht uns Schirm mib Schutz, sondern Gott ist cs, der über den stolzen Prachtbau nitd die bcscheidcnste Wohnstätte die Decke Seines Friedens schützend breitet, so der Reiche in seinem Palaste und der Aermsie in seiner Hütte friedlich und glücklich weilen. Und Beide können der gleichen Sicherheit und Ruhe, deS gleichen Schutzes unb Friedens theilhaftig werden, wenn sie Beide in Gott ihren Schutz suchen und Ihm vertrauen. Er, dessen ענגי כבוד, dessen schirmende Wallung Israel auf seiner Wnstenwanderung trotz der Unbillen der Natur, trotz der Feindseligkeit der mächtigen Umgebung sicher zu geleiten wußte, Er ist auch heule eines jeden Menschen Schirm und Schutz, der vor Seinen! Angesichte sich die Hütte errichtet und Ihm vertrauend, sich und die Seinigen weiht. Und ob viel oder wenig unser Thcil wird, in Allem und mit Allem können und sollen wir die Frettde vor Ihn! gewinnen. Ob uns die Fülle des irdischen Gutes, wie sie der Ethrog reprüsentirt, ob uns die Dürftigkeit der Weide bcschieden ist; — Freudigkeit der Seele, Heiterkeit des Gemnths können und sollen wir bamit erreichen. בל תהי מצות סכה בעיניך קלה ב' כנגד כל מצות דת הקותיה "קולה. So umfaßt die Snckothlehre den Inhalt deS ganzen göttlichen Gesetzes, welches ja durch alle seine Vorschriften den Frieden und die Freude auf Erden anbahnen will und sein höchstes Ziel in Gewinmtug der vollkommensten Heiterkeit durch die Ver- Wendung aller den Menschen verliehenen Gaben nach Gottes Willen setzt. So zeigt uns das Prophetenwort auch als Endziel der Erziehung des Menschengeschlechts daS Suckothfest, welches dann nicht nur von Israel allein, sondern von der gcsammten Menschheit begangen wird, und wo die Weihe deS irdischen Lebens durch die Unterstellung desselben unter Gottes Sillen den heitern Genuß zur Höhe deS Heiligen emporhebt. והיה כל פיר בירושלים וביהודה קדש לדי צבאות. (Schluß folgt.) Ailö dein Nnritätciiknbliiet der Reform. Bon G. L. Neutra, im September. Die in Nr. 3'i dieses Blattes mitgetheilte Assairc, die sich in der Lokalität des hiesigen VcsevcrcinS abgespielt hat, erlebte außerhalb desselben folgende interessante Fortsetzung. DaS bekanntlich geforderte Mitglied dieses Vereins wendete sich an den ״geistlichen Herrn" in Mariahilf mit der Bitte, sich darüber zu ünßcrn, ob der Ansspruch: daS Mazzot essen und daS Fasten am ״Jom Kippur" sei eine ״Kardinaldummheit" wirklich von ihm herrnhre oder nicht. Daraufhin langte von ״oben" an den betreffenden Herrn ein Schreiben herab, dessen Lesung uns eine so heitere Stunde verursachte, daß wir cs uns nicht versagen können, einiges daraus dem Leserkreise deS ״Ieschnrun" mitzntheilen, um so mehr, da im Briefe allch eine sogenannte ״Pcßachpredigt" eigenthnillkichen Genres enthalten ist. Um unö gegen die Anschuldigung zu verwahren, eine Indiskretion begangen! zu haben, bemerken wir, daß ja der Anlaß zum Briefe