Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1883)
- Article
- Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
- Date
- 1883-10-04
- Page
- 710 (sequence 2)
- Language
- German
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710 Berichte und ooüftänbigcn Freisprechung dcö vierten derselben. Der Staatsanwalt, welcher gegen den Hauptschuldigen Baksa die Todesstrafe beantragt hatte, appellirte, aber ohne Erfolg. ES scheinen überhaupt Disfercn;en;wischen Staatsanwaltschaft und Statarialgerichtshos vorhanden gewesen;n sein. — — Die Ruhe ist bislang in! Lande so ziemlich beständig geblieben. Nur anS VcSzprym ivird vom 24. d. MtS. ein Iudenkrawall gemeldet. In Boldogja und Saloinvar brannten die Häuser der Inden nieder. Während man alt erslereut Platze bei! Thätcr erwischt hat, ist dies in letzterem Orte noch nicht gelungen. -- Karaktcrislisch ist die Aenßcrnng eines Bauern bei der Verhaftung seines als Execdenten verdächtigen SohneS: ,,lÜtcin 301)11 sitzt im Gefängnis;, während die eigentlichen Schuldicien ans freiem Fuße sind." — Ja, da drückt der 2(1)111), das ist der kritische Punkt, wie ich schon früher bemerkt! Ehe nicht gewisse Herren hinter Schloß und Riegel sitzen, so lange noch ein Isloczy ein Prograntln für die NeiehStagSwahlen ungestört entwerfen darf, kann von einer gänzlichen Unterdrückung der Belvegung keine Nede sein. — — — Der Abgeordnete Ern ns; t vernrthcilte in einer Rede vor seinen Eisenbnrger Wählern die antisemitische Bewegung als eine den guten Ruf und die materiellen Interessen Ungarns schädigende, während dessen Kollege Pazmanöy sich für die Ausschließung der orthodoxen Inden anS der Reihe der vor dem Gesetze anerkannten religiösen Genossen schäften erklärt hat. — Bemerkenswcrth ist ferner ein Anerkennungsschreiben des reformirtcn Bischofs Gabrieel Pap an den Nagy - Bajomcr^Seclsorger Stefan Esivanläßlich .'.dessen Einschreiten zur Verhinderung antisemitischer Exzesse. ES heißt darin u. A.: Als Ungar schäme ich ntich, daß diese unglückselige Bewegung in Ungarn so ekelerregende Orgien hcrvorgerufcn. — Schließlich bleibt mir für heute noch die Erwähnung eines Erlasses des Kultusministers Trcfort an die Obersehuldirektoren übrig, in welchem er anläßlich des Faktums, das einige unter den Mittclschul-Profcssoren selbst bei öffentlicher Gelegenheit ihre antisemitische Gesinnnng geäußert haben, die einzelnen Mitglieder der Profcssorenkörper aufmerksam macht, ״daß sie. die Tragweite ihrer Stellung richtig erfassend, unter den obwaltenden bedauerlichen Verhältnissen, sowohl in der Ocffenllichkcit wie im Lehrsaalc — in ihren Worten lvic in ihren Ausdrücken — Alles sorgfältig vermeiden mögen, was in der erwähnten Richtung auch nur zur geringsten Bemerkung Veranlassung bieten könnte." Fr an kr eich. Paris, 24. September. Ans Eonstantinc (Algerien) melden, nach einen! Telegramm der ״Frkf. Atg.", Privatnachrichten, daß betrunkene Soldaten einen Laden im jüdischen Stadtviertel plünderten und mehrere Israeliten, sowie Polizisten verwundeten. Militär half die Ruhe wieder herzustellen. — — Bei der Wahl eines Depntirten im ersten Arrondissement hat es sich gezeigt, daß der AntisentitismuS hier absolut keinen Boden findet, trotz aller Bemühungen, die man von auswärts ntacht, in Paris wenigstens so viel von diesen intoleranten mittelalterlichen Tendenzen eiuzubürgern, daß inan hier nicht mehr Grund hätte, auf die jndenfeindlichen Strömungen in anderen Städten und Ländern mit zuviel souveräner Verachtung hcrabzuschcn. Trotz aller Verläniudnugen und Wühlereien, trotz der vielen rothen Plakate und Zettel, durch die man versuchte, den nntisemitischen Kandidaten dnrchznbringcn, hat dieser, wenn wir dem offiziösen Organ ״La Paix" glauben, keine einzige Stimme erhalten. Non Seiten des sogenannten autisemitischcn Kandidaten wird zwar behauptet, man habe unter den mehr als neuntausend abgegebenen Stimmzetteln seinen Namen einundzwanzig Mal gefunden. Hoffentlich wird er mit diesem vingt et im für immer auSgespielt haben. Numäuien. * Bukarest, 15. September. Das Zentralkomite für die Ansiedelung rumänischer Inden in Palästina hat «׳inen Ausruf erlassen, in welchen! es eindringlich um reichliche Spenden für die bedrohte Existenz der Kolonie zu Sam marin bittet. Nur wenn die hiefür erforderlichen Mittel aufgebracht werden, vermag eS seine Thätigleit fortzusetzen. In Folge dessen hat sich hier ein Lokalkomite gebildet, um persönlich die Sammlung für diesen hochwichtigen Zweck zu unternehmen. Möge dasselbe in seinen Bemühungen recht glücklich sein. Auch an anderen Orten wird in der gleichen Weise vorgegangen. Amerika. * Anläßlich einer in Nr. 52 dieser Zeitschrift enthaltenen, das ״trescnc" Gasimahl bei dem Kongreß der zum iüdisch-amerikanischen Gemeindebund gehörigen Gemeinden betreffenden Korrespondenz ans Eineiunati, sicht sich die zu Eineiunati erscheinende ״Debora" zu folgender Bemerkung veranlaßt, die wir als passendste Kennzeichnung des spezifisch ״amerikanischen Judenthuins", wie es mit besonderer Emphase von Herrn Wisc, dem eigentlichen Urheber des amerikanischen!Rabbiner-Seminars, genant wird, hiermit etwas tiefer hängen wollen: ״Der ״Ieschnrnn" (Hirsch'S) ist ganz unglücklich darüber, daß die Gemeinde-Vertreter der Union in Eineiunati Austern und SchrimpS gegessen haben. Möge sich unsere Kollegin immer trösten, denn die Herren waren bei so gutem Appetit, daß die trefcnen Kleinigkeiten בםל geworden, nicht bloS הד כתרי;, sondern בשדים in! ganzen koscheren Dinner. Die anwesenden Rabbincn haben das gleich eingcsehen."