Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1883)
- Article
- Salomonische Spruchweisheit
- Date
- 1883-10-04
- Page
- 696 (sequence 2)
- Language
- German
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696 Das Seid thörichtcn Dünkels macht Lärm, ׳ Und ist doch Unwissenheit, und weiß eben Nichts, Und sitzt an der Thür ihres Hauses, Ans Thronsessel auf den Höhen der Stadt, Die ihres Weges ziehen anznrufcn, Die ihre Pfade gerade richten: Wer unbelchrt ist, konnue hierher, Und wem das rechte Herz fehlt, sie redet ihm zu: Gestohlene Wasser sind süß, Und Brod der Heimlichkeit thnt wohl! Und er weiß nicht, daß Abgestorbene dort sind, Zn die Tiefe der Gruft ihre Geladenen gelangen. (9,13—18.) Zwei einander entgegengesetzte Lehren sind es, die ans die Gemüthcr der noch nicht zum selbstständigen Denken gelangten Unbclchrten und Unerfahrenen Einfluß gewinnen können, die Eine führt zum Leben, die Andere zum Tode. Die göttliche Lehre, der Inbegriff aller Weisheit (הכנ*ות), hat sich nicht damit begnügt, allgemeine Wahrhcitssätzc ausznsvrcchcn, sie hat ״ihr HauS" geballt, hat das ganze Gebäude eines Menschen- und Volksdascins auf ihren Grundsätzen aufgcführt, hat es auf ״sieben Säulen", den Säulen ihrer ״Bollkommeuheit" gestützt — (nach 116 שכת,a. den sieben Büchern des Gesetzes, das vierte Buch durch פרשת ויהי [פנס! ע zu drei Büchern gctheilt, parallel den sieben SchöpfnngStagen des andern Werks göttlicher Weisheit. פנהדרץ 38, a.) — hat das unter ihrer Acgide zu entwickelnde Leben mit allen ״nährenden" und ״beglückenden" Lehren lind Vorschriften in allen Einzelheiten ausgeführt und als שולחן ערוך, als geordneten Tisch für die geistige und sittliche )tahrung ihrer Menschen bereitgcstellt, ttild hat ihre Dienerinnen, ihre Lehrer, Propheten und Weisen, durch deren Mmld die תקרא, sie ruft, auf eine das ganze menschetigesellschaftlichc Lebet! überblickende und beherrschende Anhöhe ausgcsandt, und ruft nun durch deren Mmid die noch Unbclchrten, ja die noch an geistiger Fassenskraft Mangelhaften auf, die von ihr für Geist und Gemüth bereitete, Kraft mib Freude gewährende Nahrung in sich allfznnchmen, fordert sie auf, die Gemeinschaft und das Beispiel Uinvissender zu verlassen, und an ihrem Tische Leben zu gewinllcu und zu ihrem Heile den Weg der Einsicht zu beschreitcn. Die andere, die Men scheu-Lehre, hat uoch überall lein Gebäude fertig gebracht, sie, ein geräuschvolles, vom thörichtcn Dünkel befangenes Weib, sie macht viel Lärm von sich und ist doch die vollendete Unwissenheit in allem Dem, was dein Menschen vor Alle!!! zu wissen Noth thnt, ja, ihr Stolz ist, daß sie Nichts weiß, nichts weiß von all dem ״idealen" Höhern, von den! andere Menschen so thöricht sind, sich ihr sinnliches Leben verkümmern zu lassen, von dem sie aber glaubt, daß man davon überall nichts wissen kann und das als Märchen und Dichtung die Menschen um den Genuß ihres Lebens bringt. Auch diese Lehre sucht Propaganda zu machen, sie hat freilich kein Gebäude in! Ganzen und Einzelnen ausgeführt, das ist ihr viel zu ernst und mühsam und auch überflüssig, ihre Lehre ist einfach und leicht zu fassen und kann in Wirklichfeit auf Einem Fuß stehend oder im Vorübergehen erlernt werden. Sic spricht auch nicht von einer die Höhen des menjchengescllschaftlichen Lebens überragenden Höhe herab. Ein solches Höhere gicbt cs ja für sie gar nicht. Aber gleichwohl auf den Höhen der Menschengcsellschaft hat sic ihre Wohnung genonnnen, denn eben in den oberen Schichten rechnet sic an! Meisten auf Sympathie und Jünger, dort stellt sic sich an der Thüre ihrer Wohnung einen Thronsesscl zurecht, die in ihrer Unschuld des Weges ziehen und die noch so einfältig sind, ihren Wandel auf das Gerade und Rechte zu richten, herbeiznrufcn; ״Unwissende" nennt sic sie, ״Verstandlose", die von der rechten Lebens- Philosophie nichts wissen. Sie sollten es nur einmal versuchen, abweichend von den! geraden Wege das Verbotene zu kosten, wie süß verbotene Wasser sind und eben durch das Verbot nur noch an Süßigkeit gewinnen Der großen Menge, der Oesfentlichkeit müsse man freilich das Sittengesetz lassen. Aber in 2תריכ, privatim und für sich lache jeder Vernünftige der für das ״Volk" berechneten sogenannten Moral und wisse sich das Angenehnte sinnlichen Wohlgenusscs zu gönnen. Wer dem Verlockenden dieser Lehre Gehör gicbt weiß aber nicht, daß ihre Hand nicht zum Leben, sondern zum Tode führt, dein wahren Leben Abgestorbene den Kreis ihrer Jünger bilden, und die zu ihrem vermeintlichen Lcbensmahl (geladenen in der Tiefe des irdischen Grabes enden. — Der Merstrcit der Wlhteil. Aus dcu Auszcichuuugcu ihrer Mutter mitgctheilt von Sulamith. Es war an! Nosch - Haschanah Vormittag. Der Rabbiner hatte die Kanzel bestiegen; in tiefer Bewegung hing die Gemeinde an den Lippen des hochgeschätzten und geliebten ehrwürdigen Greises. Er sprach von der hohen Bedeutung des heiligen Augenblicks, in welchem der Ton des Schofar sich erheben werde, uns vor den Nichterstnhl Gottes zu laden, den! alle geheimsten Gedanken des Sterblichen offenbar sind. An den eben j verlesenen Abschnitt aus dein Gottcsworte ankuüpfend, wies er ans die hehren Gestalten Abrahan! und Isaak hin, wie sie einmüthig zum schwersten Opfer entschlossen waren, um dem Befehle Gottes Gehorsam zu leisten; wie sie eines Sinnes und eines Herzens, Vater und