Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1883-09-27 · Heft 39 (27.9.1883) · p. 689

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 39 (27.9.1883)
Article
Deutschland : M.-Gladbach [Nachricht]
Date
1883-09-27
Page
689 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2932754-2932996-2933035--13652-2954329
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

M> 39. Jeschnrntt. 689 C. M.-Gladbach, 21. September. Am Freitag, den 14. September, Nachmittags, wurde die nenerbaute Synagoge ihrem gottesdienstlichen Zwecke übergeben. Nicht allein die jüdischen Gemcindemitglieder, auch die christliche Bevölkerung der Stadt bethciligtc sich an diesem Feste. In den! Festzuge von der alten Synagoge ins neue Gotteshaus erblickte man auch die ftäbti׳ scheu Beigeordneten, eine Anzahl Stadtverordneter, Mitglieder des Presbyteriums re. Oie Straßen, welche der Zug passirce, waren dicht von Menschen besetzt und die Häuser festlich geschmückt, kurz alles zeugte von der innigen Thciluahme der nichtjüdischen Einwohncr an dem Feste ihrer jüdischen Mitbürger. Es ist dieses gerade in unserer Zeit um so bemerkenswerther, da schwere Stürme über unser Haupt dahinziehen, und die Städte zu zählen sind, in denen die völligste Harmonie der Bekenner aller Konfessionen herrscht. x Steele, 21. September. Am 14. d. MtS. fand unter zahlreicher Bctheilignug der jüdischen und nichtjüdischcu Bevölkerung die Einweihuugsfeier der hiesigen neuen Synagoge statt. O e st e r r e i ch - U n g a r n. P. Lemberg, 19. September. Bezugnehmend auf meine Korrespondenz in Nr. 22 Ihrer geschätzten Zeitung theile ich Ihnen mit, daß der Kassationshof zu Wien das seinerzeit allgemeines Aufsehen erregende Urtheil des hiesigen Schwurgerichtshofes, welcher den des Mordversuchs angcklagten Jsaac Bienenstock aus Nowosiolki zu 19 Jahren durch dünkelhaft verschärften schweren Kerker vcrurtheilte, aufgehoben und die Sache vor dasselbe Schwurgericht, welches natürlicherweise aus anderen Richtern zusammengesetzt wird, zur nochmaligen Aburtheilung überwiesen hat. *||* Pest, 21. September. Die Ruhe auf dem Schauplatz der Exzesse ist äußerlich so ziemlich wieder hergesteklt. Immer neue Exzcdenteu werden verhaftet. In Szala-Egcrszcg trat gestern das Standgericht zusammen. Die Einzelheiten der Verhandlung vor demselben bieten kein besonderes Interesse. Ilcberall ist noch Militär stationirt, natürlicherweise zur Unzufrieden heit der Bevölkerung, welche dasselbe gern los sein möchte. So meldet mau z. B. aus Zala- EgcrSzcg, daß eine Deputation beim Vizegcspan erschien mit der Bitte, das Militär zu entfernen; doch wurde ihr Gesuch abgeschlagen. Dagegen wird ans Szcnt Groth das Militär fortgezogcn. da sich daselbst eine aus etwa 200 Einwohnern bestehende Vürgerwchr gebildet hat. Auch eine große Anzahl von Juden ist in dieselbe eingetreten-. Die Familie Scharf gedenkt in Holland ihr Domizil zu nehmen. — Bei einem Bankett, welches dem Ministerpräsidenten Tisza zu Ehren in Großwardein veranstaltet wurde, äußerte sich derselbe über die judenfcindlichc Bewcgung etwa folgendcrrnaßen: Die Judcusragc sei eine Frage des Rufes und der Ehre Ungarns. Die Judenfciudlichkeit hänge die Fahne ״Antisemitismus" ans, sic bezwecke aber nichts anderes als Raub und Mord. Darum sei die antisemitische Bewegung eine Bedrohung der allgemeinen Sicherheit und involvire die höchste Gefahr für Leben und Gut sämmtlicher Volksgenossen. Die heiligste Aufgabe der Regierung sei es darum, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln dagegen cinzuschrciten. Sie kenne nur ehrenhafte und nnehreuhafte Staatsangehörige. Jeder redliche Patriot möge den ehrenhaften Mitbürger zu sich heranzichcn ohne zu fragen, wie er seinen Gott verehre. TiSza trank auf das Wohl der Großwardcincr jeglicher Religion und Nationalität, ans das Wohl Aller, die sich im Dienste der Bildung und deS Liberalismus bewähren-. Frankrei ch. *2* Paris, Ende Aw. (Schluß.) Präsident des erwähnten Beth - hamidraschvcrcins ist Herr 1)1׳. nitul. Theodor K lein, dessen Vater der Grand - Nabbin Salomon Klein s. A. in Kolmar nicht nur für dieses Institut selbst, sondern für das Thorastudium in Frankreich überhaupt einen mächtigen Impuls gegeben. Derselbe schuf auch eine ganze- Literatur, hebräische Grammatik, Wörterbücher 2c. 2c., die uns heute den Unterricht wesentlich erleichtert. Sein berühmtes Werk: ״La vorite sur la Talmud", von dem eine deutsche Uebersetzung erschienen, müßte universell bekannt sein, um die Angriffe gegen den Talmud überall verstummen zu lassen. Herr Di׳. Th. Klein ist trotz seiner ausgcdehnten Praxis und seiner fleißigen literarischen Arbeiten für die medizinische Wissenschaft fortwährend für jüdische Interessen eifrig thätig. Als' Student hatte er schon einen Kreis von Schülern, die er im Talmud unterrichtete, um sich geschaart. Seine gelehrte und journalistisch geübte Feder wehrt geschickt die Angriffe ab, die in französischer Sprache gegen das Iudenthum von außen und leider zu hänsig auch aus ׳unserer eigenen Mitte gegen nufere heiligen Ucberliefernngeu gerichtet werden. Bei der allgemeinen Anerkennung und Beliebtheit, deren er sich erstellt, würde er bei der Ausstellung seiner Kandidatur für die Konsistorialwahlen ans eine .bedeutende Anzahl Stimmen rechnen können. — -- Von anderen Zentralpunkten des Talmudstndiums erwähne ich noch daS große und das kleine Veth-hamidrasch der russisch-polnischen Israeliten. Man trifft dort gleichfalls Geschäftsleute und Arbeiter Morgens und Abends zu regelmäßigen Schiurim vereinigt. In dem großen Beth-hamidrasch hält Herr Rabbiner Lewin seine Vorträge. Gelegentlich seines

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.