Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1883)
- Article
- Kollektiv-Berichte aus Ungarn
- Date
- 1883-09-27
- Page
- 678 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932996-2933035-2954274--13631-2954318- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
678 1!nb laut johlen: ״Hoch Jstoezy, haut nieder die Juden!" \ Und wem von den בני אברהם יצחק ויעקב rollt j Fischblut in den Adern? Wer von den רהבונים בני j רהמניב ift nicht niedcrgebeugl und unglücklich, so er i lieft und hört, dag unschuldige Slammesgenosscn, die : nichts anderes verbrochen haben, als dag sie Juden! sind, aus schrecklichste Art aus ihrer Ruhe ausgescheucht, ihrer Habe beraubt, aus ihrem Heim von Hof und Herd verjagt, nur mit Mühe das nackte Vcbcii retten konnten, und wer trauert nicht im Stillen über jene Unglücklichen, die auch ihr Vebeu eiubüßeu mußten! — Aber den Kongrcgjndeu wollen wir'S mit allem Nachdrucke an's Her; legen, dag sie nicht bei jedem Anlässe den Mund voll nehmen, um ans die Orthodoxen, deren Sitten und Gebräuche zu schimpfen, und diese für die beiden und Drangsale der Zeit verantwortlich zu machen. Sehet doch, liebe StammcSgenosseu, ihr handelt in mancher Beziehung nicht besser und nicht edler wie die Antisemiten, gleich jenen machet auch ihr sür die Fehler der Einzelnen die Gesamnuheit verantwörtlich. Wenn ihr von einem orthodoxen Juden ein Unrecht begehen sehet, da verpönt und verdammt ihr die Gesammtorthodoxie, und wenn ein orthodoxer Jude durch seine strenge;Rechtlichkeit und Redlichkeit euch j Achtung abgewinnt, da heißt cs: dieser ist eine AuS-! nähme, schade dag er orthodox ist. — Glaubet cs, so! wenig die orthodoxen Inden die gegenwärtigen Tumulte! verursacht 'haben, ebenso wenig ha! je 1111b wird je die : Moral der Orthodoxie גלית *Veiten erzeugen. Heute ׳ ists mehr 'Jecid als Hag, der die Hetzen veranlagte, und wahrlich, die wenigsten orthodoxen Jtlden haben den Neid der Jsraeljeinde wach gerufen'. Möge nun mit dem jüdischen Kalenderjahre auch alle Ovalen und Veiten Israels zur Neige gehen, möge das bevorstehende neue Jahr Glück, Heil und Segen, Ruhe, Frieden 11ub Freuden uns bringen, «lögen sich bewähren die Worte: תבלה שנח וקלקלותיה ,תהלה שנה וברכותיה. Ihnen, sehr geehrter Herr Redakteur, und den Freunden deS ..Jeschurun" wünschen wir noch besonders .לשנה עובה תכתבו ותהתמו Aus der ersten Hülste unseres Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Friedrich (.'UU• t'orKtialuu ״Woher ich das weiß? — ja, gesagt hat cs mir Keiner und Du darfst eS auch Keinem sagen — aber," suhr sie in leisein, säst flüsterndem Tone fort, ״wenn der Vater wissen möchte, wo Mirjam ist, da war cr längst hin und hätte sie geholt. Du mußt ttämlich wissen, Köln, die Mirjanr ist brav — o wie brav —.״ ״Und Du meinst, das wüßte ich nicht?" rief der Knabe feurig, ״seit die Mutter tobt ist, giebt'S auf der ganzen Welt keinen Menschen, der so brav ist, wie Mirjam — heißt das, Du bist auch so brav —" ״Aber so wie Mirjam bin ich doch nicht," sagte Veah lächelnd. ״Das muß ich selber sagen und Du darfst cs auch, denn Mirjam, Mirjam — weißt Du, ich denk' mir, die Mutter hat's ihr gesagt, bevor wir hierher nach Wölkersdorf gekommen sind, dag der Vater Euch hier will taufen lassen, uub von deswegen ist Mirjam fort, ich weiß nicht wohirt, unb die Mutter hat nicht gewußt wohin und der Vater weiß cs auch nicht." ״Uitd sie kommt iticht heim?" ries Jakob voll Schrecken, ״das weißt Du sicher?" ״Das weiß ich sicher, ganz sicher, sic kontnlt nicht." ״Sie kommt nicht! sie kommt nicht! und Du gehst fort! —" cr rang fast verzweifelnd die Hände. ״Aber was fange ich denn an? — wer wird denn nun das Fleisch koscher machen auf Alles acht geben?" Die Alte zuckte die Achseln. ״Wer wird das thun? - ׳ Keiner. Wer gelaltft ist, will von Judesein nichts wissen; hier in's Haus fonuut kein Loth Koscherstcisch mehr." ״Da lverde ich auch kein Loth Fleisch hier im Hause mehr essen darauf kannst Du Dich verlassen, Veah." ״Ich glaub' Dir, .Kind," sagte Veah, indein sie ihn an sich zog und ihre Hattd wie segnend auf sein Haupt legte, ״Du bist auch brav wie Mirjam und wenn die Mutter selig Euch zwei sehen kann, so hat sie droben im Himmel noch ihre Freude an (Sud). — Alsdann Fleisch wirst Du uic mehr hier essen, wenn ich fort bin?" ״Nie," bethencrte der Knabe, ״keinen Bissen." — Die Alte überlegte, sollte sie das Kind anfmerksaut machen, dag eS auch außer Fleisch noch gar mancherlei Speisen gebe, deren eS sich im Hanse seines Vaters fortan enthalten müsse? — Nein, dazu konnte sie sich nicht entschließen, der Knabe hätte Hungers sterben können, hätte ' er Alles moibc» wollen. — Mochte cr sich nur alles dessen enthalten, was ihm als uuerlaitbt bekannt war, das erschien ihr vorläufig genügend. ״Kobi," begann sie von Neuem, als sie das letzte Stück ihrer Effekten — sie befand sich eben beim Packen — in trn großer! schwarzen Holzkosse'r geschlichtet׳ hatte, ״Kobi, 'morgclt in der Früh' fahr' ich heim zu meinem Schwager -- Du weißt, cr hat längst gewollt, daß ich zu ihm kontm' — um sechs kontmt der Stellwagen da vorüber, — ich hab'S dem Peppi schon gesagt, daß