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Jeschurun · 1883-09-27 · Heft 39 (27.9.1883) · p. 677

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 39 (27.9.1883)
Article
Eine "moderne" Predigt
Date
1883-09-27
Page
677 (sequence 2)
Language
German
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677 eines Bar Kochba u. s. w. dem jüdischen Volke auch nach dieser Richtung hin unvergänglichen Ruhm sichern; auch unsere opfermuthigcn und opferfreudigen Märtyrer, die mit Thränen und Blut geschriebenen Blätter der Geschichte unserer קהלות הקדש שמסרו נפשם על קדשה השם, die מנשרים סלו ומאריות גברו sielen uns ein. und wie nach jüdischen Begriffen איזה כבור הכובש ־־- — ,את יצרו aber cs scheint nun, daß wir uns geirrt haben. Und ferner glaubten wir, das; der Berus des jüdischen Volkes ein ganz anderer sei, als Erobcrnngcn zu machen, noch dazu a la Eyrns, Alexander und Cäsar; wir glaubten, das jüdische Volk habe von seinem Schöpfer den Berns erhalten, das Ideal des Rechtes und der Sittlichkeit in Mitten der Völler hochzuhalten und für die Verwirklichung dieser Priuzipicn im Einzel-- und Völkerleben zu wirken, nicht durch das Schwert, sondern durch das Beispiel einer Nation, die ihr ganzes Leben, privat und öffentlich, nach Gottes unabänderlichem Gesetze regelt. Wie gesagt, mir glaubten dies. Jetzt ein anderes Bild. Redner steht, wie er selbst sagt, ans dem Standpunkte von שים und פוסקים, aber, fügt er hinzu: ״Religion begrenzt von der Wissenschüft, Wissenschaft begrenzt von der Religion!" Wissenschüft begrenzt von der Religion, das läßt sich oersichen, Redner will, wenn die Resultate der ״Wissenschaft" mit תורתעו הקדושה kollidircn, letzterer den Vorzug geben; aber, was ein auf dem Standpunkte von ש* ס ופוסקים stehender Rabbiner unter ״Religion begrenzt von der Wissenschaft" sich denkt, — wir müssen gestehen, das geht über unseren Horizont. Auf irgend welche מצוה läßt sich dieser Satz doch nicht anwenden, denn welcher מצות sollte die ״Wissenschaft" wohl feindselig gcgeuübcrslehcn? Bliebe nur B. die Erschassnng der Welt. Auf Grund unserer תורה ist die Welt 5043 Jahre alt, die ״Wissenschaft" meint: so und so viel Millionen Jahre, — soll das heißen, oder richtiger darauf Anwendung finden, der Satz ..Religion begrenzt von der Wissenschaft?" ja, aber der geehrte -Herr sagt doch auch umgekehrt. Also? נעשה ונשמע heißt jetzt: ״wir wollen and) 11)1111, was wir glauben;" nicht wahr, cs geht doch nichts über eine tüchtige Exegese. Difficile est satyram non scribere. i1! Kollektiv-Berichte aus Ituprii. XXII. Die ungarisch: jüdische Predigtlitcratnr ist wohl nicht neu, aber noch sehr dürftig, und cs ist ein merkwürdiger Zufall, daß die erste ungarisch-jüdische Predigt Anfang der 1840er Jahre von dem in Polen geborcncn streng-orthodoxen Rabbiner zu Papa abgehalten wurde. Der verstorbene Leopold Löw ans Szegcdin hat wohl das Prioritätsrecht sich vindizirt, doch wie uns von glaubwürdiger Seite versichert wird, hat der selige Rabbiner -Horowitz ז צ" ל früher als Löw eine ungarische Predigt gehalten. Und nun ivas geivahrcn wir? In den Komitaten Zala und Somogy treiben die Antisemiten ihr Unwesen. Dort in jenen Komitaten, wo die wenigsten orthodoxen Juden zu finden sind, und fast keiner mit hcrabhängenden Ringellockcn anzutresfen in, wo fast alle Gemeinden auf Basis des Kongreßstatutcs sich organisirten, wo die ungarische Sprache in -Hans, Familie, Gesellschaft, Gemeinde, Synagoge und Schule ihre Triumphe feiert, wo cs beinahe kein jüdisches Kind mehr giebt, welches ein deutsches Wort versteht, wo fast in allen Synagogen die ungarische Sprache cingeführt und von allen jüdischen Kanzeln herab in der Landessprache zu den Gemeinden gesprochen wird, dort wo selbst der Talmud von einem Rabbiner in ungarischer Sprache arg maltraitirt wurde — in diesen Komitaten herrschen augenblicklich die betrübenden Tumulte, werden Inden geschmäht, beschimpft, geschlagen, verjagt, beraubt, gemordet —; sic, die so eifrig ihre Sprache, Namen und Sitten denen des Landes akkomodirten, auf ihnen lastet der Fluch der Schrift: והיו הייך תלואיס לך מננד ופהדת לילה ויומם ולא תאמי; בחייך בבקר תאמר מי יתן ערב ובערב תאמר מי יתן בקר מפהד לבבך אשר תפחד וממראה עיניך אשר תראה. — während in den Gcspanschaftcn Ung, Bereg, Marmarosch re., wo die Juden orthodox sind, an beiden Schläfen Ningellocken tragen, von der ungarischen Kultur noch wenig beleckt sind, diesen kein Haar gekrümmt wird, sie legen sich ruhig nieder und werden aus ihrem Schlafe nicht gestört. Bewahre, nicht Schadenfreude ist's,- die uns diese Worte in die Feder diktirt; Gott, der Herz und Nieren prüft und die geheimsten Regungen unseres Herzens kennt, Er weiß es, welch' unaussprechlicher Schmerz unser Gemüth durchzuckt, wie unser Herz blutet, unsere Seele weint, so oft wir an das traurige Geschick unserer arg bedrohten Stammesgenossen erinnert werden, und wer weiß wie bald wir selbst ihre Lcidensgenosscn werden, es ist ja auch die Lust in der wir leben nicht rein und frei von antisemitischen Agitationen, und welcher Jude in Ungarn weiß es denn, was ihn: bevorsteht, was der morgige Tag ihm bringen mag! Und cs sind ja nicht blos Kongrcßlcr, welche die Jstoczyancr zum Objekt ihrer verwerflichen Umtriebe sich erkoren, wir sehen ja, daß auch die ״Ringcllocken" keine TaliSmanc sind, in Groß-Magendorf re. ereilte das traurige Geschick orthodoxe Inden. Es ist zur Stunde wohl noch ruhig um uns her, und doch übcrläuft uns eine Gänsehaut, wir hören im Geiste Fensterscheiben klirren

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