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Jeschurun · 1883-09-27 · Heft 39 (27.9.1883) · p. 676

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 39 (27.9.1883)
Article
Der Antisemitismus in Hannover
Date
1883-09-27
Page
676 (sequence 2)
Language
German
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676 uh1ä will cs fa1!cn, wenn in der hiesigen konservativen Post״ durch ein Inserat ein ״Verein gegen die Inden behuso Wahrung der Interessen des Handwerker- und Kausmannsstandcs" al* in Bildung begriffen angezeigt wird? Die bisherigen (Gesinnungen des größten Thcils unserco .hannoverschen Handwerker- und Kaufmannsstandeö bürgen dafür, daß der projcktirtc Verein nicht über das Projcklirtwerdcu hinauickommcn wird. Noch;11 lebendig lebt in unserem Gedächtnis; die Ausnahme, die dem Allvater der ganzen heutigen anlijüdischcn Dewegllng. Herrn Stöcker, als er auch in unserer Stadt seine giftige Saat auszustrcucn gedachte, gerade von Leiten der Arbeiter zn Theil wurde; wir haben nicht vergessen die das Treiben der Antisemiten verurtheilendcn Aeußerungen der Väter unserer Stadt, zur Zeit, als die nunmehr ihre höchsten Wogen treibende Bewegung gerade im Entstehen begriffen war — und darum dürfen wir unbesorgt in die Zukunft schauen; unsere Stadt ist nicht das geeignete Substrat für den Bacillus der antisemitischen Krankheit, unsere Stadt ist viel zu gesund in ihren Verhältnissen und Anschauungen, als daß sich das Kontagium von der Ncichshauptstadt an der Spree auf die Königl. Residenzstadt an der Leine einimpfen ließe. Wenn auch ein Keim sich zu uns verirrt hat, noch che er sich einnisten kann, ist er zerstört, zerstört durch die Stimme des Volks, durch das Organ, aus welchem der Mund eines großen Theils unserer Hannoverschen Mitbürger spricht. Der Artikel, welchen die hier erscheinende ״Deutsche Volkszeitung (Neue Hannov. Landeszeitung)" anläßlich jenes oben erwähnten Inserates enthält, giebt den Beweis, wie man hier von ״christlichffozialcr" Seite inspirirte iudenfcindliche Bestrebungen aufninunt, und verdient deshalb auch weiteren Kreisen bekannt gegeben zu werden. Auch der Verfasser jenes Artikels fühlt die Konscgnenzen heraus, welche dcrAntisemitisln.ns haben kann, und gerade die jeden wahren Menschenfreund Lies erschütternden Vorgänge in Rußland und Ungarn sind cs, die ihm die Feder in die Hand gedrückt, um das im Keime zu ersticken, was sich selbst überlassen zu solchen Scheußlichkeiten führen kann. Der Verfasser ist nicht blind den Schäden unserer sozialen Verhältnisse gegenüber, — aber die Inden als alleinige Ursache derselben anzusehen, scheint ihm nur ein Mittel gewissenloser Menschen zu sein, um gegen die Juden aufznhetzcn. ״Der Antisemitismus" so bemerkt der Verfasser im Weiteren ״inacht das Iudcnthum allein verantwortlich für Dinge, die dasselbe nicht allein, sondern in Gemeinschaft mit Vckennern aller Religionen, mit Sprößlingen alter Nationen und Stämme zu tragen hat. An dem Ucberwuchern des Kapitalismus hat der Christ, der Engländer, der Franzose u. s. w. ebensowohl seinen Anthcil, als der Jude. Der AntiscmitismuS verführt demnach nicht allein u»gründlich und frivol, sondern er ist vor allen Dingen auch zwecklos und ungerecht." Der Antisemitismus ist aber auch, nach des Verfassers Ansicht, antichristlich, antisozial, unsittlich und ungesetzlich, ja, iu Deutschland, wo die Juden vor beut Gesetze den Bekenncru anderer Religionen gleich gestellt sind, bedeutet die Inden Hetze nichts anderes als Revolution. Darum fordert der Verfasser seine Parteigenossen, die Mitglieder der deutsch-hannoverschen Partei, auf, ״sich von dem sich vorbereitenden antisemitischen Treiben fern zu halten" und wünscht, daß der Friede erhalten bleibe, der bislang die christlichen und jüdischen Bürger der Stadt und des Landes verbt.nden hat. — Auch wir stimmen aus vollem Herzen in diesen Wunsch ein; genteinsant mit allen Wohlmeinenden des Landes werden auch die Juden Hannovers sich bemühen, das Ihrige zur Besserung aller sozialen Mißstände beizulragcn. — Mag dann die ״Hannoversche Post" ihrem gestrigen Artikel gegen ״die lieben Juden", auf welchen näher einzugehen wir unser nicht würdig halten, einen zweiten und dritten folgen lassen, — auch sie wird endlich verstummen müssen, da das Reifen ihrer Saat an dem gesuttden von jedem Vorurthcil freien Sinne unserer Hannoverscheu Bevölkerung scheitern wird. Cmc ״iiiödcruc" Predigt. S. Es giebt doch kuriose Leute. Name und Ort sind gleichgültig, da wir es hier nicht mit Persönlichkeilen zu thun haben, wir vielmehr nur eine gewisse Richtung innerhalb unserer ״Geistlichkeit" wieder einmal kennzeichnen!nöchten. Wir wollen zu diesem Zwecke einiges aus einer Predigt mittheilen, welche jüngst einer ,.altehrwürdigen, heiligen Gemeinde" zugemuthet wurde. Sollte man cs wohl für möglich halten, daß ein Jude, daß ein Rabbiner öffentlich dem jüdischen Volke Feigheit vorwirft? und zwar nicht umschrieben, nein, mit dürren, kahlen Worten behauptet, das jüdische Volk sei feige!'. ״Persien hatte seinen CyruS, Griechenland seinen Alexander, Nom seinen Cäsar, aber Israel?" — ״Cäsar glaubte an seine Mission und legte darum die Welt sich zu Füßen, und Israel?"-Und da gewisse Leute bekanntlich Alles aus der תורה beweisen können, ist unser Redner um keinen Beweis verlegen. ״Sagt doch schon Moschch Rabbenu: ופחדת לילה ויומם ולא תאמין בחייך, d. h. du fürchtest dich bei Nacht und bei Tag und glaubst nicht an dein Leben." — Nicht wahr, das ist nett? Wir glaubten allerdings, daß die glorreichen Kümpsc der Makkabäer, die bewunderungswürdigc Verthcidigung des kleinen Judäa gegen das mächtige Nom, der heldcnmüthige Aufstand

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